Das Beste an schulfrei ist ... genügend Zeit zum Lernen

 

Mein bewusst etwas provokant gewählter Titel bildet natürlich nur einen Ausschnitt ab. Ebenso wie das Bild des Bücherstapels. - Denn "Schulfrei" hat so viele Vorteile mehr als nur genügend Zeit zum Lernen :) .

Zum Beispiel kann man selbstbestimmt Lerninhalte finden, die für einen in genau dem Augenblick wichtig sind und muss sich keine fremdbestimmten, maximal marginal erscheinenden Inhalte in den Kopf zwingen, muss nicht den ganzen Tag in einem  geschlossenen Gebäude mit minimaler Sauerstoffzufuhr herumsitzen, ist nicht zwangsweise in den wenigen Pausen einer enormen Geräuschkulisse ausgesetzt, kann nach dem eigenen Biorhythmus leben und muss nicht dann Ferien machen, wenn alle fahren.

 

In meiner eigenen Kindheit gab es glücklicherweise noch keine Ganztagsschulen, so dass, wenn man als Schüler den Vormittag/ Mittag abgeritten hatte (oder verschlafen, je nachdem), man wenigstens wusste - den Rest des Tages habe ich zur Verfügung. Als ich meinen ältesten Sohn an der weiterführenden Schule anmelden musste, war es schon nicht mehr möglich, eine Schule auszuwählen, die  keinen verpflichtenden Ganztag "anbietet". Das Modell existierte einfach nicht mehr. So dass ein Schultag für die Kids inkl. Busfahrt von 6.35 bis 16.50 dauerte - ein regelrechter Abeitnehmer-Tag also. Nicht akzeptabel, wie ich finde. Und das Energieniveau der Kinder sprach dieselbe Sprache - alle schulexternen Hobbies wurden quittiert, weil am Abend oder Wochenende einfach keine Kraft mehr übrig war. Insofern ist der "Zeit-Faktor" aus dem Titel durchaus ernstgemeint.

 

Lernen an sich - ganz im Ernst? - Ich selbst habe nie wieder in meinem Leben so schwergängig und widerstrebend "gelernt" wie in der Schule. Heute sieht es dadurch so aus, dass extrem viel vom Schulstoff irgendwie verschwunden ist aus meinem internen Speicher, einfach weg, wie ausradiert. Inhalte hingegen, mit denen ich mich nach der Schulzeit beschäftigte, weil sie mich interessierten oder ich sie schlichtweg für ein bestimmtes Ziel benötigte, sind noch wesentlich präsenter. Ein paar Grundkenntnisse in Fremdsprachen sind mir aus der Schulzeit geblieben, aber ich weiß, dass die jahrelange Büffelei von Vokabeln und Grammatik hinter Pulten und im Sprachlabor in der Weise nicht unbedingt nötig gewesen wären. Ich hätte mich auch eine Zeit lang in einem anderen Land aufhalten können (das ist sicherlich die effektivste Methode) oder schlicht auch fremdsprachliche Filme, Videos, Musik konsumieren können. - Mein ältester Sohn, der sich online viele Vorträge auf Englisch angehört hat (ohne nach der 10. Klasse enorme Englischkenntnisse zu besitzen), steckt mich bzgl. Sprachverständnis aber locker in die Tasche (und ich habe mich vor fast 30 Jahren durch einen Englisch-Leistungskurs manövriert und mit dem Füller Shakespeare seziert, der arme Mann!).

 

Ganz besonders froh bin ich persönlich, dass mir trotz der Schule meine Liebe zum Lesen (und Schreiben) nicht abhande gekommen ist!

Mir erschließt sich nicht wirklich, nach welchen Kriterien z. B. Oberstufenlektüre im Fach Deutsch ausgewählt wird, aber "Effi Briest", "Die Deutschstunde" & Co mit der dem Unterricht stets eigenen Auseinandernehmerei, Interpretiererei und Bestimmung von Stilmitteln haben es kein einziges Mal  geschafft, dass ich ganz in so eine Lektüre einsinken, den Autoren spüren und das Gelesene mit meiner eigenen Welt verknüpfen konnte. Ich war immer sowas von froh, wenn ich die Pflichtlektüre aus der Hand legen und mich "meinen Büchern" zuwenden konnte :) .

 

Übrigens - der Bücherstapel auf dem Foto (deutsch- und englischsprachig) ist authentisch aus Jankos Zimmer und ungefähr den letzten 2,5 Jahren. Aber längst nicht vollständig. Eine zwölfbändige heiß geliebte Fantasyreihe passte einfach nicht mehr aufs Bild (ich glaube, die wäre über einen Meter hoch) und die unzähligen Stunden in englischsprachigen Fantasyforen (lesen und verfassen) kann man halt auch nicht ablichten. Manche Bücher auf dem Foto wurden vielleicht nur angelesen, bevor Janko dann beschloss , dass es gerade doch nicht so passt, manche wurden dafür auch mehrere Male vertiefend gelesen (Tolkien hoch und runter zum Beispiel :) ). Und statt Themen wie Goethe, Grass und Lenz ist die freie Auswahl wohl deutlich mehr auf die aktuelle Lebenssituation und die eigenen Interessen bezogen. Was ja nicht heißen muss, dass man noch nie etwas von den Klassikern gehört hat, aber sie sind heute einfach nicht so maßgeblich für das eigene Leben und falls sie es doch einmal werden sollten, so ist ja immer noch Zeit, sie dann, im passenden persönlichen Rahmen zu lesen und sich dann sicherlich viel mehr annähern zu können als beim vorgegebenen Lesen.

 

Im Bereich der Musik ist es uns so gegangen - die Jungs hören alles mögliche an Musik: Pop, irisch Folk, K-Pop, Rap, BattleRap u. v. m.. Irgendwo hatten sie aber wohl mal Namen klassischer Komponisten aufgeschnappt und so hörte man eine Zeitlang aus den Zimmern Wagner, Mozart, Vivaldi, Bach und Chopin (manchmal noch untermalt mit ein paar historischen Fakten zu den einzelnen Komponisten). So kommen die interessanten Dinge manchmal ganz allein und zum richtigen Zeitpunkt auf einen zu.

 

Wen's interessiert - hier eine Leseliste (unsortiert und keine vollständige Auflistung):

J. Seymour: Vom Leben auf dem Lande

H. J. Stammel: Die Apotheke Manitous

M. Lauren: Fit ohne Geräte, Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht

J. Itzler: Living with a Seal

W. Hof/K. d. Jong: Die Kraft der Kälte

M. Konnikova: D1E KUN5T DES LGOI5CHEN DNKENS

T. Ferris: Die 4-Stunden-Woche

J. Willink/L. Babin: Extreme Ownership - How U. S. Navy Seals lead and win

A. + M. Jordan: Hypnose - Seele trifft Verstand

P. Coelho: Der Alchimist / Der Schutzengel

B. + T. Oettinger: Ki - Lebenskraft durch Bewegung

M. McClean: bear hunt - earn your living by doing what you love

W. D. Storl: Schamanentum - Die Wurzeln unserer Spiritualität / Die alte Göttin der Pflanzen / Der Selbstversorger

J. Strelecky: The Big Five fo Life / Das Café am Rande der Welt / Safari des Lebens

Richard Bach: Die Möwe Jonathan

A. Winter: Artgerechte Partnerhaltung / Zielen - loslassen - erreichen!

B. Seebauer: Sprich mit deinen Tieren - Einführung in die Tierkommunikation

B. Sher: Du musst Dich nicht entscheiden, wenn Du tausend Träume hast

L. Fuks: Eine Familie zieht in die Wildnis

B. Carey: How we learn

R. D. Precht: Tiere denken

A. Aumann/F. d. Leonardis: Solodrills im Kampfsport

K. E. Pfeiffer: Nervendruck- und Schlagtechniken

K. Sackmann: Waldläufer-Tricks

R. Nehberg: Survival - Abenteuer vor der Haustür

M. Bogner: Selbst denken, selbst versorgen, selbst machen

J. R. Tolkien: Nachricht aus Mittelerde / Der Hobbbit / Herr der Ringe 1-3 / Die Kinder Húrins / Das Simarrillion

B. Hoffmann: How to be strong, healthy and happy

 

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Weshalb dieser Blog nicht mehr das sein wird, was er noch niemals war ...

 

Hä?

Was soll das jetzt wieder bedeuten?

 

Erst kommt ewig lange gar nichts hier auf dem Blog, dann geht's wieder los und dann wird's auch gleich verwirrend.

 

Ursprünglich von mir super-pädagogisch-wertvoll als Familienblog zum Schulaustritt geplant, wurde diese Seite dann ziemlich flugs ausgerechnet von innen heraus torpediert. - Die Kids hielten so gar nix von meinen pädagogischen Ambitionen, wollten einfach nur aus der Schule raus, ohne sich aber schon wieder in irgendeiner Weise schriftlich, kreativ oder sonstwie beweisen zu müssen.

 

Sehr verständlich. Sehr frustrierend.

So tippselte ich dann in der ersten Zeit munter drauflos, wollte unsere direkte Umgebung ein bisschen auf dem Laufenden halten.

Aus ebendieser wurden aber schnell die Fragen lauter, was denn nun eigentlich wirklich läuft bei uns? Wieso die Kinder sich nicht auch mal zu Wort melden? Was diese nicht gerade anspornte. Der Blog war für sie sofort toter als gestorben. Shit!

 

Und "feel free to be free", unser toller, mir in einem euphorischen Moment zugeflogener Titel, schien mir nach unseren ersten wackeligen schulfreien Schritten plötzlich eine gewaltige Nummer zu groß zu sein.

Verdammte Hacke! - So einfach ist das gar nicht, sich frei zu fühlen, wenn von außen (und auch von innen) alle möglichen Verkabelungen ihre festen Steckverbindungen an einem gefunden haben. Die Schule oder besser: die "keine Schule" war da auf einmal das geringste Problem. Aber immerhin ein Anfang für einen neuen Weg, und dafür bin ich echt dankbar!

Nur hatte ich so häufig das Gefühl, mich völlig übernommen zu haben mit dem Anspruch auf "feel free to be free". Ich Großmaul! Wie peinlich!!!

Da wusste ich dann plötzlich auch nicht mehr, was hier wohl zu dokumentieren sei. Ein paar wenige kleine Reiseberichtchen entstanden noch, manchmal vielleicht ganz amüsant zu lesen, garniert mit meist nicht so genialen Fotos, da hab' ich einfach kein Auge für. Und keine Kamera.

Danach herrschte Flaute.

 

Irgendwann hatte ich einen kurzen Austausch mit dem wirklich genialen Deprogrammierer Stefan Hiene zu der Nummer, sinngemäß in etwa so:

Ich: "Verflucht! Hätte ich vorher gewusst, was an "feel free to be free" alles dranhängt ..."

Stefan: "Ja, is' geil, oder?"

Ich "?????? ... Öhm!"

 

Tja, das ist ein Weilchen her, und inzwischen denke ich: Ja, das ist tatsächlich ziemlich geil! Aber auch ungemein zehrend, immer wieder verunsichernd und manchmal sogar ängstigend, dabei aber wahnsinnig lehrreich und - wenn man es zulassen kann - extrem inspirierend.

Man muss sich "nur" trauen, loszulassen, zu vertrauen (die schwerste aller Übungen) und einen ersten Schritt zu wagen. Und dann wieder einen ersten. Und noch einen. Der lange Weg der ersten Schritte ... :)

 

Der wunderbare Satz von Mischa Miltenberger: "Mut ist Angst plus ein Schritt" hängt deshalb unübersehbar schon seit Wochen bei uns am Küchenschrank zur steten Erinnerung.

Es hilft ungemein, solche Mut-Booster von außen zu bekommen, wenn man selber einmal schwächelt. Besser als 'ne VitaminC-Überdosis bei Erkältung! Und stärkende Kontakte sind sowieso unbezahlbar. Wie eine Powerbank für den inneren Akku. Dann läuft's auch wieder :) .

Das Tolle ist - einmal auf den Weg gemacht, rollt und rollt und rollt es, manchmal noch holprig, aber man trifft immer wieder auf Menschen, die einem weiterhelfen in irgendeiner Form. Eine ganz wunderbare Erfahrung!

 

Kleine Reiseberichte wird's hier wahrscheinlich immer nochmal geben, Themen um's schulfreie Leben ebenfalls, aber nicht mehr nur. Dafür schreib' ich inzwischen viel zu gerne über das, was mich innerlich bewegt. Denn die Kündigung beim Schulzirkus war wohl nur ein Startschuß.

 

Ein Puzzle legt man schließlich auch nicht nur mit einem Teil.

 

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feelfreetobefree @ Schulfrei-Festival 2017

Auch in diesem Jahr besuchten wir das viertägige Schulfrei-Festival in Brandenburg, auf das Jakob schon das gesamte Jahr hingefiebert hatte. Mia hatte diesmal leider keine Zeit, mitzukommen, da sie ein paar Tage zuvor einen einjährigen Bundesfreiwilligendienst begonnen hatte. Und Janko, der sich bei seinem Chef für diese Zeit ausdrücklich Urlaub ausbedungen hatte, wurde am Tag vor der Abreise dann doch noch zwangsverpflichtet, da ein wichtiger Auftrag anstand und ein Mitarbeiter ausgefallen war. Eine Zugfahrt musste also noch flott vor Abfahrt organisiert werden. Das versetzte uns heftigst ins Rotieren, besonders mich, denn ich komme bei den Vorbereitungen zu unseren Reisen auch ohne unvorhergesehene Störfälle stets ins Schwitzen.

 

Dementsprechen "gelaunt" schwang ich mich dann auch auf den Fahrersitz unseres treuen Instabils, lauthals schimpfend und zeternd wie ein Rohrspatz, während unser alter Diesel, munter vor sich hin röhrend, Fahrt aufnahm. Jakob meinte zwischendrin breit grinsend: "Ui, Mama, Du solltest Demotivationstrainer werden!" :)

Aber selbst das konnte mich in dem Moment nicht ruhigstellen. Irgendwann reichte es Janko neben mir dann wirklich und er begann mit tiefer, ruhiger Stimme, mir die seit meiner Hypnosetherapie im vergangenen März vertrauten Suggestionen vorzusagen: "Du bist ganz ruhig und entspannt. Nichts kann Dich mehr stören. Immer tiefer und tiefer sinkst Du jetzt in diesen wunderbaren Zustand völliger Entspannung. Gar nicht mehr aktiv sein, gar nichts mehr wollen jetzt. Alles geschieht von alleine. Schließe jetzt Deine Augen ..."  - Weiter kam er nicht, denn in diesem Moment brachen wir, wie immer an dieser Stelle, gemeinsam in schallendes Gelächter aus. Es ist schon geil irgendwie, wenn Junior so ganz genau weiß, wie er mich zu packen kriegt. Die Anspannung war komplett verflogen und die Fahrt konnte nun endlich gutgelaunt weitergehen.

(Selbstverständlich ist es KEINE! gute Idee, während Autofahrten Hypnose zu genießen, bitte nicht nachmachen!! Bei uns ist das nicht wirklich ernst gemeint, ist einfach mittlerweile ein Insider, dass Janko mich, wenn ich mich aufrege, supereasy so wieder auf den Boden holen kann.)

 

Ich fand es wirklich schade, dass unsere ursprünglich gemeinsam geplante Aktion nun so zerfledderte - Mia im Dienst, Janko nach dem ersten Abend abkommandiert. Zum Glück ergab es sich dann während der Fahrt nach Klein Leppin, wo echt der Hund begraben ist und sich  dort an seinem Grab Fuchs und Hase wahrscheinlich regelmäßig "Gute Nacht" sagen und Internet oder Handyempfang fast gar nicht verfügbar sind, dass Janko doch erst am frühen Morgen des letzten Tages abreisen musste, so dass er das Festival dann doch auch noch genießen konnte.

 

Herrschte im vergangenen Jahr echtes, fast schon zu heißes Götterwetter, so hatte 2017 für's Festival das Gegenprogramm gestartet - tagelange Regengüsse und Temperaturen um 17 Grad ließen mich jubilieren, dass wir unser Wohnmobil als Refugium haben. Viele Familien waren mit Auto und Zelt angereist und ließen sich trotz allem die Laune nicht vermiesen. Die Kinder natürlich schon mal gar nicht. Liefen im letzten Jahr fast alle mit FlipFlops oder barfuß herum, liefen sie in diesem Jahr eben mit Gummistiefeln - oder barfuß ... ;)

 

Wieder gab es jede Menge malerischer Trucks zu bewundern, die Freilerner sind reiselustig. Haben ja auch Zeit dazu. Zwei tolle Vorträge hörte ich mir zu diesem Thema an - da läuft einem schon ein bisschen das Wasser im Munde zusammen, auch wenn wir durch die Hunde leider sehr eingeschränkt sind bzgl. reisen. Das Festival-Programm war mit vielen interessanten Vorträgen, Gesprächsrunden, Workshops, Musik und anderen Aktionen wieder eine tolle bunte Mischung, die Besucherzahl in diesem Jahr deutlich größer als im letzten - die Schulfrei-Szene wächst rasant in Deutschland. Aber die Besucher kamen auch von weiter her, um am Festival teilnehmen zu können: Niederlande, Luxemburg, Frankreich, Spanien, Portugal, Schweden waren einige Länder, die ich so mitbekommen habe, sogar aus Kanada war jemand angereist.

 

Nach zwei, drei Stunden im Trubel musste ich mich zwischendurch zurückziehen, um wieder ein bisschen Ruhe zu tanken, was ganz prima in Regenpausen auf Hundespaziergängen auf den wunderschönen Waldwegen geschehen konnte oder auch beim Lesen, Schlafen, Schreiben im Wohnmobil. Noch immer bin ich borreliosebedingt nicht so arg belastbar, was Außeneinflüsse angeht, die erschöpfen mich einfach wahnsinnig schnell. Geräusche (ja, auch Gespräche sind Geräusche ;) ),visuelle Eindrücke überfordern mich ziemlich flott, und so bekomme ich natürlich immer nur einen Bruchteil des vielfältigen Programms und inspirierender Gespräche mit.

Aber immerhin! Ist halt ein ausgewählter Genuß. Und einige interessante Eindrücke durfte ich auch mitnehmen, zum Beispiel den Appell eines in Kanada lebenden Freilerner-Papas, auch Kanada zur Auswanderung zwecks Bildungsfreiheit in Betracht zu ziehen. Dort lebten 30% aller Kinder schulfrei, legal und gesellschaftlich gut angesehen - eine Zahl, die aus unserer mehr als wackeligen Perspektive in Deutschland wirklich gewaltig erscheint - und Kanada unterstütze seine "homeschooler" selbstverständlich durch Materialgelder u. a..

 

Der wundervolle Vortrag von Gabi Reichert, die als Reisejournalistin und -fotografin mit Mann Gunter und den inzwischen erwachsenen Kindern jahrelang u.a. Europas Küsten bereiste, wodurch die Kinder ganz intensiv vom Leben lernen durften (um dann anschließend in eigenständiger Vorbereitung als externe Prüflinge einige deutsche Schulabschlüsse zu erwerben ;) ), hat mich sehr berührt. Gabi plädiert stark dafür, sich - am besten auf spielerische Weise - mehr und viel mehr mit dem zu beschäftigen, was man liebt, was aus einem hinaus in die Welt möchte. Das sei so viel zufriedenstellender als die Schwerpunkte zu setzen auf Dinge, die man noch nicht kann, Fehler, die man ausmerzen muss und Skills, die man optimieren sollte (wie es leider allzu häufig in der Schule geschieht). Eine Angst vor'm Fehlermachen und eine verkrampfte Haltung im eigenen Tun könne da schon mal das Resultat sein. Gabis irre schöne Fotos, mit denen der Vortrag eindrucksvoll illustriert wurde, sprechen für sich - da tut seit vielen Jahren jemand genau das, was sie liebt. Umso schöner war es für mich, zwischendurch und zum Schluß des Festivals hin, in persönlichen Gesprächen mit ihr endlich mal wieder näher in Kontakt zu kommen. Extrem inspirierend!

 

Wieder nett war auch in diesem Jahr, dass unser Büchertischchen "for free" (feel free to take three oder so ähnlich :) ) erneut nach nur kurzer Zeit geleert war. Unsere ausrangierten Kinderbücher, CDs und sogar noch einige altertümliche Kassetten hatten schnell neue Liebhaber gefunden, und es war schön, auf dem Gelände hin und wieder mal einem unserer alten Bücher in Kinderhänden zu begegnen.

 

Die Jungs haben das Festival wieder einmal genossen, besonders Jakob glänzte mit Abwesenheit vom Wohnmobil bis in die frühen Morgenstunden, ich glaube, einmal war er erst um 6 Uhr "zuhause". Echt cool, diese Freiheit, die dort möglich ist, obwohl er dann im Dunklen immer noch einige Minuten Fußweg vom Festivalgelände zum Wohnmobil zurücklegen musste. Wir ließen die Türe nachts einfach unverschlossen, das geht dort problemlos (und für den Notfall haben wir ja noch zwei tiefschlafende Hunde dabei ;) ).

 

Unten könnt ihr noch ein paar kleine Eindrücke aus den vier Tagen sehen. Vom bunten, trubeligen Festivalgelände selbst stelle ich hier keine Fotos ein, da da natürlich immer viele kleine und große Menschen mit drauf waren und ich nicht abschätzen kann, ob es für den ein oder anderen ein Problem wäre, veröffentlicht zu werden.

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Warum es sich lohnen kann, auch mal komplett neben der Spur zu laufen

 

Ich war die längste Zeit meines Lebens eine, die völlig automatisiert Regeln befolgte. Eine, die schon als Kind beim Mensch-ärger-Dich-nicht nicht wirklich zum Schummeln geboren war (und Pokern daher später nie als Option hatte). Eine, die als Jugendliche (mit zwei linken Füßen) zur Tanzschule und dann auch zur Firmung marschierte, einfach, weil das alle so machten (obwohl die Füße viel lieber in Wanderschuhen im Wald rumgelaufen wären). Eine, die auch heute noch manchmal unwillkürlich nachts an der roten Ampel stehen bleibt und auf Grün wartet, obwohl weder Autos noch kleine Kinder in Sicht sind. Ich denke da gar nicht drüber nach, es ist wie ein Schalter: Regel = folgen. Ist so. Muss so. Passiert einfach.

 

Daher war es ein ganz schöner Akt für mich, für meine Kinder und gemeinsam mit meinen Kindern aus dem Schulsystem und damit DEM großen Zubringer des gesellschaftlichen Regelsystems auszubrechen. Schon die eigene Begriffsstutzigkeit zu überwinden, dass das, was alle machen, nicht automatisch der einzig zielführende Weg ist, war eine ziemlich hohe Hürde.

 

Im eigenen Kopf. Und da hatte ich noch keine einzige in der Außenwelt genommen.

 

„Zielführend“ - was soll das überhaupt bedeuten? Gesamtgesellschaftlich betrachtet: Alle auf einem Weg, planiert und asphaltiert, sicher mit Geländern - mitunter auch mal Stacheldraht - eingefasst, damit auch ja keiner abweicht. Der ganze Menschenstrom kollektiv in eine Richtung gelenkt. So kommt mir unser gesellschaftliches System inklusive Schulsystem manchmal vor. Abweichungen existieren nicht, noch nicht einmal in der Phantasie …

 

 

Sieht idyllisch aus? Aber auch ganz schön gerade, leer und überschaubar ...

 

Immer wieder wird uns gegenüber momentan zum Beispiel von den verschiedensten Stellen aus Erstaunen geäußert, dass unser ältester Sohn Janko nicht zur Schule geht, keine reguläre Ausbildung macht und auch nicht studiert oder zumindest irgend etwas davon anstrebt.

 

Die Krankenkassenmitarbeiterin wundert sich sehr und wünscht „eine erfolgreiche und zügige Orientierungsphase“.

Die Sparkasse kann ihm so keine Verbilligung bei den Kontoführungsgebühren einräumen. Der junge Mitarbeiter in seinem krawattendekorierten Anzug ist aber extrem fasziniert von Jankos momentaner Tätigkeit als Industriekletterer („Wie kommt man denn zu so etwas? Immer schon gerne geklettert?“ - „Nein, der Job kam spontan und die Seil- und Sicherungstechniken hab' ich dafür einfach gelernt.“).

Die Kindergeldkasse zahlt sowieso schon nicht mehr seit dem 18. Geburtstag, ab welchem Kindergeld nur noch von total regulärem Ausbildungsnachweis abhängig ist. Ebenso alle Arten von Fahrkarten oder Eintritten: Schüler, Auszubildende und Studenten preiswerter – gibt es echt keine anderen jungen Menschen?

 

Was passiert wohl, wenn man sich diesem Diktat unterwirft, obwohl man schon eine leise Ahnung hat, dass das eventuell nicht der Weg ist, der für einen selbst passt?

 

Diese Erfahrung durfte ich selbst als Jugendliche machen, als sich mein Traum, Tierärztin zu werden, aus verschiedenen Gründen zerschlug und ich relativ aufgeschmissen daraufhin ins BIZ (Berufsinformationszentrum – gibt's das eigentlich noch?) fuhr und mich stundenlang durch echt öde, trockene Kataloge und Kataloge und Kataloge an Studien- und Ausbildungsberufen las, um mich schließlich für ein Studium der Sozialarbeit zu entscheiden.

 

Eine Kopfentscheidung. Schien mir das kleinste Übel aus den vorhandenen Möglichkeiten (war tatsächlich auch ganz interessant, nur vielleicht nicht sonderlich geeignet für jemanden, der nicht so wirklich wie selbstverständlich mit Menschen kann ...). Aber irgend etwas musste halt nahtlos anschließen.

 

Mehr als eineinhalb Jahrzehnte später, als ich mich kurze Zeit in dem Job probiert hatte und tatsächlich – oh Wunder!  - feststellte, dass er nicht wirklich etwas für mich war, begab ich mich endlich zurück auf den Weg meiner wirklichen Neigungen und Interessen und machte eine Ausbildung als Hundephysiotherapeutin (durchaus kein BIZ-Katalog-Beruf!).

 

Dass mein Gesundheitszustand diese Tätigkeit nicht lange zulassen würde und das Freilerner-Leben zusätzlich eine ortsunabhängige Tätigkeit notwendig machen würde, wusste ich damals noch nicht. Aber es führte über manch krumme Wege dazu, dass aus meiner leider allzu kurzen Selbständigkeit als Hundephysiotherapeutin nach einer erneuten Orientierungsphase jetzt gerade eine Selbständigkeit als Korrektorin, Lektorin, Texterin wird, bei welcher ich eine weitere Leidenschaft mit den momentanen Bedürfnissen unserer Familie verbinden kann. Ob das etwas für immer sein wird, weiß ich heute noch nicht. Das ist auch heute nicht wichtig, weil es genau heute einfach genau so passt. Wer weiß schon, was morgen sein wird? (Okay, gerne ein längerfristiges „Morgen“, sagen wir von zehn, fünfzehn Jahren, denn sooo witzig ist die ganze Prozedur rund um den ganzen rechtlich-theoretischen Kram, um sich selbständig zu machen, wirklich nicht.)

 

"Zielführend"? ... Durch dieses von klein auf „in-Spur-Lenken“ verschleiert sich einfach der Blick für alles Weitere, was möglich sein könnte. Scheuklappensehen. Und Spurrillendenken.

 

Man hält sich an begrenzenden Geländern, die bestenfalls eine Art Sicherheit vorgaukeln, die sie aber meist schon gar nicht mehr bieten können. Dabei ist es ein so befreiendes Gefühl, die Geländer loszulassen, den Blick einmal vom ausgetretenen Boden zu heben und ihn schweifen zu lassen in die Weite. Und vielleicht auch ganz besonders einmal in sich hinein.

 

Und dann einen ersten Schritt zu tun in eine ganz neue Richtung. Klar, dass einem dabei auch mal schwindelig werden kann. Dann würde man sich doch allzu gerne irgendwo abstützen, sucht einen Halt, der doch in altbekannter Form so nicht mehr existiert, sucht einen Pfad, den man selbst aber erst bahnen muss.

 

Das kann enorm verwirrend, sogar beängstigend und auch schmerzhaft sein und doch wohnt diesem neuen Gehen eine Intensität und mentale Weitung inne, die man, wenn man nach dem ersten Schrecken dann wieder in der Lage dazu ist, freudig feiern darf.

 

Und lernen kann, die sich neu auftuenden Perspektiven allmählich zu genießen.

 

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Nordfranzösische Küste im März

Nachdem wir Ende letzten Jahres endlich neue (Allwetter-)Reifen für unser Instabil bekommen haben, diverse Male in Werkstätten "zu Besuch"  waren und Ende Februar mit vereinten Kräften (und einer Reparatur am Bremssystem) tatsächlich noch einmal den TÜV für 2 Jahre abstauben konnten, hieß es Mitte März: 1. Tour 2017!!!!!!!! Juhuuu!

Und dann entdeckte ich beim Bettenmachen den Wasserschaden im Alkoven ...

So ein Mist, die vordere Matratze war naß und in beiden Ecken des Bettrahmens hing Schimmel. Also Pläne gestoppt und erstmal alles auseinander genommen. Das Frontfenster abgedichtet, die Matratze entsorgt, alles getrocknet, gegen Schimmel behandelt, durchgelüftet.

Und dann sind wir doch noch los gekommen.

Nachdem ich erst ewig lange überlegt hatte, wohin es gehen sollte - mir war nach Sonne und Wärme zumute, hat uns die verkürzte Reisezeit durch die Aktion oben dann spontan nach Nordfrankreich geführt. Und zwar an die Küste, denn wenn schon nicht unbedingt in die Wärme, so wollte ich wenigstens ans Meer. So zum Durchpusten und Seele baumeln lassen.

Nach einer sehr intensiven dreitägigen Hypnotherapie in der Woche vorher war das genau das Richtige. Diesmal fuhr von den Kids nur Jakob mit, denn Mia machte gerade ein Praktikum im Bereich Webdesign und hat seit Mitte Januar Besuch  und Janko hat inzwischen eine Grundausbildung beim THW begonnen und hat alle zwei Wochen einen Ausbildungsabend, ausserdem stand die theoretische Führerscheinprüfung an (inzwischen bestanden - Jippie!). Jakob hatte aber trotzdem Lust, zu fahren, ich auch, die Hundis ebenfalls.

Also WoMo fertig gepackt, Hunde und Kind geschnappt und los.

 

Wir kommen abends nach 5 Stunden Fahrzeit kurz vor der Dämmerung auf einem Wohnmobilstellplatz an der Steilküste in Équihan-Plage an. Da ich orientierungstechnisch nun komplett auf mich allein gestellt bin (jeder, der mich kennt, weiss, dass das die ultimative Katastrophe bedeutet), habe ich mich vorbereitet und diesen Tipp in einem Forum gefunden. So total offiziell, mit Schranke, Gebühren und Automat und so, aber egal, es sollen einfach entspannte Tage werden und keine nervenaufreibende Suche nach freien Stellplatzmöglichkeiten. Also eingecheckt, es sind noch reichlich Plätze frei, aber auch ein paar französische und belgische Wohnmobile dort, alles neue blitzweiß-edelgraue Gefährte und unser häßlich-cremefarbenes (uraltes) Entlein fällt auf. Und dann müssen wir die Hunde erlösen, die haben die Fahrt brav mitgemacht, aber jetzt müssen sie wirklich dringend raus. Also los und den Strand suchen. Wir haben Glück, es ist Ebbe - nach einer steilen Holztreppe, die von einer Gruppe kerniger Franzosen jetzt am Feierabend anscheinend dazu genutzt wird, ein kleines Training an Höhenmetern zu absolvieren, erwartet uns ein riesiger, hunde- und menschenleerer Strand. Die Hunde stieben sofort begeistert umher und auch Jakob und ich können unser Glück kaum fassen. Einfach wunderschön und wir legen uns strahlend gegenseitig den Arm um die Schultern und genießen, was für ein grandioses Glück wir haben, so etwas einfach so erleben zu dürfen.

 

Der Strand ist so schön, dass wir drei Nächte dort bleiben, und somit unsere Normandie-Tour direkt am Anfang stark verkürzen. Aber egal, es soll ja in erster Linie eine entspannte Tour werden, wir kennen ohnehin noch gar nix hier und bleiben einfach da, wo es sich gut anfühlt.

Der zweite Tag ist gleich stürmisch-grau und etwas verregnet. Macht nix, in Regenpausen kann man trotzdem wunderbar am Strand entlangspazieren, bei 10 Grad barfuß über den festen kühlen Sand. Fühlt sich super an und anschließend gibt' s 'nen schönen warmen Tee im Wohnmobil. Ich hatte vor der Fahrt so meine Zweifel, wie das wäre mit dem Heizen, ob das bei unserer doch relativ maroden Technik gut ginge. War dann sehr erleichtert, dass die kleine Gasheizung - mitunter nach Anlaufschwierigkeiten - alles doch innerhalb von 20 Minuten echt warm aufheizt und das auch für einige Stunden anhält. Der Kühlschrank funktioniert dagegen trotz zweimaliger "Reparatur" weiterhin nicht, aber das ist eher ein Problem im Sommer (und auch da sind wir bisher ohne einigermaßen klargekommen). Unter meinem eigens abgedichteten Fenster steht eine Wanne, weil's bei Regen immer noch reintropft. Na, egal jetzt, muss ich zu Hause nochmal ran.

 

Nach drei Nächten fahren wir weiter nach Le Tréport, einer kleinen Küstenstadt an weißen Kreideklippen. Es ist gar nicht so einfach, das Wohnmobil bei starkem Seitenwind auf Spur zu halten, fahren wir einfach etwas langsamer. Der Stellplatz liegt ganz oben, wir merken es nachts und müssen ein im heftigen Wind pfeifendes Fenster abdichten. Das Liegegefühl im Wohnmobil ist bei solchem Wind ein bisschen wie Hängematte - auch mal schön :) . Die Hundespaziermöglichkeiten sind nach den tollen Stranderfahrungen etwas mau, deshalb bleiben wir auch nur eine Nacht hier.

Für uns Zweibeiner toll ist aber, dass ein kostenloser Kabinenaufzug in der Nähe des Stellplatzes durch die Klippen hinunter in die Stadt und ans Meer führt. Das testen wir direkt einmal. Aber ohne Hunde, Noly kriegt ja Panik, wenn es etwas näher an die Zivilisation rangeht, also bewachen die beiden während unserer Abwesenheit das WoMo. Jakob, den die Stadt so gar nicht interessiert, fährt aber soooo gerne Klippenaufzug, so dass wir ein paarmal hoch und runter fahren. Cool!!!

Leider haben wir nur die Video-Cam dabei, deren Fotoqualität mehr als unterirdisch ist, das kommt beim grauen Normandiewetter besonders schön zur Geltung ...

 

Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Veules-les-Roses mit einem kostenlosen Wohnmobilstellplatz auf einer Wiese hoch oben auf den Klippen. Der Ort ist ganz niedlich, was mir allerdings eher am alleräußersten Rande auffällt, als unser Navi mich in enge Sackgassen, Einbahnstraßen und auf den Kirchvorplatz führt. Mit Jakobs Hilfe gelingt mir ein zentimetergenaues Wendemanöver und dann müssen wir erst mal schauen, wie wir aus dem Ortskern wieder hinausfinden. Es klappt irgendwie und wir finden endlich den (ausgeschilderten) Stellplatz. Puh! Schweißausbruch! Solche Situationen lassen mir büschelweise graue Haare wachsen. Wir gehen mit den Hunden spazieren und später erkunden wir das Dörfchen. Echt ganz niedlich. Die Veules ist mit etwas über 1 km der kürzeste Fluß Frankreichs, der ins Meer mündet und es gibt an ihrem Verlaufe einige malerische Fleckchen zu bewundern. Auch die Häuser gefallen uns gut, man hat hier im Mauerwerk Verzierungen aus den Flintsteinen, die überall in den weissen Kreidefelsen eingeschlossen sind, geschaffen, sehr adrett! Jakob gefällt die Mündung der Veules, die ist zwar von Beton eingefasst, also nicht sehr hübsch, dafür kann er dort einen guten Parcours-Run hinlegen. Und gleich noch einen. Und geht später am Tag extra nochmal alleine hin, um das noch ein paarmal zu machen.

Am nächsten Nachmittag fahren wir weiter nach Étretat, wo allerdings der Akku der Cam leer ist, deshalb gibt's vom spektakulären "Elefantenfelsen" keine Bilder. Wir steuern den offiziellen Stellplatz an, da die Stadt wohl drastische Strafen verhängt, wenn man mit dem WoMo Richtung Meer fährt. Und mir steht ohnehin der Sinn mal gerade nicht nach Einbahnsträßchen, Sackgassen, tiefhängenden Balkonen & Co. So haben wir einen guten Kilometer an der Durchgangsstraßen zu laufen, um zum Meer zu gelangen, Jakob hat dazu am Abend keine Lust mehr und so marschiere ich da mit den Hunden - Noly allerdings recht panisch und vorsichtshalber im Sicherheitsgeschirr - allein hin und genieße einen wunderbaren Sonnenuntergang mit malerischem Anblick von Felsbögen und davor aktiven Wellenreitern. Am folgenden Tag gehe ich zusammen mit Jakob, die Hunde bleiben allerdings im WoMo, denn für Nolys Nerven ist sowas echt "too much" und besonders hundefreundlich ist der sehr touristische Strandpromenadenbereich eh nicht. Über ein Verbot, (wahrscheinlich aufgeschüttete) Steine vom Strand mitzunehmen, lachen wir uns kaputt. Aber naja, wenn jeder Tourist da ein paar schöne Steine findet, ist deren wahrscheinlich teuer bezahlte natürliche Strandbefestigung wohl schneller, als man "futsch" sagen kann, zur Gänze in Sammlertaschen verschwunden. Der Tag ist wettertechnisch ziemlich durchwachsen, so flüchten wir vor einem Regenguss in das Touristenlokal eines Hotels und gönnen uns eine Pizza (so wegen "echt französisch" und so :) - richtig echt französisch ist aber das fast noch rohe Ei, das in der Mitte von Jakobs Pizza Orientale schwabbelig thront - brrrr!). Mit dem offiziellen Stellplatz haben wir riesig Glück, da ist gerade die Technik kaputt und so kostet uns die Übernachtung überhaupt nix. Wir bleiben auch noch eine zweite Nacht, da mich in den letzten Tagen die Erkältung, die ich von Jakob übernommen habe, doch ziemlich geplättet hat, und ich mich nach unserem Ausflug und dem daran unvermeidlich anschließenden Hundegang nicht mehr unbedingt so fit fühle, noch weiter zu fahren.

 

Am nächsten Tag geht's dann aber weiter, wir drehen nun schon wieder um in Richtung Osten und fahren diesmal nach Sotteville-sur-Mer. Der Ort ist nicht weiter sehenswert, die Schokocroissants aus der Bäckerei aber sehr lecker, und am Meer gibt's einen Wanderparkplatz, wo wir problemlos für zwei Nächte frei stehen. Wieder gibt es eine Steiltreppe durch die Klippen hinab zum Strand und dieser ist so bezaubernd mit interessanten Felsformationen, menschenleer, bei Ebbe riesig breit, dass wir mal wieder einfach nur happy sind. Genuß pur für Mensch und Hund. Von anderen WoMo-Fahrern hören wir, dass es in der Hauptsaison allerdings stets sehr voll sei, das glaube ich unbesehen übrigens für sämtliche Stellen unserer Tour. Aber jetzt im März genau unser Ding! Wie gut, dass wir nicht in der Hauptsaison unterwegs sein müssen! :)

 

 

Und neben Action am Strand gibt's auch so viele zauberhafte stille Schönheit dass man einfach nur staunen kann. Da gibt es Sandbäume, Feenhaar, Strandtrolle, das Ohr des Poseidon und so vieles Meer :)

Wir fahren weiter Richtung Osten, halten kurz in Yport, haben aber dann doch keine Lust, uns den Ort anzuschauen, die Parkplatzsituation ist auch nicht so dolle, fahren nach Criel-Plage, dessen häßlicher Strand uns aber überhaupt nicht gefällt, der anvisierte Stellplatz existiert auch gar nicht mehr, und so verschlägt es uns für die letzten beiden Nächte unserer Tour einfach wieder nach Équihan-Plage, auf unseren ersten Stellplatz. Es ist Samstag, tolles Wetter und so haben wir ein Riesenglück, als wir gegen 18 Uhr noch den letzten freien Stellplatz erwischen. Der Rest des Geländes steht rappelvoll, das ist ein etwas anderes Gefühl als beim ersten Mal. Na, aber der Strand ist nach wie vor wunderschön und um unsere Spaziergehzeiten auch fast menschenleer.

So hatten wir insgesamt eine echt tolle, sehr entspannte Tour. 11 Tage mit viel Zeit zum Schreiben, Lesen, für Strandspaziergänge, Filme schauen, spielen - einfach chillen und die Seele baumeln lassen ...

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Kinder-Weisheit

 

Auf der Fensterbank unserer Küche steht zwischen viel papiernem Gerümpel: Schuljahresbüchern, Fotomappen von bestellten Fotografen mit total gestellten Fotos, Rezeptheften, alten Kinderzeichnungen, leeren Versandtaschen, wichtigen Broschüren u.v.m. mittendrin DAS BUCH.

DAS BUCH ist ein dickes Ringbuch mit gelbem Einband samt einer fröhlichen Biene darauf und daher immer gut sichtbar und schnell zur Hand. In letzter Zeit wird es ab und zu mal aus dem Papierwust herausgezogen, manchmal, um etwas zu notieren, häufiger aber, um zu lesen, was die Vergangenheit uns mitzuteilen hat. Meist lesen wir uns gegenseitig laut daraus vor, erinnern uns so gerne an früher und brechen immer noch häufig in prustendes Gelächter aus. - Schon hundertmal gelesen, immer wieder toll!

In Wirklichkeit ist DAS BUCH nämlich kein Buch, sondern ein wahrhaftiger Schatz und wurde früher, als unsere drei Kinder noch kleiner waren, häufig hervorgezaubert, um witzige, erstaunliche oder berührende und immer unverfälscht wahre Kinder-Aussprüche in all unserem trubeligen Alltag schnell schriftlich festhalten zu können. "Das muss ins BUCH!" war unser typischer Signalsatz dafür, dass etwas auf keinen Fall in Vergessenheit geraten sollte und einer sprinten musste, um DAS BUCH samt Stift zu holen.

Auffällig war: Je älter die Kinder wurden, desto weniger war einzutragen. Der kindliche Genius verliert sich anscheinend mit dem Einwachsen in die Gesellschaft ein wenig. Aber wir schwelgen in diesen Erinnerungen wie in einem Fotoalbum.

Ich weiss leider überhaupt nicht mehr, welch guter Geist uns etwa um die Zeit der Geburt unseres Ältesten herum empfahl, uns solch ein Blanko-Buch zuzulegen. Das ist echt schade, denn heute würde ich ihm glatt um den Hals fallen vor Dankbarkeit.

 

Seit einige Tagen geht mir ein Satz eines wirklich weisen Mannes im Kopf herum und lässt mich nicht mehr los. Er lautet: "Ich bin der Chef vom Sinn der Sache."

Der Ausspruch stammt aus 2001, und der weise Mann war noch nicht mal 3,5 Jahre alt. Damals fanden wir das total süß. Typisch, so verträumt wie Junior durch's Leben schritt, ganz philosophisch, wie goldig (doch - ist da nicht auch ein bisschen Größenwahn dabei?).

 

Gerade jetzt in diesem Moment, 15 Jahre und ein paar Erfahrungen später, denke ich: Das ist wohl der hellsichtigste Satz, den ich jemals hörte. Weil Kinder eben noch ganz unverfälscht sind, sind sie der Wahrheit so nahe. Davon können wir nur lernen. Keine Spur von unangebrachtem Größenwahn. - Wenn bloß jeder Mensch der Chef seines Sinnes der Sache wäre, bräuchte man gar kein Mindsetcoaching mehr, die Midlife Crisis wäre nurmehr ein Mythos und "feel free to be free" schon ein ganzes Stück näher gerückt.

 

Heute morgen beim sonnendurchfluteten Hundespaziergang auf rauhreifgestärkten Wiesen sprach ich mit Janko über seinen echt weisen Ausspruch von damals. Er sagte zu mir: "Kinder, besonders wenn sie viel Zeit und Ruhe haben, so wie wir früher in der Natur, haben einfach die Muße, sich mit sich selbst zusammenzusetzen und dabei ganz nah an sich ranzukommen."

 

Oha!

Ich glaube, das muss INS BUCH...

 

 

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Mit Mia durch den Barfußpfad

Da laufen die Kids alleine los, ausgerüstet mit der Cam und es entsteht ein wunderbar unverkrampftes Video.

 

Für die, die Durchhaltevermögen haben, gibt's noch Teil 2,3 und 4 :)

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Schulfrei-Festival-Tour

In diesem Jahr sollte endlich klappen, was wir wegen unserer Frankreich-Tour im letzten Jahr nicht geschafft hatten - wir besuchten erstmalig das SCHULFREI-FESTIVAL . Und es war soooo toll!!!

 

Aber von Anfang an: Wir starteten, nachdem ich unser Wohnmobil, nun offiziell auf "Instabil" umgetauft, gerade noch rechtzeitig aus der Werkstatt zurückbekommen hatte, der 3. Werkstattbesuch seit der Italienfahrt (und der nächste steht wohl schon wieder an... :( ).

Drei Kids, drei Hunde und ich selbst als Organisatrice und Chauffeuse zogen am 2.9. nachmittags los, erst mal nur nach Bergisch Gladbach. Drei Hunde sind deutlich mehr als zweie, den Unterschied zu unserer Italienfahrt merkten wir auch sofort - Oldie Jasper blockierte gekonnt wieder mal jeglichen Durchgang im WoMo. Rica hatte ich schweren Herzens erstmalig in einer Pension untergebracht, für Oldie Jasper hatte ich keine Lösung finden können, er musste also wohl oder übel mit, das schon etwas klapprige Altertümchen.

Für diese Fahrt, die diesmal nur 10 Tage dauerte, hatte ich bereits vorab geplant und Stellplätze rausgesucht, da wir einige "Termine" hatten. Das ist schon ein ganz schöner Unterschied, ob man einfach in der Weltgeschichte rumtingelt und sich passende Plätzchen sucht, wie wir es bisher auf den Touren gemacht hatten, oder zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo sein muß.

Die Auftaktveranstaltung bildete für mich selbst das Testkonzert der WiseGuys zu ihrer Abschiedstournee in Bergisch Gladbach. Nach einigem Irren und Wirren in grundverschiedene Richtungen und durch irgendwelche Industriegebiete mit dem extra mitgenommenem Fahrrad (für das Jaspers Hundebuggy zuhause bleiben musste), habe ich es dank freundlicher Hinweise von Einheimischen gerade noch rechtzeitig dorthin geschafft und zwar leicht verschwitzt, aber dennoch frohgemut das Konzert genießen können. Da die Stimmung im Konzertsaal von Anfang an ausnehmend gut war, fiel mein etwas derangierter Zustand nach dem 2. Lied auch schon nicht mehr auf. Ein wirklich tolles Konzert mit wunderschöner Lichtshow klang mit einem netten "Afterglow" aus - Eddi zauberte mir trotz spürbarer Erschöpfung nach dem Konzert sehr nett ganz stilecht noch ein Wohnmobil ins Buch :)

 

Die Kinder hüteten in der Zwischenzeit die Hunde, gingen Abendgassi mit ihnen und stiegen in die Wohnmobilatmosphäre ein, bis ich um kurz nach Mitternacht nach wiederum abenteuerlicher Fahrt wieder zurück war (zum Glück noch einen einsamen Hundegassigänger unterwegs getroffen, der mir flugs die richtige Richtung wies - das hätte sonst noch 'ne lustige Fahrradtour durch's dunkle Bergische werden können...) .

Am nächsten Tag mussten wir recht zügig los, was mir echt schwer fiel, denn ich hatte in unserer ersten Wohnmobil-Nacht nicht schlafen können, war wahrscheinlich zu aufgeputscht vom Konzert.

Trotzdem hieß es: Auf nach Schneverdingen, denn wir wollten am frühen Nachmittag das Infotreffen einer Gemeinschaft besuchen, die in der Lüneburger Heide eine Art alternatives Wohn- und Lebensprojekt mitsamt Freier Schule auf dem Gelände einer ehemaligen Waldklinik auf die Beine stellen möchte. Leider waren wir dank diverser Staus zu spät vor Ort, konnten aber noch an der Geländebegehung teilnehmen und bekamen viele Infos. Und den Eindruck - da ist aber richtig viel zu tun! Die vorhandenen Gebäude lagen größtenteils in Schutt und Scherben. Da muss sicherlich noch jede Menge Energie, Organisation und auch handfeste Arbeit hineinfließen, für uns leider momentan eine Nummer zu hoch, sind wir doch froh, wenn wir den ganz normalen Alltag irgendwie bewältigt bekommen. Energie habe ich leider keine mehr übrig, so toll und unterstützenswert ich solch ein Projekt auch finde. Abends gab es noch echt nette Lagerfeuer-Gespräche mit inspirierten und inspirierenden Menschen, wir berichteten ein bisschen von unserem schulfreien Leben, was auf interessierte Zuhörer traf.

Am nächsten Tag, der leider schwer verregnet war, ging es spätnachmittags weiter auf einen Stellplatz bei Egestorf, nur etwa 24 km entfernt, wo die Kinder am nächsten Tag den direkt angrenzenden Barfußpark besuchten und trotz grauen Nieselwetters Spaß hatten. Ich hütete derweil die Hunde, da wir den inzwischen ziemlich senilen Opa Jasper kaum mehr alleine lassen können, weil er sonst ununterbrochen heult (und dabei die beiden anderen ansteckt). Für solch ein Trio infernale hätten die Stellplatznachbarn vielleicht nicht ganz so viel Verständnis gehabt. Bisschen schade, wäre gern mit den Kids losgezogen, aber so ist es hier nunmal im Augenblick.

Tags drauf, die Sonne kam endlich wieder hervor und mit ihr auch meine Lebensgeister, fuhren wir die gut 200 km bis nach MecklenburgVorpommern auf einen wunderschönen Stellplatz "Alter Stall/Schwedenhof" bei Daschow mit sehr netter Gastgeberin, eigenem Honig, duftender Apfelbaumeinfahrt und goldigen Jungkätzchen. Ich habe an diesem Tag mal wieder gemerkt, dass ich doch ein echter Schönwetterfahrer bin - besonders je mehr Mitfahrer dabei sind, d.h. je weniger Platz im WoMo dem Einzelindividuum im Falle von Regenwetter zusteht. Und dann immer wieder mit den schon seit zwei Tagen durchnässten Schuhen mit den Hunden nochmal Regengassi - bäh!!! Im Sonnenschein sieht das alles dann schon wieder ganz anders aus :) .

Wir hatten eine ruhige Nacht und besuchten anderntags den Bärenwald Müritz, einen Tierschutz-Bärenpark, in dem Braunbären aus ehemals nicht so toller Haltung nun ein schöneres Leben führen können. Damit ich nicht wieder im Wohnmobil bleiben musste, haben wir alle drei Hunde mit in den Park genommen, angeleint ist das dort möglich. Der Karren, den ich extra für Jasper noch dazugemietet hatte, falls er schlappmachen sollte, wurde abwechselnd mal von Mia, mal von Jakob genutzt - Jasper hat prima durchgehalten :) . Die Kinder waren schon beeindruckt davon, mal Braunbären in echt zu sehen, doch blieb bei den - sicherlich notwendigen - hochsicherheitstraktähnlichen Einzäunungen troz allem der schale Geschmack von eingesperrten Tieren zurück. Besonders Mia lehnte dieses Gefühl ab, hier gefangene Tiere bei all ihren Aktivitäten anzustarren, auch wenn wir annahmen, dass einmal in Gefangenschaft gehaltene Bären in Freiheit wahrscheinlich nicht zurecht kommen würden bzw. eine Auswilderung vielleicht schlichtweg auch verboten sei - man erinnere sich nur an die Panik, die 2006 Braunbär Bruno auslöste, der nach Bayern eingewandert war und letztenendes erschossen wurde.

An diesem Abend nächtigten wir auf einem kostenlosen städtischen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung, Duschen und Einkaufsmöglichkeit in Kyritz. "Kyritz an der Knatter", wie das gemütliche Städtchen dort im Volksmund heisst, weil früher die Mühlenwagenräder über das überall verlegte Kopfsteinpflaster so laut klapperten. Ist übrigens Geburtstadt von Carl Diercke, der von den Atlanten...

Die Nacht war dank Hauptstraße zwar nicht so ruhig wie die vorherige, aber es waren nur 300m Fußweg ins Zentrum, was auch mal eine nette Erfahrung war, da wir sonst meist wegen der Hunde ganz abgelegene Stellplätze aufsuchen. So schlenderte ich abends noch mit Mia durch's dunkle Städtchen, wo trotz des warmen Wetters so gar nichts mehr los war und am nächsten Morgen mit Janko gleich nochmal.

Am nächsten Morgen nutzen wir auch die öffentlichen Duschen, denn auch die zahlreichen Werkstattbesuche konnten uns diesen Luxus bisher noch nicht bescheren - Duschmöglichkeit im WoMo. Anschließend Einkauf - Vorräte auffüllen für die nächsten 5 Tage, denn nun geht's los zum Schulfrei-Festival.

Nach Um- und Um- und Umleitungen in Kyritz sind wir irgendwann endlich auf der Strecke und finden das weitläufige Festival-Gelände problemlos, bleiben dann allerdings mit dem WoMo erstmal im sandigen Acker stecken, weil wir uns nicht entscheiden können, wo wir uns in dem schon zu erahnenden Trubel mit den Hunden am besten installieren sollen. Zum Glück kommt direkt ein erprobter Allradfahrzeugbesitzer auf uns zu und bietet an, uns da wieder rauszuziehen. Das nehmen wir dankbar an  (Vielen lieben Dank nochmal :) !) und positionieren uns etwas abseits hinter ein lauschiges Kiefernwäldchen. Macht zwar unseren Anmarsch ans Gelände etwas länger, hat aber den Vorteil von Schatten bis um ca. 17 Uhr, was für die Hunde wichtig ist, da es an dem Wochenende richtig heiss werden soll.

Wir als absolute Festival-Neulinge sind echt beeindruckt von den vielen tollen Wohnmobilen, Wohnlastern & Co., die da bunt durcheinander herumstehen, unzählige Zelte dazwischen, Kinder wuseln umher, Familien sitzen auf Picknickdecken im Kiefernwäldchen, einzelne Hunde, zumeist angeleint, dabei, überall Stimmengewirr und stets ein netter Gruß, wenn man aufeinander trifft. So bunt wie die Schar an Menschen, die sich hier trifft, so bunt ist auch das Programm auf dem Festival, angefangen mit vielen tollen Workshops wie Bumerangbau, Acro Yoga, Alexandertechnik, Wildkräuterwanderung, Fotografie, Filzen, Origami, arbeiten mit einer Wippdrechselbank über interessante und informative Vorträge im Konferenzsaal bis hin zu kreativen Vorführungen wie einer Trapezshow, das abendliche Musikprogramm und den sehr berührenden Poetry Slam, auf dem auch Mia zum ersten Mal einen ihrer selbstgeschriebenen Texte vorträgt.

Besonders interessant finde ich persönlich die Gesprächsrunde mit den jungen Menschen, die sich (zeitweise) schulfrei gebildet haben. Bei keinem von ihnen kommt das Gefühl auf, irgendetwas, irgendein wichtiger Bildungsbaustein würde "fehlen", bei allen spricht Gelassenheit, Selbstbewusstsein und Optimismus aus ihren Antworten auf die interessierten Fragen der Anwesenden.

Unsere ausrangierten Kinderbücher, die wir auf einem Tischchen kostenlos zum Mitnehmen anbieten, finden anscheinend Anklang und so haben wir zum Schluss des Festivals nur noch ein einziges Buch vom dicken Karton übrig. Schöner Gedanke, dass die Bücher nun in alle Himmelsrichtungen unterwegs sind und kleinen Leseratten Freude machen :)

Da Janko, Mia und Jakob vom Anhalten auf dem Stellplatz bis tief in die Nacht verschwunden sind, gleich Anschluss an andere Jugendliche gefunden haben und mit ihnen umherziehen, chillen und sich austauschen, muss ich häufig zwischen Wohnmobil/Hunden und dem Gelände umherwandern, zusätzlich noch mehrfach täglich die Hunde im nahen Wald ausführen und habe nicht so viel Gelegenheit, selbst ins Gespräch zu kommen oder an Programmpunkten teilzunehmen. Dennoch - ich sauge das bunte Treiben immer wieder in mich auf - das Gefühl, einer unter vielen Gleichgesinnten zu sein, nicht der im besten Falle belächelte Exot in der Masse, tut verdammt gut.

Ein Leben ohne Schulzwang, das ist es was die Menschen hier zusammenkommen und sich fröhlich austauschen lässt. Es tut ebenfalls verdammt gut, nach nun einem Jahr ohne Schule und entsprechenden Sorgen, die man sich dann doch so macht als Mutter, erst recht in der entsetzlichen Erschlaffung, in der sich so mancher ehemalige Schüler beim Deschooling befindet, und der manchmal echt hilflosen anschließenden Phase der Orientierungsversuche, zu sehen, dass es anderen genauso ergangen ist und dass sie irgendwann doch ihren Weg gefunden haben. Das ist gerade Gold wert für mich!

Und dass die Kids so unermüdlich auf dem Gelände unterwegs sind, freut mich so sehr, denn "Real-Life"-Kontakte waren im letzten Jahr doch etwas rar gesät. Jakob, der eigentlich gar nicht mitfahren wollte, weil er Scheu hatte vor so vielen fremden Menschen, ist schließlich derjenige, der als allerletztes um kurz vor zwei Uhr nachts am Wohnmobil auftaucht und am Schluß des Festivals betont, dass er im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder hierher möchte und ganz allein dafür hat sich diese Fahrt echt schon gelohnt :) .

 

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Stadt vs. Strand - uns fällt die Wahl nicht schwer

Im Hintergrund unser Parkplatz mit der Ruine des Torre, unser WoMo wird hier verdeckt vom neuen Strandpavillon

 

Nach unserem Besuch bei Ramona und Vito zwischen Turi und Putignano verfahren wir uns ein klein wenig in der Dämmerung und statt auf dem nicht sehr malerischen, aber praktischen und kostenlosen Wohnmobilstellplatz in Castellana Grotte mit Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten unterhalb einer Olivenölfabrikation landen wir auf den Parkplätzen der berühmten Tropfsteinhöhle am Ort, die die Kinder aber partout nicht besichtigen wollen, auch nicht am nächsten Tag. Ich habe daher ein ungutes Gefühl, einfach dort zu bleiben über Nacht - was für höhlenbesichtigende Wohnmobilisten erlaubt ist - und so suchen wir uns den Weg durch die dunklen Straßen von Castellana Grotte bis zu unserem eigentlichen Ziel. Dieser Stellplatz, eine betonierte und umzäunte Fläche, ist wirklich nicht besonders schön, aber wir haben ihn zumindest für Ver-und Entsorgung in der Gegend mehrfach genutzt und einmal auch übernachtet.

Bei unserem ersten Besuch dort hält nachmittags ein Auto, aus dem ein Mann aussteigt und einige Katzen füttert, die dort herumlaufen - das fanden wir alle schön zu sehen nach den ganzen abgemagerten und überfahrenen Tieren auf den Landstraßen. Am Morgen habe ich den Gassigang mit den Hunden ganz unerwartet weit ausdehnen können über schmale, kleine Sträßchen, an mit diesen unheimlich schönen Natursteinmauern eingefassten Oliven- und Kirschplantagen vorbei. Eine solche Umgebung hätte ich dem doch sehr sachlichen Stellplatz gar nicht zugetraut.

 

Wir sind alle nicht so die Stadtmenschen und auch mit den üblichen Touri-Kultureinheiten wie Kirchen, Paläste, Museen & Co haben wir nix am Hut. Uns ist Menschengedränge und Stadtlärm unangenehm und auch die Hunde halten sich lieber abseits von belebten Gegenden auf, aber zwei Städtchen wollte ich mir in Apulien dennoch mal anschauen.

Wir fahren also nach Alberobello, die Stadt der Trulli/UNESCO-Weltkulturerbe, und treffen am "Bosco Selva", einem geschützten Eichenwald in der Nähe, den ich ansteuere, weil ich mal wieder jeglichen Parkplatz in der Stadt verpasse, auf Streunerchen Luke . Ausserdem regnet es in Strömen. Nach Alberobello rein komme ich daher bei diesem Besuch nicht mehr.

 

Deshalb möchte ich am folgenden Tag auf dem Weg zum Meer wenigstens Ostuni anschauen, "la città bianca", die Kids sind mäßig bis überhaupt nicht interessiert und nur der Hinweis auf eine ganz tolle Eisdiele, die es dort geben soll, setzt sowas Ähnliches wie eine Art Kooperationsbereitschaft in Gang.

Schon als wir heranfahren an die "weisse Stadt", die auf einem und rund um einen Hügel erbaut ist, was schon mal beeindruckend aussieht, sieht Mia das Ganze ziemlich kritisch: "Na, die sollte lieber "graue Stadt" heissen!" Irgendwie hat kann sie diesem leicht oder mitunter auch stärker abgerissenen Touch südlicher Bauten, den manch einer von aussen oft als pittoresk wahrnimmt, so gar nichts abgewinnen. Nachdem wir nach einigem Herumgekurve (abgelenkt von einem handgemaltem Schild mit WoMo-Symbol, das auf den Parkplatz einer Autowerkstatt führt - clever, clever!) den im Wohnmobilführer angegebenen Parkplatz gefunden haben mit Entsorgungmöglichkeit (übrigens die versiffteste, die ich auf der ganzen Tour je gesehen habe... und das in einer Stadt, die von etlichen Touristen besucht wird), kapiere ich zunächst nicht, was der Parkscheinautomat von mir will. Das geht aber nicht nur mir so und es sammelt sich eine kleine internationale Menge diskutierender und rätselnder Touristen. Die Fremdprachenauswahl am Automaten funktioniert nicht. Schließlich haben wir aber alle verstanden, dass man zuerst sein Autokennzeichen eingeben muss, dann auch eigentlich auswählt ob PKW oder WoMo, aber das habe ich in der Aufregung nicht hingekriegt und so parken wir mit dem billigeren PKW-Ticket. Wir wollen aber eh nur zwei Stündchen bleiben und nicht die vollen vier Stunden nutzen, so dass sich das wieder ausgleicht, findet mein Sinn für Gerechtigkeit. Wir machen uns mit den Hunden auf den Weg. Noly ist an Halsband und Sicherheitsgeschirr befestigt, Klein-Marbo benötigt das nicht. Nach dem ersten Ründchen durch die Gassen von Ostuni entscheiden wir, die Hunde zum WoMo zurück zu bringen, da Noly wirklich extremen Streß hat und ich sie kaum halten kann. Wir wollen einen Park queren, aber Schilder, die einen Maulkorb für Hunde verlangen, lassen uns doch lieber den Umweg aussenrum nehmen. Zum Glück steht das Wohnmobil im Schatten, Mia füllt den Wassernapf der Hunde, stellt den Ventilator an, und dann machen wir uns ohne Vierbeiner nochmal auf den Weg, denn wir wollen ja die Eisdiele finden.

 

Ostuni - wo geht's denn hier zum Eis???

Das ist gar nicht so einfach, besonders mit einer orientierungsbehinderten Person wie mir an der Spitze, aber wir finden unser Ziel nach langem Umherlaufen, doch sie ist noch nicht geöffnet. Aaaah, was nun?? - Vollkatastrophe - die Kids haben sich nach der Straßenrennerei mir zuliebe echt ein Eis verdient! Ich schlüpfe unter dem halb herabgelassenen Rollladen des Lokals hindurch und frage an der Theke auf allerfeinstem duolingo-Italienisch, ob noch geschlossen ist. Eine Stimme von hinten antwortet mir freundlich auf Englisch. Ich bin eine Runde beleidigt.

Aber nicht lange, denn das Personal ist überaus nett und kredenzt uns aus den Eissorten, die bereits fertig sind (leider keine der besonders gerühmten Schokoladeneissorten) feine Leckereien in eigens mit Schokolade ausgegossenen Hörnchen. Wir dürfen unter der Markise Platz nehmen, inzwischen hat es - mal wieder - angefangen zu regnen, und so sitzen wir mit angezogenen Beinen und leicht fröstelnd, aber trotzdem unser Eis geniessend mitten in Ostuni. Unter uns strömen Wasserrinnsale über den schrägen Marktplatz.

Nun hält uns aber echt nix mehr, wir fahren weg vom Regen, raus aus der Stadt, wieder ans Meer (wo tatsächlich auch die Sonne scheint), diesmal südöstlich von Monopoli zu einem echt sehenswerten Strand. Wir stehen direkt an der Küste auf einem Parkplatz vor einer Turmruine. Der Strand und die behauenen Felsen gefallen uns ausnehmend gut und wir bleiben gleich zwei Nächte, "unterhalten" uns mit einem tintenfischfangenden jungen Italiener, genießen die Sonne, das Meer, die Parkour-Möglichkeiten für Jakob und beobachten viele Strandtierchen wie Eidechsen, Krabben, Garnelen usw. Als ich am ersten Morgen an der Straße entlang marschiere in der Hoffnung, ein Geschäft zu finden, in dem ich etwas Brot und Obst kaufen kann, treffe ich auf eine kleine, leider abgesperrte Höhlenkapelle mit einem hübschen runden Fenster. Infotafeln berichten von der Via Traiana, die hier entlangführte, von Rom nach Brindisi als Abkürzung der Via Appia. Man kann auf den Klippen noch Spurrillen ausmachen, doch große Teile der ehemaligen Militär- und Handelsstraße sind bereits ins Meer gestürzt.

Es gibt an dieser Stelle auch einen Campingplatz, aber niemand regt sich darüber auf, dass wir einfach auf dem Parkplatz nächtigen. Neben uns wird fleissig an einem Pavillon gewerkelt, der zur Saison wohl eine Strandbar werden soll. Am zweiten Abend gesellen sich noch zwei französische Paare mit ihren Wohnmobilen dazu, auch das ist anscheinend kein Problem jetzt in der Vorsaison, wie wir überhaupt nie seltsam angeschaut wurden auf unseren freien Plätzen. Wir haben hier lediglich darauf verzichtet, auf den im WoMo-Führer angegebenen Parkplatz hinter der Tumruine zu fahren, da 1. die Zufahrt sehr ausgewaschen und holprig scheint und 2. wir entdeckt haben, dass der Platz nachts von Fischern benötigt wird für ihre PKWs mit auf das Dach geschnallten motorisierten Schlauchbooten, weil von dort eine Rampe ins Meer führt, auf denen sie die Boote runterlassen. Das wäre schon echt unverschämt gewesen, dort zu parken, nur weil die Aussicht so schön ist...

Wenn wir gewollt hätten, hätten wir morgens also fangfrischen Fisch am Stand neben unserem Stellplatz kaufen können, aber da wir größtenteils keine Tiere verzehren (und Jakob eher Fleisch als Fisch) und unser Kühlschrank nicht wirklich funktioniert, war das für uns keine Option. Unsere französischen Nachbarn haben die Möglichkeit (natürlich ;) ) genutzt und kamen so auch mit den Leuten dort ins Gespräch.

 

Wir würden immer, immer, immer einen Aufenthalt am Strand/ in der Natur einem Besuch in der Stadt vorziehen. Ist für uns bereichernder, ist für die Hunde schöner, und es ist wirklich irre toll, beim Aufwachen morgens auf's Meer zu schauen. Das überaus Praktische an unserer Kultur-Ignoranz ist, dass ich immer nur ein Drittel des Reiseführers lesen muss :D .

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Stiefelabwärts - 3 Wochen Italien

Da wir mal wieder später als geplant von zuhause weg kamen, eines unserer chronischen Probleme, schafften wir es am ersten Tag auf deutschen Autobahnen bis kurz vor Karlsruhe, wo ich gut eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit von der Autobahn abfuhr, um ein geeignetes Übernachtungsplätzchen zu finden. Nach einigem Umherirren stellten wir uns schliesslich auf den Parkplatz eines Möbelhauses in einem Gewerbegebiet bei Waghäusel. Nicht besonders schön, aber zweckmässig, am nächsten Tag war durch Feiertag kein Kundenverkehr zu erwarten und Hundegassi war auch problemlos möglich. Jakob und ich stiefelten direkt los mit den beiden Fellnasen und versuchten, die Quelle des seltsamen Surrens zu identifizieren, das hoch über uns in den Kronen der Bäume zu hören war. Völlig verblüfft sahen wir Schwärme von Maikäfern, die sich wohl einen Platz für die Nachtruhe suchten. Maikäfer kennen wir höchstens noch aus "Max und Moritz", hier bei uns bekommt man nur ganz ganz selten einmal einen zu Gesicht. Umso toller, dass unsere Tour gleich so losging :)

Am nächsten Tag ging es weiter bis in den Allgäu, wir staunten nicht schlecht: Schneeberge... In diesem Winter hatten wir zuhause überhaupt keinen Schnee zu sehen bekommen und hier strahlten die weissen Gipfel mit der Sonne um die Wette. Eindrucksvoll.

Kurz vor der Grenze nach Österreich übernachteten wir auf dem Parkplatz eines Sportplatzes am Rande eines Dörfchens und hatten gleich ein aufregendes Wendemanöver auf einem Bauernhof, in dessen Einfahrt ich irrtümlich abgebogen war. Ich entschuldigte mich aus dem Fahrerfenster hinaus bei den Bewohnern, die so etwas aber wohl schon gewohnt waren und uns freundlich den Weg zum Sportplatz wiesen. Nach dem Abendessen hatten Mia und Jakob den Sportplatz komplett für sich und kickten derart intensiv, dass sie noch tagelang Muskelkater hatten :) Begleitet von echtem Allgäuer Kuhglockengebimmel schliefen wir ein, wurden allerdings am nächsten Morgen früh geweckt von rangierenden Lastwagen, die Container rings um unser Wohnmobil herum absetzten. Na gut, idyllischer Abend, betriebsamer Morgen... Wir brachen bald auf, denn wir wollten heute die Alpenüberquerung schaffen, hielten für Wasserver- und Entsorgung noch kurz auf einem Stellplatz, wo wir sofort vom Besitzer eines ebensoalten Fiat Tabbert angesprochen wurden, der in den höchsten Tönen von seinem WoMo schwärmte ;) und auf dem Weg an die deutsche Küste war.

Einen Tag lang durch Bergwelt fahren, erst Alpen, dann Dolomiten - Felswände, Schneegipfel, Pässe, Serpentinen, der Inn - ich fand das unglaublich beeindruckend. Rast am Reschensee, etwas essen und Beine vertreten für Hund und Mensch und den Kirchturm des bei Stauseefüllung gefluteten Dorfes Alt-Graun bestaunen.

Jakob hatte schon gegen Nachmittag die Berge satt, aber wir benötigten mit unserem Oldie-Mobil nun mal den kompletten Tag für die Gebirgsquerung. Immerhin sind wir an diesem Tag in Deutschland aufgewacht, haben in Österreich zu Mittag gegessen und sind in Italien eingeschlafen :) .

Wir schafften es am Abend noch bis nach Carpi, nördlich von Modena, wo wir auf einem großen kostenlosen Parkplatz am Rande der Stadt mit Ver- und Entsorgung für's Wohnmobil übernachteten. Abends hatten die Kids noch den Spaß, auf einer Kirmes direkt nebenan herumlaufen zu können und am nächsten Morgen besuchten wir das Schwimmbad am anderen Ende des Platzes. Das war mit 7 EUR Eintritt/Person teuer und für die Kids nicht ganz so toll, so ganz ohne Sprungtürme, aber da wir (noch) keine Dusche im WoMo nutzen können, war das eine gute Gelegenheit zur Erfrischung. Da das Wohnmobil anschliessend, als wir wieder losfahren wollten, Mucken machte, die ich schon vom Tag zuvor auf den Pässen kannte, entschlossen wir uns, bis montags dort zu bleiben, um dann eine Werkstatt aufsuchen zu können. Ich setzte das Wohnmobil an diesem und am folgenden Tag zweimal um, um den wandernden Schatten der Bäume nutzen zu können, denn es war sonnig und richtig warm. Tagsüber war der Parkplatz ziemlich wenig frequentiert, aber abends ging's so richtig los, da kamen die Kirmesbesucher, erst die jungen Familien mit kleineren Kindern und bei Anbruch der Dunkelheit dann die Jugendlichen. Nicht ganz leise, das Ganze, aber ganz interessant für die Kids, die häufiger mal raus gingen, "Leute gucken". Leider waren die Bäume gerade in ihrer Pollenabwurfphase, was Jakob mit seiner Allergie ganz schön zusetzte (und ich Doof dachte, ich hätte Allergietabletten dabei, aber es war genau nur noch eine einzige in der Packung...). Blöd für die Nase, aber  schön anzuschauen irgendwie...

Trotz Schniefnase machten wir uns sonntags mal zu Fuß auf den Weg in die Stadt (nachdem ich die völlig desinteressierten Kinder, die wohl schon im Strand-Modus waren, überredete hatte), Jakob bekam endlich sein erstes italienisches Eis (und meinte, zuhause gäbe es aber besseres ;) ). Hunde und Kinder waren dann nach gut zwei Stunden Stadtbummel durch Hitze extrem froh, endlich wieder im Wohnmobil lümmeln zu können.

Montags tauschte die Werkstatt für uns den Dieselfilter aus und säuberte sämtliche Zuleitungen und Ventile, so dass wir spätnachmittags endlich weiterfahren konnten. Jetzt aber nix wie an den Strand!!! Unser Übernachtungsplatz am Lido di Classe südöstlich von Ravenna war superschön leer, ein großer Wiesenparkplatz, den wir ganz für uns alleine hatten und für ausgiebige Strandspaziergänge, Muschelsammeln, gestrandete Meerestiere bestaunen, Strandkunst, erste Meerbäder und die Entdeckung der wunderschönen Küsten-Pineta mit Vogelgezwitscher und soooo aromatischem Harzgeruch nutzten. Dieser Geruch ist für mich immer ein absoluter Glücksmoment. Die Hunde konnten nach Herzenslust am Strand toben, Noly schloß erste freudige Bekanntschaft mit Wellen, die beiden drehten Runde um Runde im Sand und strahlten anschließend glücklich hechelnd um die Wette. Das alles ist natürlich nur in der Nebensaison möglich, im Sommer ist es dort bestimmt gut gefüllt. Der Ort an sich wirkte echt ausgestorben, fleissig wurde an Ferienhäuschen noch gewerkelt und am Strand die Strandabschnitte auf den Touristenansturm vorbereitet. Den Hochsommer brauche ich dort nicht, aber im Mai ist es echt klasse!

Nach zwei schönen Tagen dort mussten wir weiter, da wir uns um Ver- und Entsorgung kümmern mussten, was man in Italien aber problemlos auf der Autobahn erledigen kann. Zumindest Abwasser entsorgen kann man dort fast an jeder Raststätte und Frischwasserbrunnen gibt es auf dem Land in großer Anzahl. Wir sausten weiter in den Süden, an Ancona vorbei bis nach Rocca S. Giovanni, etwas südlich von Pescara, weil dort im Wohnmobilführer ein Parkplatz direkt am Meer mit Pizzeria samt warmer Dusche verzeichnet war. "Eis" und "Pizza", das waren ganz klischeehaft die beiden Bedingungen, die Jakob an die Fahrt nach Italien gestellt hatte, beides fand er letztendlich nicht so gut wie zuhause :) , aber vielleicht hatten wir in der Auswahl unserer "Lokalitäten" auch nur etwas Pech...

Naja, die angekündigte Pizzeria war jedenfalls noch geschlossen, somit gab es auch keine warme Dusche für uns :( . Der Kieselstrand war wenig besucht und so ganz genau richtig für uns, lediglich ein älteres Pärchen mit kleinem Pudel angelte tagsüber für ein paar Stunden. Mia stand abends noch lange versonnen auf der Steinmole und liess sich von den Wellen umgischten.

Und dies war unser Stellplatz mit "Privat-Dusche" :) Denn das Schicksal meinte es gut mit uns - eine Dusche sollten wir doch haben, auch wenn's mit der Pizza nicht geklappt hatte. Nachts beschien eine Laterne die Szenerie und im Hintergrund führte eine erhöhte Straße entlang, so dass wir uns zuerst ein wenig zierten, dann aber doch der Reihe nach flugs eine kalte Dusche nahmen.

Der nächste Tag begann mit heftigen Regenschauern, so dass der kleine Zufluss, der rechts neben unserem Wohnmobil durch den Brückenbogen ins Meer führt, ganz schön anschwoll. Nach dem obligatorischen (aber flotten, denn es schüttete!) Hundespaziergang und Frühstück schauten wir uns daher erstmal einen Film an, bis der Himmel schließlich aufklarte und wir an den Strand konnten. Nachmittags fuhren wir weiter in Richtung eines Naturschutzgebietes "Punta Aderci", wo aber alle drei im Wohnmobilführer ausgewiesenen Stellplätze nichts für uns waren, wir beim Versuch, das Naturschutzgebiet zu finden von einigen wild kläffenden Hofhunden verjagt wurden und nach einem Not-Gassi auf's Gas drückten und kurz nach Einbruch der Dunkelheit auf einem großen ruhigen mit kleinen Palmen bepflanzten asphaltierten Strandparkplatz in  Petacciato Marina zwischen Vasto und Termoli landeten. Es standen dort schon einige Wohnmobile, der Strand allerdings war für Hunde ausdrücklich untersagt und auf den ersten Metern auch sehr vermüllt. Trotzdem sind wir am nächsten Morgen ein bisschen dort entlang gelaufen, im Hinterland der Küste gabe es wieder den Pinienstreifen, die Pineta, und vorgelagert ein Schilfgebiet, das eine Art Vogelschutzgebiet zu sein schien. Wir haben aus dem Beobachtungshäuschen allerdings nur Frösche und Eidechsen sehen können. Auch schön :)

Auch Kurioses gab es dort am Strand zu sehen - ein Tief-Sitz:

Für die Weiterfahrt entschieden wir uns für die Landstraße statt der Autobahn, die Perspektiven sind ja doch immer verschieden. Wir fuhren vorbei am Lago di Lesina, den Gargano, also den Stiefelsporn wollten wir auslassen, um endlich nach Apulien zu kommen. Kurz vor Foggia und noch bis dahinter sahen wir in allen Einbuchtungen an der Straße leichtbekleidete, oft noch sehr, sehr jung wirkende Mädels sitzen und mussten uns doch auch fragen, ob das wirklich so einträglich sein kann, in brütender Sonne an der staubigen Landstraße auszuharren bis mal ein "Kunde" vorbeischaut. Wir sahen allerdings hauptsächlich Bauern auf Traktoren vorbeituckern. Schlimm, dass diese jungen Frauen anscheinend keine andere Möglichkeit  für ihr Leben sehen.

An diesem Tag sahen wir auch viele überfahrene Hunde und Katzen an der Straße liegen, so wie ich das bisher nur aus Griechenland kannte. Das war jedes Mal ein Schreckmoment, und dann wurde unwillkürlich nach hinten getastet, wo sich sogleich vertrauensvoll ein warmes Hundeköpfchen in die Hand schmiegte...

Je weiter wir nach Süden kamen, desto zugemüllter waren die Straßen, fast jede Nothaltebucht wurde als wilde Müllkippe genutzt. Insgesamt ein Tag, der einen ganz schrägen Eindruck bei uns hinterließ. Mia fragte ganz ungläubig: "Mama, hier kommen Leute hin zum Urlaubmachen? Ich würde doch nicht auf 'ner Müllkippe Urlaub machen wollen..."

Nachträglich betrachtet passte unser Schlafplatz an einer Küstenstraße bei Barletta irgendwie richtig gut zu diesem Tag - der Strand war ganz schmal, dann kam ein Mäuerchen, das an vielen Stellen heruntergebrochen war, ein paar Treppenstufen hinab wurden von wackelig aufeinandergestapelten Ziegelsteinen gestützt, ein Bürgersteig plus 30er Straße, auf der tagsüber viele Menschen joggten und Rad fuhren und nachts sich die Jugendlichen irgendwelche Auto- und Motorradrennen lieferten (das ging arg auf die Schlafqualität, die bei uns allen im WoMo ohnehin zu wünschen übrig lässt). Hinter der Straße schloss sich ein Streifen mit vielen ärmlich aussehenden Schrebergärten an, hier versuchte anscheinend die Vorstadtbevölkerung, einen Teil der Familienernährung zu erwirtschaften. Hier sind wir am nächsten Morgen schnell losgefahren, noch nicht mal auf Frühstück hatten wir Lust.

 

Unser nächster Schlafplatz am Torre Incine, nördlich von Monopoli, war wieder viiiiiel malerischer, allerdings war auch hier die Schlafqualität nicht so besonders, da die halbe Nacht ein reger Autoverkehr herrschte, es scheint dort so eine Art nächtlicher Männertreffpunkt zu sein. Aber die Umgebung war schön:

Wir fuhren weiter nach Monopoli, um unsere Vorräte aufzustocken und konnten wieder auf einem großen Parkplatz direkt am Meer übernachten. Unsere Parkplätze in Italien waren häufig so vermüllt, dass man beim Ausstieg aus dem Mobil gleich auf Plastikschrott, Kondom & Co traf und auf die Hundepfoten immer gut acht geben musste wegen Flaschenscherben. Die Kinder fanden aber die einzige kleine Sandbucht an der Felsenküste und machten es sich gemütlich ;)

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Begegnungen in Apulien 3 - So fängt man... Ja, was eigentlich? - Kommunikation mit Händen und Füßen

Und es geht doch...

 

Selbst wenn man nicht die selbe Sprache spricht, irgendwie kann man sich verständigen.

 

Am (wettertechnisch) schönsten Tag und eigentlich auch schönsten Strand unserer Tour trafen wir einen jungen Mann, den wir eine Weile aus einiger Entfernung beobachteten, wie er auf den Felsen im Wasser entlanglief und mit einer Art Angel (?) hantierte. Die gleichen Bewegungen und Ausrüstung hatte ich schon an anderen Stränden erspäht und war neugierig, was es damit wohl auf sich hatte. "Richtiges Angeln" war das nicht, was da geschah und sah doch ziemlich zielgerichtet aus.

Jakob und ich streiften an diesem Morgen durch die künstlich bearbeitete Felslandschaft, beobachteten ausgiebig Fische, Krabben, Einsiedlerkrebschen und Eidechsen, Jakob frönte seiner Parkour-Leidenschaft, als auf einmal unser Weg sich mit dem des jungen Fischers kreuzte.

Trotz meiner ambitionierten Versuche, vor unserer Fahrt per duolingo einige Brocken Italienisch zu lernen, merkte ich alsbald, dass die dort benutzten Beispielsätze wohl nicht ganz so auf Alltagstauglichkeit getestet worden waren, jedenfalls verstand ich zwar einige wenige Wörter, aber konnte mich fast überhaupt nicht verständlich machen. (Es war in dem Moment irgendwie einfach nicht passend :"Il gatto bebe leche." zu sagen ;) ). Aber unsere neugierigen Blicke genügten dem freundlichen Italiener, der seinerseits wohl ausschließlich Italienisch sprach, um uns heranzuwinken und uns seine Ausrüstung zu zeigen. Kurz konnte ich seinen erläuternden Redeschwall unterbrechen: "Scusi, non parlo molto italiano.", beeindruckte ihn damit aber nicht sonderlich. (Naja, er sprach ein klein wenig langsamer und durchsetzte seine Erklärung hin und wieder mit "Capisci?", ansonsten ging es unvermindert freundlich und wortreich weiter). Wir hatten kapiert, dass er irgendetwas jagte mit einer dicken Nylonschnur, die an einen dickeren Holzstab geknüpft war. Verschiedene Köder wie Krabben, ein Fischkopf und ein Hühnerfuß waren in Abständen an die Schnur geknotet, unten ein dickes Bleigewicht, völlig ohne Haken das Ganze. Ausserdem hatte er einen Kescher dabei, der am entgegengesetzten Ende in einen Dreizack auslief. Jakob hat zuhause versucht, das aus dem Kopf noch einmal zu zeichnen (ich habe aber in Erinnerung, dass die Schnur mittig an dem Stock befestigt war, sie wurde nämlich bei Nichtgebrauch einfach aufgerollt). Naja, egal...

Der junge Mann hantierte lebhaft mit den Händen , zeigte auf die Krabben in den Felsen, die wir soeben noch beobachtet hatten, ich nahm an, dies sollte heissen, er würde Jagd auf diese machen, das fand ich leicht pervers, baumelten doch Artgenossen als Köder an der Leine. Nach einigem freundlichen Hin und Her und einer Konversation mit den Hauptelementen: "Capisci?" - "Scusi, non capisco.", ging er schließlich, uns freundlich zunickend weiter seiner Beschäftigung nach, und einige Minuten später sah ich, dass tatsächlich etwas an seiner Leine hin- und herschwang und er eilig seinen Kescher zückte. Die Beute wanderte in eine Plastiktüte, die er an den Gurt seiner Gürteltasche knotete und weiter ging's, er ließ die Schnur ins Wasser und streifte damit an den Felsüberhängen im Wasser entlang. Wieder hatte er Erfolg und kam nach Verstauen der Beute auf uns zu, weil er gemerkt hatte, dass wir ihn noch immer beobachteten. Die Bewegungen in der Plastiktüte entpuppten sich schnell als kleine Tintenfische (etwa 25-30 cm lang), die wohl nach der Flut sich an den schattigen Felswänden festhaltend auf Beute gewartet hatten. Nun waren sie selbst zur Beute geworden und schwuppdiwupp hatte ich einen von den kleinen glitschigen Gesellen freigiebig zu Demonstrationszwecken in die Hände gelegt bekommen. Dort hatte der aber nicht vor, zu verweilen, sondern kroch mit seinen Saugnapfarmen flugs an meinem Arm empor, wurde dann aber schnell von seinem Fänger abgelöst und in die Tüte zurück bugsiert. Ich war echt verblüfft über die schnellen Bewegungen und die Festigkeit des Saugnapfkontaktes und konnte mir jetzt erklären, wieso es zum Fangen keine Haken benötigt. Die kleinen Kraken warten, bis eine Beute nah genug ist, umschlingen sie dann mit den Armen und haben dann alle Zeit der Welt, sich gütlich zu tun (wenn nicht ihre vermeintliche Beute nur ein Köder ist).

Ich schien mich allmählich auf unsere Art der Kommunikation eingestellt zu haben, denn ich verstand von seinen Erklärungen immerhin so viel, dass es doch besser gar nicht ginge als auf diese Art, so könnte man sich ganz frisch versorgen anstatt in Geschäften weit transportierte Ware zu kaufen. Weiter draussen gäbe es auch größere "polpe" (seine Hand zeigte eine Höhe von 80-90 cm), deshalb müsse man aufpassen, die seien richtig schnell und könnten einen durchaus erwürgen. Für's Fangen der Kleinen müsse man ausnutzen, wenn die Felsen noch im Schatten lägen, weil sie keine Sonnenbestrahlung mögen, deswegen sei er morgen und spätnachmittags unterwegs.

Das war ein interessanter Vormittag, doch Jakob taten die Tintenfische so leid, der Gedanke, dass sie bald getötet und verzehrt würden machte ihm eine Zeit lang wirklich zu schaffen.

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Begegnungen in Apulien 2 - Luke, mitten ins Herz geschlüpft

Apulien am frühen Nachmittag, es regnet ein wenig. Erleichtert parke ich das Wohnmobil (direkt neben einem Campingplatz ;) ), nachdem ich es mal wieder nicht geschafft habe, auf einem innerörtlichen Parkplatz zu halten. Alberobello, das UNESCO-Weltkulturerbe Städtchen der Trulli, eins von zwei Städtchen in Apulien, die ich mir hier unten gerne anschauen möchte. Über 1000 der malerischen Zipfelmützenhäuschen soll es allein hier im Ort geben. Gestern haben wir einen schönen Tag bei Ramona und Vito auf dem Land verbracht, heute sollte dann mal ein bisschen Kultur dran sein. Mal wieder habe ich mich blindlings auf unser Navi verlassen, das mir dann auch - wie so häufig etwas zeitverzögert - ansagt, dass wir soeben unser Ziel (im WoMo-Führer empfohlene Parkplätze am Ortsrand) erreicht hätten. Tatsache - ich sehe sie sogar noch, in einiger Entfernung beim Blick über die rechte Schulter, alle besetzt, hinter uns hupt es bereits wieder, ich kann nicht mehr zurück, ciao, ciao Parkplätze...

Hmm, und jetzt? Ah, da sollte es noch so einen Wanderparkplatz geben, zum freien Übernachten bestimmt eh besser geeignet. Eine staubige Einfahrt ermöglicht uns, die Autoschlange vorbeizulassen und das nächste Ziel einzugeben, und wir haben sogar Glück, es heisst nicht: "Wenn möglich, wenden Sie!", sondern ich darf auf dieser Route weiterfahren. Sagt Navi. Puh, das Sträßchen wird aber doch ein wenig eng, naja, soll nicht mehr weit sein. VERD........ GEGENVERKEHR - ich steig erst mal auf die Bremse. Hmm, jetzt macht der Zeichen, dass er in die Straße, deren Einmündung wir soeben rechts passiert haben, einbiegen will. Das Beste wird sein, ich  setze nochmal zurück bis hinter die Einmündung, damit er durch kann. Rückfahrkamera? - "Nöö, heute nicht", meint die, der Bildschirm bleibt schwarz. Na gut, dann eben ohne, Hauptsache, der ungeduldige Signor kann endlich abbiegen. Geschafft, erleichtert strahle ich den Fahrer des Lasters an, der schaut mich verständnislos an, wedelt mit der Hand: "scheuch, scheuch, ab jetzt, rein da", wird energischer, zielt mit der Hand mehrfach nach geradeaus - "Oh, shit! ICH hätte in die Einmündung ausweichen sollen, er will an mir vorbei. Äh, kleines Mißverständnis der Herr, scusi, scusi!" Stotternd in die Einmündung ausgewichen, ich kann das Kopfschütteln des an mir vorbeibrausenden Fahrers förmlich spüren. Ein paar hundert Meter weiter kündigt unser Navi dann wieder an, dass wir unser Ziel erreicht hätten. UND WIEDER NACHTRÄGLICH - BINGO! Schon wieder sehe ich im Rückspiegel unser Ziel liegen. Sach mal, das darf doch wohl nicht wahr sein! Rase ich so mit unserer alten Möhre, dass das Navi es nicht rechtzeitig gepeilt bekommt oder ist einfach sein Arbeitsspeicher überlastet? Glücklicherweise finde ich diesmal nach kurzer Zeit eine Wendemöglichkeit und kann endlich korrekt halten. Wie weit das hier jetzt wohl vom Städtchen entfernt sein mag? Vielleicht laufe ich da später einfach mal hin.

Erst mal sind die Hundis jetzt dran. Die Kids machen es sich im Mobil gemütlich und ich schnappe mir unsere beiden Fellnasen, hier am "Bosco Selva", einem geschützten Eichenwaldgebiet, sollte das Spazierengehen kein Problem sein. Ist es auch nicht und wir drei genießen trotz Nieselwetters die Runde. Als ich zurück komme, werde ich aufgeregt begrüßt: "Mama, da lief gerade ein Hund rum, der ist ganz dünn."

Tja, das kann sein, denn auch wenn uns bisher erst ein einziger Streuner an einem Strand bei Monopoli begegnet ist, der sich anscheinend mit einem Fischer angefreundet hatte und tagsüber immer an dessen Seite war, hin und wieder fiel mal eine Streicheleinheit und ein Fisch für ihn ab und er sah kräftig und fit aus, so soll es doch in Süditalien wie in vielen süd- und osteuropäischen Ländern ein Streunerproblem geben (wovon auch die zahlreichen totgefahrenen Hunde und Katzen an den größeren Landstraße zeugen). Ramona hatte uns am Vortag erzählt, dass die Straßenhunde sehr schlau seien und hinter den malerischen Naturstein-Mauern in Deckung gingen, häufig würde man so gar nicht mitbekommen, dass man gerade durch eine ganze Hundeansammlung führe.

 

Nun ist da aber dieser eine kleine, total ausgemergelte Bretone, nass, dreckig, er hatte sichtlich schon länger nicht mehr ausreichend gefuttert. Das können wir ändern, denn ich hatte extra einen Sack Futter für Straßenhundkontakte dabei. Flugs ein bisschen hingeschüttet und mich wieder entfernt, damit er in Ruhe fressen kann. Später hocke ich mich in einigen Metern Entfernung mit ihm abgewandten Gesicht an die Mauer, woraufhin er vorsichtig näher kommt und an meinen Händen schnuppert. Irgendwie hat er einen ganz eigenartigen Gesichtsausdruck, sein Nasenrücken sieht eingedellt aus und weist ein, zwei runde oberflächliche Wunden auf. Rippen, Wirbel und Beckenknochen sind mehr als überdeutlich zu erkennen. Der arme Kerl!

Wir essen dann auch erstmal etwas, die Hunde bekommen ihr Futter, als auf einmal der Regen zu prasseln anfängt. Besorgt schauen die Kinder immer wieder nach unserem Schützling, der nach dem Fressen und der ersten Kontaktaufnahme zur Brunnensäule gelaufen ist, um zu trinken und es sich anschließend unter einem Busch im weichen Gras auf dem Wanderparkplatz bequem macht. Eine Weile mag der Busch den Regen aufgehalten haben, doch der wird stärker und stärker. Irgendwann steht der kleine Streuner auf und streift an den Mauern entlang, sucht sichtlich nach einem trockenen Plätzchen, das aber längst nirgends mehr zu finden ist. Das Kerlchen tut uns so leid, wie er da herumirrt. Ich denke, wenn er nur zum Wohnmobil käme, ein trockenes Plätzchen könnten wir ihm noch anbieten. Es dauert nicht lange und er kommt tatsächlich in unsere Richtung. Ich öffne die Wohnmobiltür, er steht direkt davor und schaute mich vorsichtig an. Mit viel Geduld und einigen Stückchen gekochter Kartoffel gelingt es, ihn ins Wohnmobil zu locken. Noly schläft in ihrer - sicherheitshalber mal geschlossenen - Box, Marbo liegt auf seinem Plätzchen auf der Sitzbank, Mia sicherheitshalber neben ihm, eine Hand am Hundegeschirr. Unser Kleiner ist mächtig eifersüchtig und extrem irritiert über den fremden Gast.

Der Regen lässt den Rest des Tages nicht wesentlich nach, so dass wir beschließen, dass Luke, so hat Jakob den Kleinen genannt, bei uns die Nacht im Trockenen verbringen dürfe, wenn er wolle. Unsere Schlafplätze werden neu verteilt (Marbo darf mit ins große Bett, jippiiee :D ) und alles mit einem Zwischengitter fremdhundekompatibel geregelt, so dass unsere beiden dem kleinen Gast nicht nahe kommen können. Luke verschläft den größten Teil der Nacht auf dem Hundekissen, das er sich mit viel Gezupfe und Gejaule zurechtgelegt hat (tatsächlich wirkt er psychisch ziemlich angeschlagen, aber wen wundert das ernsthaft bei so einem Schicksal?).

Zwischenzeitlich haben wir trotz meiner unzuverlässigen Handyverbindung von Ramona eine eventuelle Unterbringungsmöglichkeit für unser Findelkind erfahren, denn es ist leider klar, dass wir ihn nicht selbst mitnehmen können. Impftechnisch reicht die Zeit bis zu unserer Abreise nicht aus und ich habe das (vernünftige!) Verbot von zuhause im Gepäck, mit mehr Hunden wiederzukommen als ich losgefahren bin ;). Ich selbst bin durch die Reiserei nervlich gerade ziemlich an meine Grenzen gekommen, kann nicht mehr viel verkraften und möchte  unsere Hunde auch keinem Krankheitsrisiko aussetzen, denke ich bei den runden offenen Hautstellen doch auch an Leishmaniose.

Der nächste Morgen beginnt ziemlich früh gegen 5:30 Uhr, da Luke im Fahrerraum umherkriecht, weil er auf seinen Schlafplatz geköttelt hat. Ich öffne die Wohnmobiltür (immerhin: Kein Regen!), schüttle die Decke ab und hänge sie nach draussen (später haben wir sie im Meer gewaschen, das sollte alles gut desinfiziert haben). Luke verabschiedet sich auch nach draußen, geht am Brunnen trinken, was ich dazu nutze, flugs mit unseren Hundis aus dem Wohnmobil zu schlüpfen und kurz Gassi zu gehen. Dann mit drei Hunden wieder rein ins Wohnmobil, alle wieder verteilt und ein bischen gelesen bis die Kinder aufwachen. Zwischendurch halte ich innere Zwiesprache mit dem Kleinen, dass wir ihn leider, leider nicht mitnehmen , ihn aber zu einem Canile bringen könnten, wo er zumindest sicher, trocken und satt sein würde. Ein blöder Gedanke, denn häufig kommen die Hunde dort nicht wieder raus und ich überlege, ihn dort nur übergangsweise zu "parken" und ihn dann eventuell in einigen Wochen nach erfolgter Impfung zu holen. Wie ich das meinem Mann und unseren beiden Seniorhunden, die nach jahrelangen wechselnden Tierschutz-Neuzugängen bei uns zuhause in einem Stadium angekommen sind, in dem sie wirklich keine weiteren Neuzugänge mehr wollen, hätte erklären sollen, weiß ich jedoch nicht. Ohnehin leben wir ja gerade ziemlich unruhig, nicht unbedingt der richtige Zeitpunkt für eine weitere zu versorgende Notnase.

Luke jedoch hat wohl sowieso anders entschieden, da er später nach der Fütterung nicht wieder aufgetaucht ist.

Schweren Herzens fuhren wir wie geplant noch einmal zum Meer, ließen ihm natürlich Futter dort. Allerdings haben wir es dann nicht über's Herz gebracht, nach zwei schönen, sonnigen Tagen am Meer unsere Reise noch zur Westküste Apuliens hin auszudehnen, sondern fuhren stattdessen wieder zurück zum Wanderparkplatz, um Luke vielleicht doch noch einsammeln zu können. Er ließ sich auch kurz füttern und von den Kindern ganz kurz streicheln, kam auf Abstand ein Stückchen mit Gassi, bis er schließlich verschwand. Lange haben wir an dem Abend noch Ausschau gehalten nach ihm. In der Nacht kamen Wolkenbrüche vom Himmel, an manchen Stellen fiel Hagel knöchelhoch, aber Lukes Gästeplätzchen blieb leer :( . Auch am nächsten Morgen blieb er verschwunden.

Wir reisten ab, mit einem schlechten Gewissen, wie Jakob prophezeit hatte, und Trauer im Herzen. Auch nachträglich konnte ich für Luke bislang keine Hilfe über's Internet organisieren und so bleibt nur das kurzzeitig volle Bäuchlein und eine trockene Nacht, die wir ihm schenken konnten. Das ist so traurig und wird mir noch lange nachhängen.

 

Vor dieser Art Begegnung hatte ich die größte Angst gehabt vor unserer Reise nach Italien, wusste ich doch, dass sie höchstwahrscheinlich unvermeidlich sein würde und dass ich es kaum aushalten könnte, u.U. nicht helfen zu können. Dann ist es nochmal etwas anderes, ob man aus der Ferne scheue streuende Hunde, womöglich ein ganzes Rudel sieht oder ob ein einzelner, deutlich hilfsbedürftiger Hund einen anschaut und direkt mit einem Kontakt aufnimmt.

Manche sagen uns: "Aber es sind so viele, die Hilfe benötigen, man kann gar nicht allen helfen!"

Aber ist das ein Argument, um dem einen nicht zu helfen?

 

Vielleicht kennt Ihr die Geschichte von den Seesternen? Ein Klassiker im Tierschutz. Sie ist wunderschön und deshalb möchte ich hier mit ihr enden:

Es war einmal ein alter Mann, der jeden Morgen einen Spaziergang am Meeresstrand machte.
Eines Tages sah er einen kleinen Jungen, der vorsichtig etwas aufhob und ins Meer warf. Er rief: "Guten Morgen, was machst Du da?" Der Junge richtete sich auf und antwortete: "Ich werfe Seesterne ins Meer zurück. Es ist Ebbe, und die Sonne brennt herunter. Wenn ich es nicht tue, dann sterben sie." "Aber, junger Mann", erwiderte der alte Mann, "ist dir eigentlich klar, dass hier Kilometer um Kilometer Strand ist. Und überall liegen Seesterne. Du kannst unmöglich alle retten, das macht doch keinen Sinn."
Der Junge hörte höflich zu, bückte sich, nahm einen anderen Seestern auf und warf ihn lächelnd ins Meer. "Aber für diesen macht es Sinn!"
Nach der Erzählung "The Star Thrower" von Loren Eiseley (1969)

 

 

Lieber kleiner Luke, wahrscheinlich werden wir nie erfahren, wie es dir weiter ergangen ist und allein der Gedanke ist schon schlimm, die Vermutung, wie es wohl wirklich sein wird, noch viel schlimmer. Ich sehe  noch deinen von der Straße gezeichneten Körper, deinen sanften Blick, spüre deine Pfote auf meinem Arm und hoffe, ja hoffe von ganzem Herzen, dass es Dir gelingt, das Herz eines weiteren Menschen zu berühren, dem es möglich ist, dir Sicherheit und Glück zu bieten.

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Begegnungen in Apulien 1 - Ramona und Vito und ihre Trulli Zingarelli

Bei Vito und Ramona, zum Glück hat Ramona geistesgegenwärtig ihre Kamera gezückt und mir jetzt die Fotos zur Verfügung gestellt. Leider ist sie deshalb selbst nicht mit drauf.

 

Wir waren diesmal mit einem Wohnmobilführer unterwegs, der viele freie Stellplätze auflistete. Wir haben nur einmal auf der Rückreise einen eingerichteten Stellplatz angefahren und für die Übernachtung bezahlt, ansonsten kommt man in der Nebensaison in Italien übernachtungstechnisch auch prima kostenlos durch, häufig sind (größere) Hunde ohnehin ein Problem auf italienischen Campingplätzen.

Insgesamt waren wir sehr angetan von der Infrastruktur für Wohnmobilisten, die Italiener scheinen, ähnlich wie die Franzosen, da sehr rege zu sein, fast in jeder Ortschaft stehen ältere, öffentliche Brunnensäulen, an denen auch Einheimische ihre Wasserkanister füllen und Entsorgungsplätze gibt es ebenfalls, wenn man Autobahn fährt, sogar sehr bequem an vielen Raststätten. Anders als in Frankreich gab es durchaus auch Mobile der selben Alterskategorie wie unser Möhrchen und noch klappriger. Sehr zur Betrübnis von Jakob scheint es in Italien allerdings nicht so üblich zu sein, den Wohnmobilistengruß zu zeigen, der uns in Frankreich immer besonders erfreut hat, wenn nicht nur cool eine Hand vom Lenkrad erhoben wurde, sondern von der Beifahrerseite  aus heftig gewunken wurde, damals durch eine strahlende, graulockige Dame, was die Kinder sofort übernahmen, weil es einfach eine so gute Laune macht :) .

In Frankreich haben wir für Übernachtungen häufig den tollen FrancePassion-Führer benutzt, eine Art kostenlose Übernachtung auf dem Bauernhof, so dass wir immer wieder Gelegenheit zu einem Pläuschchen hatten, weil man sich bei seinen Gastgebern ja vorstellt (und ehrlich - ich hätte im Vorfeld nicht gedacht, dass mir Kontakte dieser Art so zusagen könnten, bin ich doch eher ziemlich schwerfällig im SmallTalken, aber in Frankreich hatte sich das zu einer Art Highlight entwickelt, zu schauen, wen man denn da so treffen würde). Da wir in Italien aber viele Strände anfahren wollten, weil das Meer in Frankreich bei uns wegen Planungsänderungen viel zu kurz gekommen war, hatte ich auf das italienische Pendant verzichtet, was man sofort merkte, weil wir eher wenig in Kontakt kamen. Ausserdem merkte ich recht schnell, dass ich mit meinen drei Brocken duolingo-Italienisch nicht weit kam, das war ein seltsames und irgendwie beklemmendes Gefühl für mich, die Menschen und Hinweisschilder nicht zu verstehen. In Norditalien kam ich noch häufiger mit Englisch durch, in Süditalien konnte ich das flächendeckend vergessen.

 

So waren Mia, Jakob und ich größtenteils unsere eigenen bzw. gegenseitigen Gesprächspartner, was einen Besuch bei Ramona und Vito auf ihrem wunderschönen Grundstück zwischen Putignano und Turi inmitten von Oliven- und Kirschhainen zu einem unserer Highlights auf dieser Reise machte. Ich hatte Ramona im Vorfeld kontaktiert, weil wir ja überlegten, ein Häuschen in Apulien zu mieten, und sie Tierschutz betreibt, was mich natürlich besonders interessierte. Zwar war uns unterwegs schnell klar geworden, dass es uns nicht für länger nach Süditalien ziehen würde, kein einfacher gedanklicher Prozess nach den großen Erwartungen, mit denen wir losgefahren waren, dennoch freuten wir uns sehr auf dieses Treffen. Die beiden sind vor drei Jahren von Deutschland nach Apulien gezogen, Vito stammt aus der Gegend. Auf ihrem Grundstück steht eine kleine Ansammlung von Trulli, das sind für die Gegend typische, aus Steinen geschichtenen Rundbauten der Landbevölkerung, die Basis weiß gekalkt, die spitzen Dächer aus Naturstein, sie werden in vielen Reiseführern auch liebevoll "Zipfelmützenhäuser" genannt und sind für uns total malerisch anzuschauen. Ramona und Vito bieten ihre wunderhübsch hergerichteten Trulli als Ferienhäuschen an, und wir können uns vorstellen, dass sie im Sommer eine echt heimelige Unterkunft sind. Die Mauern sind dick, die Raumdecken gewölbeartig, so dass eine angenehme Kühle darin herrscht. Die beiden haben ausserdem ein Beduinenzelt auf einer eigens angelegten Terrasse etwas unterhalb der Trulli, in dem man ebenfalls seinen Urlaub dort in malerischer Umgebung verbringen kann. Glamping nennen sie das - und so sieht das auch aus :) . Einfach toll! Es fehlt an nichts, Hunde sind willkommen und Ramona und Vito sind wunderbare Gastgeber und können Euch viel erzählen über Land und Leute und auf Anfrage auch zeigen. Leider haben wir vor lauter Quatschen vergessen, Fotos zu machen, aber schaut Euch doch einfach ihre wunderschöne homepage an, die viele tolle Fotos und interessante Informationen enthält. Und - wer weiß - vielleicht verschlägt es ja den ein oder anderen im Urlaub mal nach Apulien in die Trulli Zingarelli. Auch auf Facebook könnt ihr die Trulli Zingarelli finden und zwar hier. Schaut rein, es lohnt sich wirklich!

Vito hat den Kindern ganz viel über die Nutzpflanzen erzählt, die auf dem Grundstück wachsen. Zum ersten Mal haben sie unreife Mandeln am Baum gesehen und ausprobiert, dass man eingelegte Lupinensamen (die sie nur aus veganem Proteinpulver kannten bislang) wie Oliven essen kann, erfahren, dass die Gegend dort berühmt ist für ihre Kirschen, besonders die Ferrovia aus Turi, den wunderbaren Biomozzarella vom Hof nebenan gekostet, der so gar nichts gemein hat mit Lidl-Mozzarella... Vito hat für uns ein regionales Gericht gekocht "Orecchiette alle cime di rapa", Pasta mit einem grünen Blattgemüse, das ein wenig wie eine Mischung aus Brokkoli und Spinat schmeckt (hmmmmmm, lecker - und die dicken Knoblauchzehen, die ins heisse Öl gegeben wurden, göttlich!), als Nachtisch durften wir hauseigene Kirschen und den selbstgemachten schwarzen Feigensirup an Vanilleeis kosten und haben dessen aufwändigen Herstellungsprozeß erklärt bekommen.

 

Woah, DANKE Ihr beiden, der Tag bei Euch war wunderschön!

 

Vito, Herr der Riesenpfanne - hui, man kann's sehen: Ich freu' mich schon :)

 

Natürlich war für die Kinder der allererste Anziehungspunkt die ganze Hundebande von Ramona und Vito. Nachdem sie uns zur Begrüßung am Tor darauf aufmerksam gemacht hatten, dass Jack, ein junger, sehr hübscher großer Rüde schon mal gerne in Hinterteile kneift, konnte man uns zunächst in lustiger Haltung (Hintern an Mauer) seitlich im Krabbengang die Einfahrt hinunterspazieren sehen. Später klärten sie uns dann grinsend auf, dass ein Hund sowas halt schon mal macht, wenn ein Tierarzt unautorisiert und unbegleitet einfach das Grundstück betritt. Jakob hat besonders den großen verschmusten Maremmano "Zingo" und den kleinen clownigen Volpino "Macchia" (der in seinem Wesen echt stark an unseren kleinen Kokoni Marbo erinnert) sofort ins Herz geschlossen und immer einen der beiden um sich herum bzw. an sich dran gehabt, was bei ihm auch sofort das Eis beim Erstkontakt mit unbekannten Menschen gebrochen hat - da sieht man mal wieder, was unsere tollen Vierbeiner alles ausrichten können. Ramona hat uns dann mit in den unteren Bereich des Grundstücks genommen, wo es für die Tierschutzhunde ein paar sehr geräumige Gehege mit netten Holzhäuschen gibt. Wir haben einiges über die Geschichten der anwesenden Hunde erfahren, die Streuner haben es auch in Apulien so ganz und gar nicht leicht, und es sind so, so viele, die Hilfe benötigen. Ein paar Glückspilze haben es in das kleine Paradies bei Ramona und Vito geschafft und manche suchen von dort aus ein eigenes Zuhause. Mia war besonders begeistert von "Prima", Jacks Schwester, ein wahnsinnig liebenswertes, aufgeschlossenes und lebhaftes Hundemädchen von 11 Monaten. Die beiden Welpen "Melchior und Balthasar" kamen angewuselt und beglückten unsere Herzen, wie das eben bei Welpen so ist - kurzes Zusammenreissen nötig ;) . Kurz nach unserem Besuch  konnten sie mit Freunden von Ramona und Vito ausreisen und warten nun in Bayern auf ihr eigenes Zuhause. Hier auf Facebook könnt ihr Fotos von den Hundis sehen und mehr über den Tierschutz Apulien erfahren. Katzen gibt' hier auch, und Mia war besonders begeistert von Patty, einem jungen Kätzchen, das dort vor einiger Zeit zugelaufen ist und aber eigentlich auch ein Zuhause braucht. Patty ließ sich brav kuscheln und fotografieren und schaffte es zu Mias Bewunderung, gleichzeitig zu entspannen und die ein oder andere zu aufdringliche Hundenase durch gewaltiges Fauchen in ihre Schranken zu verweisen ;).

Die süße Patty sucht ein Zuhause

Zum Abschluß des Tages schauten wir uns noch ein altes Bauernhaus in der Nachbarschaft an, das wirklich preiswert zu vermieten war. Obwohl das für uns eigentlich ja schon nicht mehr in Frage kam und schon super Argumente hätte bringen müssen, um uns umzustimmen (aber ich hatte diese Option durchaus noch im Hinterkopf), war es hochinteressant, so einen alten süditalienischen Bauernhof samt ganz toller Massivsteinböden, Käsereiabtropfbrett im Hof und einer attraktiven kleinen Dachterrasse mal zu sehen. Das Grundstück war wirklich toll , groß, von Natursteinmauern eingefasst - für die Hunde hätte mich das mega gefreut, doch das Haus an sich war für uns mit nur einem (dunklen) Küchenraum unten und drei Zimmern oben, davon zwei Durchgangszimmer, was bei Teenies, die definitiv schon mal eine Tür hinter sich zumachen wollen und müssen, etwas unpraktisch. Dazu die Schwierigkeit mit Internet in der Gegend, da das mangels Telefonleitungen über Festnetz dort nicht als größere Flatrate zu bekommen ist, die große Entfernung von zuhause... Nein, unsere Entscheidung blieb bestehen.

 

Trotzdem ein wunderschöner, bereichernder Tag - nochmals vielen lieben Dank dafür, Ramona und Vito!

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Wir sind zurück aus Italien

Team Süditalien :)

 

 

Unsere zweite größere Wohnmobiltour führte uns nach Italien, genauer gesagt Apulien, Achillessehne und Absatz des Stiefels.

Denn wenn schon Süden, dann auch Süden! - Mich gelüstete nach Wärme und Meer, knorrigen Olivenbäumchen und dem unvergleichlich herrlichen Geruch von Pinien im Sonnenlicht. Ich hatte noch nie vorher überlegt, nach Italien zu fahren, ist unsere Familie doch eher in Richtung Frankreich/Spanien ausgerichtet. Aber durch einen Freilerner-Kontakt auf Sizilien erfuhren wir von der Möglichkeit eines schulfreien Lebens in Italien und begannen, das ins Auge zu fassen, da wir immer noch nach einer Lösung suchen, d.h. einer zeitweiligen festen Basis.

In Italien gilt die allgemeine Schulpflicht nur bis 14 Jahre und homeschooling ist, wenngleich nicht extrem verbreitet und häufig auch in der Bevölkerung unbekannt (was uns ebenfalls im letzten Jahr in Frankreich aufgefallen ist), immerhin gesetzlich anerkannt. Man muss die jüngeren Kinder dazu anmelden und nachweisen können, dass man selbst als betreuende Person eine um mind. 2 Jahre höhere Schulbildung hat. In Südtirol gelten allerdings andere Regelungen. Das Schuljahr an sich muss sich in Italien ziemlich ziehen, denn außer den wirklich langen Sommerferien von Mitte Juni bis Mitte September gibt es ansonsten nur noch einige freie Tage zwischendurch in Frühjahr, Herbst und Winter (und es gibt noch den Samstagsunterricht).

Ich begann im Vorfeld, auf duolingo emsig ins Italienische reinzuschnuppern und über Kleinanzeigenmärkte nach preiswert zu mietenden Häuschen zu suchen. Doch lediglich einem Vermieter waren meine google-Übersetzer-Niveau-Anfragen nicht völlig suspekt, so dass ein Kontakt bzgl. eines rustikalen Landhäuschens in einem Olivenhain bei Ostuni zustande kam. Nach einigem Mailverkehr hat sich der Vermieter allerdings dann doch lieber für einen Landsmann entschieden, ich kann's verstehen, aber unsere Reiserichtung war festgezurrt - vielleicht würden wir vor Ort etwas Passendes finden?

 

Janko, der im April mit einer Tante für drei Wochen Irland bereisen durfte - eines seiner großen Sehnsuchtsziele und jetzt hat es schon geklappt :) - blieb diesmal gerne zuhause und hütete unsere beiden Hundesenioren, die ja auf der vergangenen Reise deutlich gezeigt hatten, dass Wohnmobilreisen völlig inakzeptabel für sie sei. Einerseits konnte ich so etwas beruhigter starten, da ich die beiden Oldies gut versorgt in ihrer vertrauten Umgebung wusste (meine Suche vorher nach adäquaten Betreuungsmöglichkeiten hatte nämlich nichts ergeben), andererseits wusste ich nicht, wie ich ohne meinen gechillten Super-Navigator Janko die Reise überhaupt bewältigen sollte. Ich fahre nämlich eher ungern, extrem ungern sogar in fremden Städten, da ich ein grottenschlechtes Orientierungsvermögen habe und das Gewusel in Städten mich völlig überfordert und hinter dem Steuer regelrechte Panik auslöst. Mit einem Auto ist das noch eher zu ertragen, aber mit so einem dicken Wohnmobil kann man ja auch nur an wenigen Stellen einfach mal anhalten. Trotz eines extra angeschafften Navis mit Wohnmobileinstellungen (das in Städtchen allerdings langsam reagierte) verzweifelte ich dann auch wirklich an der Fahrerei in den unzähligen z.T. recht schmalen Einbahnstraßen. Die unbekümmerte, muntere italienische Fahrweise, der schnelle Druck auf die Hupe taten ein Übriges, um mich mit reichlich Schweißausbrüchen auszustatten. Die beiden Kids versuchten immer wieder, mich zu beruhigen: "Mama, das bringt doch gar nichts, wenn du jetzt Panik bekommst!", aber die städtischen Straßen dieser Welt sind einfach nicht meine Welt. Ich kam nicht gegen diese Ängste an - eine doofe Erfahrung für uns alle und mein dauerhaft vorhandener Streßpegel zeigt mir deutlich, dass Wohnmobilreisen nicht wirklich UNSERE Lösung sein kann.

Auch gibt es bei einem Uralt-Wohnmobil anscheinend mindestens ebenso viele Funktionsausfälle wie funktionierende Elemente, was Jakob bereits dazu bewog, es familienintern in "Instabil" umzutaufen (und als Topping möchte er dann noch einen Instagramaccount dazu eröffnen ;) ). Irgendwie führt jedenfalls diese Tatsache unterwegs zu einer latenten Katastrophenstimmung. Gut, dass ich aus Umweltschutzgründen gedacht hatte, es reiche aus, nach der Winterpause die Wassertanks ordentlich durchzuspülen und nur mit ein klein bisschen Chlor zu reinigen, war meine eigene Unerfahrenheit und bescherte uns drei Wochen lang das Erlebnis, Spülen und die eigene Katzenwäsche (die Dusche funktioniert mangels Wasserablauf in den dafür vorgesehenen Tank ja ohnehin nicht) in Algenwasser zu erledigen, besonders nach den Fahrten schoß es grün-bräunlich-stückig aus den Leitungen. Für Kochen, Haarewaschen und Zähneputzen hatten wir daher zusätzlich immer gefüllte Wasserkanister an Bord. Auch der verstopfte Dieselfilter, der uns zwang, kurz nach Einreise in Italien eine Werkstatt aufzusuchen, hätte sich wohl vermeiden lassen. Nur gut, dass wir eben noch so über die Alpen geschwappt sind und ein Riiiiiiesendank sei dem kleinen Randstreifen am Reschenpass, der die nachfolgenden Fahrzeuge davor bewahrte, noch länger mit knapp 10 km/h hinter uns herzukriechen. Und das, nachdem mich an der Tanke ein freundlicher älterer Herr freiweg angesprochen hatte und mich für meine flotte Fahrweise über den Pass gelobt hat - was ich zuerst nicht so wirklich glauben konnte, da ich unterwegs schon den ein oder anderen Blick in den Rückspiegel geworfen hatte. Aber er meinte es echt ernst und ich freute mich :) . Und keine 200m weiter standen wir nun mit Warnblinke am Straßenrand. Erst einigermaßen hilflos, obligatorischer Blick unter die Motorhaube - manchmal frage ich mich, wieso ich nicht lieber das Alpenszenario betrachtete, so viel Ahnung wie ich von Motoren habe - betätigte ich dann im Leerlauf einige Male kräftig das Gaspedal. Man versucht ja irgendwie alles, woraufhin der Motor tatsächlich erst mal wieder zog, so dass wir bei unserem ersten Halt in Italien eine Werkstatt aufsuchen konnten.

Als dann nach zwei Wochen sich eines Morgen der Gaskastenschlüssel ungewohnt butterweich im Schloß drehen ließ und gleich auch teilweise darin stecken blieb, war das Maß für dies Mal aber voll. Das bedeutet nämlich: Kein Morgenkaffee mehr nach den immer nur leicht durchschlafenen Wohnmobilnächten und kein Kochen mehr, mit dem wir uns durch unsere Vorratshaltung immer retten konnten, wenn wir mal wieder keine wohnmobilkompatible Einkaufsmöglichkeit gefunden hatten. Um nicht mit geöffneter Gasflasche weiterfahren zu müssen, kroch Mia unter das Wohnmobil, öffnete die Lüftungsgitter des Gaskastens und schraubte von innen das Türschloß ab, damit ich die Flasche zudrehen konnte, danach das Schloß wieder dran. Wir haben die Gasversorgung zwar auf diesem Wege auch noch einmal geöffnet, aber nachdem Mia sie dann nach heftigen Regengüssen im Schlamm kniend wieder schließen musste, mussten wir das nicht unbedingt wiederholen. Dagegen war der verstopfte Spülbeckenabfluss echt pillepalle, das kann sogar ich selber, genauso wie das bei schnellerer Fahrt mitunter bedrohlich klappende Alkovendachfenster, das ich souverän mit Gewebeklebeband und einem Spanngurt sicherte, damit es uns nicht irgendwann im recht nassen Mai Süditaliens echtes Cabriofeeling bescherte. Unsere Klospülung schwächelte auch ein wenig, was aber nicht schlimm war, da ja der Duschhahn der ansonsten inaktiven Dusche manchmal sogar funktioniert und dann eben das Klo spült.

Aber irgendwann ist auch echt mal gut mit Improvisieren und da Süditalien uns wegen totaler Vermüllung vieler Stellen (Stellplätze, Strände, Straßenränder), die ansonsten echt schön sein könnten, eh nicht wirklich vom Hocker gerissen hat, sind wir dann eine Woche früher nach Hause losgedüst als wir ursprünglich vorhatten. Ohne ein Häuschen gefunden zu haben aber auch ohne noch länger eins zu wollen. Instinktiv haben wir das wohl ganz gut gemacht, obwohl es zuerst einen unschönen Hauch von Aufgeben hatte, doch in Norditalien auf der Autobahn leuchtete plötzlich die Kontrolleuchte der Starterbatterie auf (und diese ist erst vom letzten Jahr). Och nöööö.... Haalt! Pseudoprofessionell gehaltener Blick unter die Motorhaube. Hmm, Batterieklemmen sitzen beide noch (da hatte sich auf der letzten Tour mal eine losgeruckelt) und ansonsten hab' ich eben vor allem eins: Keine Ahnung von Motoren... Okay: Kühlschrank aus, Scheinwerfer aus, alles, was eben Energie saugt - NEE, DAS NAVI BLEIBT DRAN, das brauch' ich zum Überleben - mal sehen: Ok, Kontrolleuchte ist aus, hoffentlich schaffen wir es so bis zuhause. Und das haben wir - Yeah!

 

Und von all dem, was schön war auf unserer Tour, bereichernd, entspannend, witzig und berührend - das gibt's nämlich auch immer zwischendurch, großes Ehrenwort! - berichte ich in den nächsten Tagen :).

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Willst Du wissen, wie schulfrei lernen geht?

 

Dann solltest Du unbedingt einen ausführlichen Blick in das im März 2016 erschienene Buch "Wir sind so frei" werfen.

 

Auf unserem Weg ins schulfreie Leben haben uns neben Büchern, Videos und längeren Filmen ganz besonders einige persönliche Kontakte sehr geholfen, ob schriftlich, telefonisch oder ganz direkt. An dieser Stelle deshalb mal ein herzliches Dankeschön an Stefanie und Julian Mohsennia, die  5Reicherts, Karen Kern von kern-bildung, Line von der Wildnisfamilie und Mireille Rosenrot Schülpke von der Clonlara Schule. Auch wenn jede Familie in Deutschland sich noch mehr oder weniger mühsam einen eigenen Weg suchen muss, was ich dann nach anfänglich hilflos-hektischer Suche nach einem 08/15-Rezept auch irgendwann kapierte, wart Ihr hilfreich, inspirierend und ein "klein" bisschen auch richtungsweisend ;). Danke Euch dafür!

 

In "Wir sind so frei" bekommt ihr jetzt gebündelt Darstellungen von deutschsprachigen Familien aus Europa und USA, die ganz anschaulich erzählen, wie das bei ihnen so abläuft mit dem selbstbestimmten Leben und Lernen. Super interessant zu lesen!

 

Hier eine kleine Rezension, die ich Stefanie versprochen hatte, weil ich das Buch so irre inspirierend und begeisternd finde:

 

Abseits von Debatten um Klassenstärke, Lehrermangel und Bildungsreform geschieht sie längst sehr erfolgreich – eine bedürfnisorientierte und selbstbestimmte Bildung.

 

In vielen Ländern beschreiten Menschen schon von klein auf ganz selbstverständlich einen Weg, aus der ureigensten Verantwortung heraus ihr Leben zu leben und sich währenddessen auf ganz natürliche und vor allem individuelle Art Wissen und Fertigkeiten anzueignen und Fähigkeiten auszubauen. Auch in Deutschland wird der Ruf immer lauter nach der Möglichkeit des eigenverantwortlichen Lebens und Lernens, wollen Eltern einfach nicht mehr zusehen, wie ihre Kinder durch feststehende Raster gepresst und entweder passend gemacht oder schlichtweg aussortiert werden.

 

 

In diesem Buch geben deutschsprachige Familien aus Europa und USA vielfältige Einblicke in ihr schulfreies Leben und zeigen, wie bunt, erfüllt und überaus erfolgreich Bildung sein darf, wenn sie nicht auf Bewertung und Gruppenzwang basiert, sondern auf intrinsischer Motivation und der jedem Menschen ursprünglich eigenen Neugierde.

 

Beim Lesen wird sehr deutlich, dass es ihn nicht gibt, DEN Bildungsweg. So unterschiedlich, wie wir Menschen sind, so unterschiedlich leben und lernen wir. Es wäre wünschenswert, dass auch in Deutschland sich endlich auch offiziell die Erkenntnis durchsetzen würde, dass es überaus wichtig ist, WÄHLEN zu können, wählen und gestalten von Anfang an, das brächte gesunde und vertrauensvolle Persönlichkeiten zur Entfaltung.

 

„Wir sind so frei“ ist ein wunderbares Buch, das Mut macht. Ein Buch, das zeigt, dass ein eigenverantwortlicher  Bildungsweg auch abseits von gesellschaftlich vorgegebener Bahn aus reichhaltiger Fülle schöpfen darf. Ein Buch, welches aber auch nicht verschweigt, dass in Deutschland aufgrund des Schulzwangs (noch) große Hürden zu überwinden sind, wenn Familien ihre eigenen Bildungswege beschreiten wollen.

 

 

Was man nicht kennt, macht Angst und was einer bestimmten „Normalität“ nicht entspricht, darf nicht sein, diese Haltung prägt leider immer noch die deutsche Bildungsdebatte. Dieses Buch bietet eine wunderbare Möglichkeit, kennenzulernen, was bislang jenseits des Bildungshorizontes lag, einzutauchen in eine Fülle von Berichten frei sich bildender Familien und zu sehen, welch große Chancen zur eigenen Entfaltung in individuell ausgestalteten Lernwegen liegen können. Auf dass die Angst der Begeisterung und die mitunter einengende Normalität der Bejahung der Individualität weichen möge. In diesem Sinne handelt das Buch von Vertrauen, Toleranz und Anerkennung – und was, wenn nicht das, benötigt eine Gesellschaft?

 

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Großer online-Bildungskongress im März

Ich bin schon sehr gespannt auf diese tolle Möglichkeit, ganz bequem von zuhause aus erfahrene und inspirierende Redner zum Thema freie Bildung zu hören. Vom 18.-26. März 2016 startet der kostenlose online Bildungskongress und hier kann man sich anmelden, um teilnehmen zu können (kopiert das einfach in euren Browser, ich kapier' grad nicht, wie ich hier Links einstellen kann...):

 

http://www.bildungskongress.com/

 

 

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Inspirierende Videos

Ihr Lieben, es ist ruhig geworden auf unserem Blog. So Vieles ist zu verarbeiten, zu organisieren und neu zu gestalten, daher bleibt momentan keine Zeit und Energie zum Schreiben.

Ich habe im zurückliegenden Jahr festgestellt, dass ein selbstbestimmter freier Bildungsweg mitunter ganz schön teuer erkauft und hart erarbeitet ist. Das liegt allerdings nicht daran, dass es so wahnsinnig schwierig wäre, sich frei zu bilden, denn es gibt ja Angebote zuhauf und durch das Internet eine umfassende Vernetzung und weitreichende Informationsportale. Die wirklichen Schwierigkeiten liegen in allererster Linie in der Haltung Deutschlands begründet, die nicht gestattet, den freien Weg zu wählen, so dass viele selbstbestimmt lebende Familien mit der Angst vor Verfolgung und staatlichen Sanktionen leben oder sich gezwungen sehen, das Land zu verlassen. Das ist nicht immer einfach. Und wie wunderbar,erleichternd und bereichernd wäre es, frei und anerkannt den eigenen Weg in Deutschland verwirklichen zu dürfen und Reisen nicht teilweise als Flucht sondern als inspirierende Erweiterung sehen zu können.

Und während wir noch mit der Logistik kämpfen und Schrittchen für Schrittchen unseren Weg beim Weitergehen entwickeln, möchte ich euch hier einfach mal einige Videos zeigen, die so unglaublich bestärkend und inspirierend sind, dass ich sie mir zwischendurch immer wieder gerne einmal ansehe:

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Nachgedacht und selbst gemacht :)

Es ist Advent und wir sind sowas von überhaupt nicht weihnachtlich drauf. :) Dieses Jahr ist alles anders und so wird auch Weihnachten ganz anders verlaufen. Erstmalig werden wir wegfahren und ein paar Tage mit der ganzen Familie (und dem ganzen Rudel) in einem urigen Häuschen am Wald verbringen. Dort wartet zunächst einmal ein Berg Holz darauf, endlich aus dem Regen geholt und im Trockenen gestapelt zu werden. Daran werden wir uns mal so richtig austoben und anschließend zusammen den gemütlich bollernden Ofen und Kerzenschein genießen.

Beim Räumen hier zuhause stieß ich vor ein paar Tagen wieder auf meinen persönlichen Weihnachtsengel (s. Foto) und freute mir mal wieder ein Loch in den Bauch. Ihr denkt, dieser Engel sieht vielleicht ein bisschen ungewöhnlich aus? Hmmm... das ist sein gutes Recht und diese Geschichte steckt dahinter:

Alljährlich überlegen bemühte Erzieherinnen im Kindergarten, welche Art Bastelwerk die Kleinen ihren Mamas und Papas wohl zu Weihnachten schenken könnten. Dann besorgen sie Material (besonders weihnachtlich ist selbstverständlich viel Glitzer und Glimmer und Gold und so...) und versammeln im Monat Dezember so nach und nach alle Kinder der Reihe nach am Basteltisch in der Gruppe, wo die Kleinen unter Anleitung und manchmal auch mit etwas Hilfe dann selbstgemachte Geschenke der (vorher von den Erwachsenen) ausgewählten Art herstellen. Nur, so manch einer hat aber so gar keine Lust...

1. zum Basteln im Allgemeinen, wenn die Lego-Ecke lockt

2. zum Basteln zu einem vorgegebenen Zeitpunkt

3. sich beim Basteln nach Vorgaben zu richten

4. sich beim Basteln dann auch noch auf die Finger gucken zu lassen

5. und dann auch noch tagelang zuhause ein Geheimnis draus zu machen

 

Und so kam es, dass ich vor Jahren am letzten Kindergartentag vor den Weihnachtsferien meinen Jüngsten vom KiGa abholte und er mir noch in der Türe einen Weihnachtsengel schenkte. Dieser hatte keine Goldlöckchen auf dem Kopf, keine Rückenfederchen und keinen Glitzer auf dem Kleidchen, sondern ein Holzfällerhemd, Halbglatze und Fünftagebart. Ausserdem einen total amüsierten Blick so aus den Augenwinkeln. Stolz erklärte mir mein Junior, er hätte angenommen, ich habe genausowenig wie er Lust auf doofe Engelchen, daher hätte er mir einen Weihnachtsräuber gebastelt. Eigentlich hätte er Gold und Glitzer und "so'n Kram" benutzen sollen, aber (im empörten Brustton der fünfjährigen Überzeugung) "sowas kann ein Räuber ja überhaupt nicht gebrauchen, dann ist er im Wald ja nicht getarnt und wird sofort gefangen. Ausserdem sieht das kitschig aus! Und wenn wir schon basteln müssen, dann will ich, dass Du Dich wenigstens richtig freust!"

Wie perfekt mich mein Söhnchen doch einschätzte ;) - ich habe mich so riesig gefreut über seinen Weihnachtsräuber und tue das jedes Mal wieder, wenn ich den Kerl da so sitzen sehe!

 

Wir wünschen Euch allen gemütliche Weihnachtstage, stresst Euch nicht, sondern genießt lieber das Zusammensein!

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Lernen unterwegs

Immer wieder werden wir gefragt, wie wir das denn hinkriegen, mit dem Lernen, unterwegs...

 

Nun, wir können es ja quasi gar nicht vermeiden, zu lernen. So sehr man sich auch bemüht, einfach mal nix zu tun - unser Lernen ist jeden Tag mit im Gepäck.

Ganz sicher kann das nicht mit dem Lernen in der Schule verglichen werden, ich weiss nicht wie ich es anders beschreiben soll: Es geschieht. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Es kommt darauf an, in welchen Momenten wir offen sind, neuen Erfahrungen zu begegnen und neue Dinge auszuprobieren.

 

Zunächst mal mussten wir als absolute Wohnmobil-I-Dötzchen lernen, wie das so ist, in einem rollenden Zuhause von ca. 12m² mit begrenzten Ressourcen zu leben. War nicht immer einfach, aber man gewöhnt sich... Wir haben ganz schnell gelernt, mit relativ wenig Wasser auszukommen, Zeit- und Streckenplanung an Ver- und Entsorgungsnotwendigkeiten anzupassen, so einzukaufen, dass man nicht unbedingt eine Lebensmittelkühlung benötigt, ausserdem 1000 Arten, einen vegetarischen Eintopf zu kochen. Wir haben gelernt, wie wenig (Klamotten, Kosmetika, Privatsphäre, auch Geldmittel) man eigentlich wirklich nur benötigt, wie wertvoll aber einige freie Minuten zum Krafttanken sein können, wie toll es ist, wenn auf engstem Raum plötzlich untereinander die total entspannte "Wohnmobilstimmung" entsteht, bei der häufig ein Lacher den nächsten jagt. Wir haben lernen müssen, von allzu strengen Planungen Abstand zu nehmen und eher spontan zu entscheiden. Das war zuerst ein bisschen ungewohnt und wir mussten durch eine kurze Phase der Verunsicherung durch, um dann die spontane Freiheit genießen zu können.

 

Es kam total auf Menschen und Orte an, denen wir begegneten, was wir dort erlebten und aufschnappten. Durch die FrancePassion-Stellplätze hatten wir die Möglichkeit, landwirtschaftliche Betriebe in Frankreich kennen zu lernen, die meisten Hofeigentümer nahmen sich Zeit, uns zu erklären, was und wie sie das erwirtschaften. Hatten wir häufig vorher noch nie von gehört...

So besuchten wir "Noisetterien", also Nuss-Plantagen (Wal- und Haselnuss), die Öle, Gebäck, Kosmetika herstellten und uns die einzelnen Arbeitsgänge und die alten Ölpressen erklärten und uns das köstliche Öl kosten liessen, Bisonzuchten, wo wir Einiges über die amerikanischen Bisons lernen und diese beeindruckenden Tiere von nahem bewundern konnten , einen Esskastanienbetrieb, dessen supernette Eigentümerin sich 1,5 Stunden Zeit nahm, uns in allen Einzelheiten zu erklären, wie die Kastanien geerntet und in vielen Arbeitsschritten verarbeitet werden. Sehr beeindruckend war dabei auch die große Halle, in der unzählige professionelle Gerätschaften zu diesem Zweck standen und die alte Kastanienmühle, die mittlerweile elektrisch, früher aber durch Wasserkraft betrieben wurde. Später erlebten wir dann eine ganz alternative Verarbeitung von Esskastanien zu rein privater Versorgung, auch diese Vergleichsmöglichkeit war spannend. Wir besuchten ein Weingut, wo wir mangels Konsum von Alkohol zwar nichts über Wein lernten, aber die anstrengende Erfahrung des Feuerlöschens machen konnten (darüber haben wir bereits berichtet). Eine von uns sogar zweimal besuchte FrancePassion-Stelle gehörte einem Schmied, der sich beim zweiten Besuch extra für Janko Zeit nahm, ihm einen Hammer in die Hand drückte und ihn eine knappe Stunde lang in die Anfänge des Schmiedens einwies.

 

Wir haben am Atlantik ein paar Miesmuscheln gesammelt, gekocht und gekostet, weil Jakob das gerne probieren wollte und die Fortbewegungsweise der grazilen durchscheinenden Garnelen in den Gezeitenpfützen sowie die verschiedensten Algenarten bestaunt.

Die Kinder haben mit meiner Schwägerin morgens Aufwach-Qigong ausprobiert, bei allen Verarbeitungs- und Konservierungsschritten der Esskastanie geholfen und nebenbei noch schnell etwas über Obstbaumveredelung, essbare Pilze und verschiedene Aspekte von Permakultur gehört, diverse spirituelle, politische und gesundheitliche Themen diskutiert und sich über den Bau von Hügelbeeten informiert.

Mia hat irgendwann zwischendurch mit null Ahnung eine problematische Aquarienpumpe für meine Schwester installiert, eine Anleitung fand sich nach einigen Recherchen über google. Sie hat mit Janko zusammen einen halben Tag lang bei der Installation der Solaranlage auf unserem Wohnmobil ordentlich geholfen und sich dabei das ein oder andere erklären lassen, sich ausserdem mit Videobearbeitung und Sounderstellung beschäftigt. Janko hat eineinhalb Tage lang mit seinem Cousin am Aufbau eines stabilen Holzgerüsts für ein Nebengebäude gearbeitet, eine Lichtung mit Motorsense freigeschnitten und begehbar gemacht und irgendwann zwischendurch noch flott eine Einweisung bekommen, den Geländewagen den Berg hoch zu fahren :) Jakob hat begeistert Boule gespielt, wie sich das in Frankreich gehört, wurde von Janko in die hohe Kunst des Straßenkarte-Lesens und Navigierens eingewiesen und hat zum Schluß fleissig Holz gehackt, obwohl er sonst nicht  wirklich für "das Landleben" zu begeistern ist.

 

Während der Zeiten im Wohnmobil, so ganz ohne Internet, kam bei den Kids immer wieder die kreative Ader zum Vorschein und es wurden - nachdem Jakob prustend einen Abend lang Joachim Ringelnatz vorgelesen hat - kürzere und längere Gedichte verfasst. Jakob nach seiner Vortragsreihe von Ringelnatz mit breitem Grinsen und leuchtenden Augen: "Ich versteh zwar fast kein Wort, aber ich find' das irgendwie geil!" :) Er hört leidenschaftlich gerne Battle Rap, auch das schlug sich in manchen Momenten in der Ruhe des Wohnmobils im Verfassen gewagter eigener Texte nieder.

Die Kids haben relativ viel gelesen - wir hatten viiiiel zu wenig Bücher dabei - und der ebook-Reader machte leider irgendwann schlapp. Janko hat auf der Reise Thoreau, "Walden" entdeckt, liest immer mal ein bisschen in "D1E KU5NT DES LGOI5CHEN DNKENS"  (ja, eben! ;-) )  und liest sehr viel englischsprachig im Internet. Er macht die ersten Versuche, auch auf Englisch zu schreiben, ein paar Kapitel sind so bereits entstanden, gerade gestern hat er in einem Team online daran gearbeitet, eine Web Novel, die mittels google-Übersetzer aus dem Südkoreanischen "übersetzt" wurde, in lesbares Englisch umzuschreiben. Mia hat den ersten Band einer englischen ScienceFiction-Serie gelesen, um ein bisschen ins Englische reinzukommen (die nächsten drei Bände warten schon), Stieg Larssons dreibändige Thrillerserie um Lisbeth Salander, Orson Scott Card: Enders Schatten, Hans-Josef Ortheil: Das Kind, das nicht fragte  u.a. Jakob hat ebenfalls Enders Schatten gelesen und sich jetzt Enders Game geschnappt, zwei "Hacker"-Bücher verschlungen (da ist der für ihn momentan absolut wichtige Bezug zu PC gegeben), auf dem ebook-Reader den Ringelnatz entdeckt und "Die Schatzinsel" (ein Buch, das seit Jahren hier zuhause im Regal steht, aber nie angerührt wurde...).

 

Wir haben abends am Lagerfeuer intuitives spontanes Musizieren mit Trommeln, Rasseln und Xylophon ausprobiert und Stock-Brot am Stock, auf dem Gitterrost und einfach auf einem heissen Stein gebacken, Mia fand sich an einem Instrumenten-Markstand, bei dem sie ein Cajón ausprobierte, unversehens in einer spontan anwachsenden  Musikergruppe wieder, die ein Weilchen miteinander trommelte.

 

Dies ist natürlich eine total lückenhafte Aufstellung an Erfahrungen und Erlebnissen, die wir machen durften, aber sie illustriert doch ganz schön, dass das Leben, das man lebt, nicht einfach ohne Spuren an einem vorbeizieht. Und diese vielfältigen Spuren, das ist Lernen :)

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Wieso eigentlich "Feel free to be free"?

Der Name unserer Webseite kam einfach irgendwann angeflogen :) - es kommt auf's "feeling" an, alles andere ergibt sich dann daraus...

 

Das Thema der selbstbestimmten Bildung war für mich zunächst ein echter, persönlicher Stolperstein: In die Schule muss man doch, das ist einfach so, ohne Bildung wirst Du nix, ohne Abschluß wird nix aus Dir... usw. usw. Irgendwie war es total selbstverständlich, dass Kinder und Jugendliche "da durch" müssen, musste ich ja auch. Ausserdem ist das in Deutschland Gesetz, da kann man nicht dran vorbei, das ist gut und richtig so.

Doch ich sah an meinen Kindern, dass irgendwas da nicht gut und richtig sein konnte...

Meinem jüngsten Sohn habe ich jahrelang versucht, zu erklären, die Schule, das sei "sein Job", da müsse er hin. Kreuzunglücklich fragte er mich vor Jahren, als er mal frei hatte und mich auf meine damalige Arbeitsstelle im offenen Treff einer Familienbildungsstätte begleiten durfte, wo es ein gemeinsames Frühstück gab, wie es sein könne, dass ich einen so tollen Job hätte und er einen so doofen (für den er noch nicht einmal Geld bekäme). Natürlich musste ich ihm eine Erklärung schuldig bleiben... Im Nachhinein bricht mir dabei fast das Herz: "Sohn, das ist Dein Job, Du hast keine Wahl."

Aber haben die Kinder wirklich keine Wahl? Nach deutschem Gesetz haben sie nicht das Recht, eine Wahl zu treffen, haben nicht das Recht, sich gegen etwas als Zwang und Unglück empfundenes zu entscheiden, haben keinesfalls das Recht, "NEIN" zu sagen.

Es hat lange gedauert, bis mir diese Ungerechtigkeit so richtig bewusst wurde, aber als es dann soweit war, war es, als brächen alle Dämme. - Wer setzt sich freiwillig einer Situation aus, die unzufrieden macht, die krank macht? Erwachsene können Situationen verändern, die ihnen nicht passen, aber Kinder sollen nicht das Recht darauf haben? Und das bestimmt der Staat?

"Feel free to be free" - wenn man erkennt, dass man selbst die höchste Gestaltungsvollmacht für sein Leben hat, dann ändern auch Gesetze nichts an der Grundeinstellung, dass man, dass jeder in erster Linie eines ist: Ein freier Mensch. Dann kann man suchen und stöbern und graben, bis man einen Weg findet, sich aus der Zwangslage zu befreien. Aber erst muss es im eigenen Kopf "Klick" gemacht haben, muss die Automatik der Programmierung, die man im Laufe des eigenen Lebens durchlaufen hat, aufgelöst werden.

 

Auf dem Weg, einen für uns passenden Weg zu finden, war mir meine Krankheit, eine chronische Borreliose, erst kurz zuvor erkannt, ein weiteres Hindernis. Wie sollte ich fähig sein, wochen- und monatelang ein Wohnmobil zu fahren, die Reisestrapazen zu überstehen, Kinder und Hunde dabei zu versorgen und den Kindern dabei möglichst noch neue Eindrücke zukommen zu lassen? Mein Alltag wurde zu diesem Zeitpunkt von Fatiguesyndrom, Sehstörungen, starken Schmerzen, Koordinationsstörungen in den Beinen u.v.m. bestimmt und sah so aus, dass ich mitunter nicht fähig war, zu laufen, Auto zu fahren, zusammenhängend zu sprechen, gelesene Texte zu verstehen und den größten Teil des Tages erschöpft auf dem Sofa liegend verbrachte.

Es erschien nahezu unmöglich, ein paar Monate später den Zustand soweit verbessert zu haben, dass unsere Pläne möglich sein würden. Ich wartete sehnlichst auf Erfolge der intensiven Antibiose und recherchierte und plante in der Zeit einfach stur weiter, in Richtung Wohnmobilreisen und in Richtung alternative Behandlungsmethoden. Allmählich stellten sich erste gesundheitliche Verbesserungen ein. Und wir konnten die Tour tatsächlich fahren, auch wenn es zeitweise unglaublich anstrengend war, aber es war MÖGLICH.

"Feel free to be free" - nicht immer sind die Ausgangsdaten optimal, dennoch kann man immer noch etwas draus machen. Wichtig ist, stets nach Wegen zu suchen, selbst wenn sie abwegig erscheinen, sich nicht mit einer Sackgasse zufrieden zu geben.

 

Ich bin sicher, dass noch viele weitere Hindernisse auf uns warten, momentan z.B. ein kaputtes Wohnmobil und eine Hundeschar, die diese Art zu Reisen ein bisschen zu einem Spießrutenlauf gemacht hat, was für alle Beteiligten stressig war. Das sind beides Herausforderungen, die ich momentan gedanklich bearbeite. Ich weiß noch nicht, wohin das führen wird, bin aber zuversichtlich, dass sich irgendwie eine Lösung finden wird.

 

"Feel free to be free" drückt aus, dass in erster Linie Grenzen und Hindernisse im eigenen Kopf zu überwinden sind. Wirst du dir dessen bewusst, dass tatsächlich immer vielleicht völlig ungeahnte Möglichkeiten existieren, als die, die man dir als einzig existent glauben machen will, als die, die allgemein verbreitet sind, erst dann kannst du beginnen, wirklich deine Träume und Möglichkeiten zu leben und nicht lediglich die Erwartungshaltung Dritter/der Gesellschaft.

Es liegt an dir selbst, deine Möglichkeiten zur inneren und äußeren Entfaltung zu erforschen, zu erkennen und zu leben. Mit dieser inneren Einstellung können die allermeisten Hindernisse überwunden und persönliche Wege beschritten werden.

"Fühl dich frei, frei zu sein" - eine Einladung, Programmierungen zu überwinden und voller Staunen und Entdeckergeist in den riesigen Pool deiner Möglichkeiten einzutauchen.

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Furioses Ende unserer ersten Wohnmobiltour

Wieder zuhauseeee!!! - In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kamen wir nach 14stündiger Hammerfahrt mit nur zwei Pausen wieder zuhause an. Allerdings ohne unser Wohnmobil, das demnächst durch den Transporteur unserer Versicherung zurücktransportiert wird...

 

Was war geschehen?

 

Samstagsnachmittags brachen wir von "Ramonette" auf, um in gemächlichem Wohnmobiltempo (aber mit dem Vorsatz, richtig "Strecke zu machen") gen Heimat zu fahren. Eine Stippvisite am Mittelmeer sollte noch drin sein und ansonsten verlangte es uns allmählich echt wieder nach unserem Zuhause. Da wir Autobahnen komplett meiden und auf den meist sehr hundekompatiblen FrancePassion-Stellplätzen auf dem Lande übernachten wollten, rechneten wir uns eine ungefähre Rückreisedauer von einer Woche aus.

Nach einem Rundumeinkauf in Couiza und einem gemütlichen letzten Aufenthalt am See von Arques brachen wir sonntagsmorgens auf, um eine tolle Strecke durch die Hügel der Corbières Richtung Narbonne zu fahren ("Cool, Mama, du hast schon mehr als fünf Follower!" ;) ) , dann weiter nach Valras-Plage, wo wir schnell genug vom Meer bekamen, weil an den Stränden, anders als in der Normandie, ein ganzjähriges Hundeverbot herrscht und es ohnehin relativ voll war (die Franzosen hatten gerade Herbstferien). Nix für uns, so sind wir weiter auf unseren Stellplatz bei einem ehemaligen Winzer, der nun aus Altersgründen nur mehr für den Privatverbrauch produziert.  Da man am Hof selber nicht spazieren gehen konnte und uns die Besitzerin des Hofes eindringlich warnte, einfach so durch die Gegend zu laufen, da Jagdsaison sei und jedes Jahr Menschen durch Schüsse verletzt würden, fuhren wir am nächsten Morgen früh ein paar hundert Meter vom Hof runter auf eine einsame Schotterstraße, die wir schon abends entdeckt hatten. Hier konnte man schön mit den Hunden laufen und hinter einer Wegbiegung entdeckten wir unversehens den canal du midi mit interessanten, am Ufer vertäuten Hausbooten. Grünpflanzen, Wäscheleinen, Fahrräder, Grillecke - alles hatte auf den Schiffchen seinen Platz. Nice :) Die Kinder verglichen gleich Komfort und Platzangebot vom Reisen auf dem Wasser mit dem Reisen unter'm Alkoven :)

 

Wir wollen nach unserer Hundetour wohlgelaunt losfahren, kommen aber nur 10 Meter weit, weil mitten im Wendemanöver plötzlich der Schalthebel komplett blockiert. Nix zu machen, ich rufe die Versicherung an und wir warten auf den Pannendienst. Die Laune ist rapide gesunken, ab heute wollten wir eigentlich "Strecke machen"... Damit wird es noch etwas dauern, wie wir im Laufe des Tages feststellen müssen. Der Monsieur von der "Depannage" wiegt bedenklich den Kopf, als er unser altes Möhrchen so querstehen sieht, mit viel Hin und Her des Abschlepphakens schleift er es in halbwegs gerade Richtung, trotzdem dauert es ca. 1,5 Stunden, bis wir auf den Abschleppwagen gezogen und sicher vertäut sind. Die Hunde üben sich vereint im Streßhecheln, beruhigen sich wieder ein bisschen, als wir endlich waagrecht auf dem Abschleppwagen stehen. Die Fahrt geht los, sehr "doucement", wie uns der wortkarge Monsieur versichert, es ist eigentlich ganz entspannt, mal so hoch oben und ansonsten tatenlos durch die Landschaft zu fahren - wäre da nicht der nagende Gedanke, was nun wird mit unserem alten Schätzken. Und was nun wird aus unserer Heimreise...

Wir werden nach Agde geschleppt und in den ziemlich vollgestellten Hof einer Werkstatt im augenscheinlich sehr orientalisch geprägten Industriegebiet gefahren. Unter uns beuteln mehrere gutgelaunte Rottweilermischlinge Altreifen und laufen hin und wieder mal hoch aufgerichtet auf die enge Straße, um den Verkehr zu kontrollieren. Eine ganze Kohorte junger Männer wuselt auf dem Hof umher und unser nicht gerade redseliger Chauffeur bedeutet mir, dass sich bald jemand melden würde,  er ginge jetzt mal essen.

Ach ja, stimmt, es ist schon nach 12 Uhr, Mittagspause in Frankreich, die ist heilig. Etwas später kommt ein anderer Herr mit einer Aluleiter auf unser Fahrerhaus zu und sagt, wir könnten jetzt absteigen. Haha, sehr lustig! - Ich habe noch immer die kernigen Rottweiler im Blick und radebreche ihm zu, dass wir keine Lust hätten, abzusteigen, zumal unsere vier Hunde akrobatisch nicht geübt seien. "Oh lala, quatre chiens..." meint Monsieur kopfschüttelnd und die Leiter wird wieder weggebracht.

Wir stehen noch ein ganzes Weilchen so rum, dann steigt ein weiterer Herr wortlos in den Abschleppwagen und fährt los. Ich stelle fest, dass Reden wohl ganz allgemein in diesem Unternehmen nicht so sehr verbreitet ist, aber da wir uns eh nicht wehren können, lassen wir uns einfach überraschen. Es geht durch ein Wirrwarr an kleinen Sträßchen im Industriegebiet und wir blockieren als nächstes den Bürgersteig gegenüber einer Fiat-Werkstatt - immerhin, die ganze Unternehmung bewegt sich anscheinend nach und nach in die richtige Richtung. Bedauernd wirft der Fahrer einen Blick auf die Werkstatt, dann auf seine Uhr, ein Kleinwagen hält neben uns, er steigt ein und weg sind sie. Wahrscheinlich Mittagessen...

Unsere Hunde bekommen alle erstmal Wasser verabreicht, so gut das in der Enge des schief stehenden Wohnmobils möglich ist. Zum Glück waren wir morgens recht ausgiebig Gassi, aber so allmählich tun sie mir schon etwas leid. Zumindest langweilig wird ihnen aber nicht, denn wie wir von unserer erhöhten Position aus prima sehen können, wacht ein staubiger Schäferhund über den Hof an unserer Seite, so dass man sich angeregt über längere Zeit austauschen kann.

Als gegen 14 Uhr dann die Mittagspause allerseits beendet ist, kommen einer unserer Fahrer mit einem Herrn von der Fiatwerkstatt näher, beide schauen unter's Wohnmobil, beide richten sich wieder auf. "Aha!" denke ich zuversichtlich, "Jetzt wird man uns endlich mitteilen, was los ist und wie es weitergehen wird."

Zu früh gefreut, denn beide sind schon wieder weg, queren, angeregt ins Gespräch vertieft, den Werkstatthof (eine große Beruhigung für mich: Südfranzösische Pannenhelfer KÖNNEN sprechen! Sie tun es aber anscheinend nur mit ausgewählten Personen...)

Da erklimmt, von uns zunächst unbemerkt, unser erster Chauffeur wieder den Depannage-Wagen, wir werden aufmerksam, als wir uns in Bewegung setzen, wieder durch ein Straßengewirr im Industriegebiet gefahren werden und vor dem Büro des Abschleppdienstes abgestellt werden. Unser Fahrer bedeutet mir auszusteigen und meint, da wäre "une dame qui parle allemand".

Schön, das ist hilfreich, ich erfahre auch endlich von ihr, dass irgendwas am Getriebe kaputt sei, aber reparabel, nur in Frankreich viel teurer als in Deutschland und es würde mindestens eine Woche dauern. Hmm, das geht natürlich schlecht, mit den Hunden eine Woche irgendwo ausharren. Ich melde mich wieder bei der Versicherung, die einige Rückfragen hat, bis dann geklärt ist, dass das Wohnmobil dank unseres Schutzbriefs zurücktransportiert werden kann und wir einen Mietwagen bekommen sollen für die Heimreise nach D. Leider stellt sich in den folgenden Telefonaten heraus, dass in weitem Umkreis kein Mietwagen, in den wir alle reinpassen würden, zur Verfügung steht und wir mindestens eine Nacht irgendwo schlafen müssen. Ich frage an, ob wir auf dem Parkplatz der Pannenhilfe, die das WoMo bis zur Abholung lagern würden, schlafen dürften, das geht leider aus versicherungstechnischen Gründen nicht. Ich frage weiter, ob sie uns irgendwo an den Straßenrand stellen können, damit wir die Hunde rauslassen können, dann würden wir einfach dort im Wohnmobil schlafen. Die wirklich sehr rührend um uns besorgte Damequiparleallemand meint, es sei viel zu gefährlich hier, hier wäre ja nachts niemand, sie würden uns dann in eine Straße bringen, wo ein bisschen mehr los sei... Und schwupps, schon werden wir wieder umhergefahren - und landen wieder an der Werkstatt mit den stattlichen Rottweilerbuben. HIER sollen wir übernachten? Eine belebte Straße, keine Möglichkeit, in Ruhe mit den Hunden zu gehen. Ich bedeute dem Fahrer, dass das auf keinen Fall geht, die einsame Straße wäre uns so viel lieber. Sie diskutieren hin und diskutieren her, schließlich werden wir gegen 17.30 Uhr wieder zurückgebracht in die vorherige Straße, dort gibt es ein beruhigend sirrendes Umspannungswerk und die Böschung einer etwas erhöht liegenden Schnellstraße - dazwischen werden wir abgestellt.

Also - nicht dass wir uns falsch verstehen - wir werden samt Abschleppwagen abgestellt, runterlassen könne er uns leider nicht, meint der Fahrer... Nun, mittlerweile sind wir seit gut sechs Stunden in unserem Fahrzeug eingesperrt und eigentlich ist uns nun alles mehr oder weniger egal. Werden wir die Hunde halt der Reihe nach runter- und hochheben, Hauptsache, sie können jetzt endlich mal aus dem Wagen. Mit einem freundlichen und sicherlich gut gemeintem "Bonne soirèe!" verabschiedet sich der Monsieur in seinen wohlverdienten Feierabend.

Mittels eines Feldweges an der Schnellstraßenböschung können wir endlich die Hunde "leeren" und finden es in erster Linie prima, dass sich zunächst mal eine Lösung gefunden hat. Die Hunde finden es auch prima, dass sie, anstatt mit ortsansässigen stattlichen Rüden konfrontiert zu werden, Häschengeruch im ruhigen Feldweg aufstöbern dürfen. Die Mietwagenfrage ist damit jedoch noch nicht geklärt, die Kinder diskutieren und meinen, mit etwas Sinn für's Wesentliche könnten wir uns sicherlich alle in ein pologroßes Auto quetschen - sie wollen nur noch nach Hause, nach diesem Tag kann ich das gut verstehen.

Nach einer schiefestehenden und halbwegs durchwachten Nacht schlage ich das also unserer netten Versicherungsmitarbeiterin vor, sie meinte, das ginge aus versicherungstechnischen Gründen auf keinen Fall, sie würde sich aber direkt nochmal erkundigen, ob vll. überraschend ein passender Wagen reingekommen sei. Ihr Rückruf bestätigt allerdings, was wir schon ahnten ("Wollen Sie zuerst die schlechte Nachricht hören?") - es gibt keinen passenden Wagen für uns in Frankreich. Jedoch hat sie eine wunderbare zweite Nachricht für uns - es könnte ein VW T5 Caravelle aus Stuttgart losgeschickt werden, wir müssten dann aber etwas zuzahlen. Das ist es uns allemale wert - Jakob hatte schon überlegt, dass wir einfach zu Fuß loslaufen könnten und ob wir dann wohl Weihnachten in Deutschland wären.

Wir müssen allerdings noch eine Nacht übernachten, und ich habe keine Ahnung, ob der Abschleppdienst vielleicht seinen Wagen ganz gerne mal wieder zur Verfügung hätte... Ich mache mich also auf den Weg zum Büro, das liegt in Sichtweite, und frage bei der supernetten Damequiparleallemand nach. Diese ist zunächst wirklich total erleichtert, dass wir die Nacht gut überstanden haben und alle noch leben und spricht dann mit ihrem Chef ab, dass wir noch eine weitere Nacht auf dem Abschleppwagen stehen dürfen, der würde im Moment eh nicht gebraucht. Es stellt sich in unserem weiteren Gespräch heraus, dass ihr Vater aus Aachen kam und sie die Stadt mehrfach besuchte, so dass sie uns irgendwie gleich "adoptiert" hat :)

Wir lassen uns den Weg zum nächsten Supermarkt beschreiben und marschieren zu dritt dort hin, an der Schnellstraße entlang, Janko bleibt bei den Hunden im Wohnmobil. Ein Regenguß schafft es zwar, die Baguettes aufzuweichen, aber nicht, unsere wieder erwachte gute Stimmung abzutöten. Den regnerischen Tag verbringen wir mit verschiedenen Gesellschaftsspielen - endlich ist auch dafür mal Zeit - und damit, die Hunde zum Gassi vom Abschlepper runter- und anschließend wieder hochzuheben. Anschließend sind wir damit beschäftigt, Zecken aus unseren Hosenbeinen zu klopfen, die gibt's hier zuhauf, genauso wie Mücken. Die Hunde sind durch ihre Halsbänder geschützt, da versuchen's diese Plagegeister lieber bei uns. Aber egal... bald sind wir zuhause.

Nach einer weiteren schiefen Nacht mit wenig Schlaf und einem schnellen Frühstück bereiten wir im Wohnmobil alles vor, damit wir nach Ankunft unseres Ersatzwagens schnellstmöglich abfahren können. Die Hunde werden nochmal gut bewegt, sie spüren unsere Unruhe und sind etwas nervös, dafür schlafen sie später auf der Fahrt tief und fest und sind sehr brav. Gegen 11.45 Uhr am Mittwochmorgen verabschieden wir uns ohne Bedauern aus dem Industriegebiet von Agde und sausen in der luxuriös anmutenden Automatik-Caravelle los - nix wie nach Hause.

Hier ist nun erst einmal Erholung von den Strapazen angesagt; wie sehr diese Abschlußaktion uns zusätzlich gestresst hat, merken wir noch Tage später - die Luft ist einfach komplett raus...

 

Ich warte bange gespannt auf Ankunft unseres alten Möhrchens, in der Hoffnung, dass der Schaden reparabel und nicht unbezahlbar sein wird.

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Winterholz im Sonnenwetter

Wir haben von zuhause gehört, in Deutschland sei es richtig ekliges Wetter zur Zeit, deshalb posten wir hier für alle Sonnenhungrigen mal ein paar Fotos, wie es bei uns in den letzten zwei, drei Tagen so aussah. Tankt einfach ein bisschen Sonne durch die Augen - gratis und umsonst:)


Die Nächte sind hier zwar z.T. sch...kalt, so dass ich als nächtliche Wohnmobil- und Hundehüterin mittlerweile mit Hund unter meiner Decke schlafe, da unsere windhundartige Hündin Noly mit ihrem kurzen Fell mit der Kälte gar nicht klarkommt, mit der Bettwärme jedoch so gut, dass ich mitunter von ihren seligen Schnarchgeräuschen wach werde. Die anderen dreie haben da kein Problem mit, sicherheitshalber bekommen sie von mir abends eine Decke übergelegt, die sie sich aber im Laufe der Nacht abstrampeln. Die Kinder schlafen alle im Haus, da nutzen sie gerne ein bisschen Luxus ;).

Tagsüber haben wir häufig echtes Götterwetter, die Sonne hat noch richtig Kraft, da merkt man dann, dass wir gen Süden gefahren sind.


In den letzten Tagen war hier Winterholz-Sammeln angesagt, es ist gut, wenn das drinnen ist, bevor der Novemberregen einsetzt. Bei der Gelegenheit fing Janko dann gleich an, ein Stück Land, auf dem im kommenden Jahr Feigenbäume gepflanzt werden sollen, von Dornenranken und piksigen Weißdornbüschchen freizuschneiden. Zunächst musste er sich an den ungewohnten Gebrauch der lärmenden Diesel-Sense gewöhnen, als er jedoch den Erfolg seiner Arbeit sah, war er kaum zu bremsen, und es wurden bis in den späten Abend hinein Pflanz-Projekte geplant.

Die Esel beäugten uns bei dieser Aktion und warteten geduldig, bis sie ihre Ration Äpfel bekamen.

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"La Ramonette" - unsere wunderbar inspirierende Station in Südfrankreich

Wir sind vor 10 Tagen angekommen auf "La Ramonette", dem Hof unserer Schwägerin und Tante  in den Corbières, Südfrankreich. Sind dann vorher doch nicht mehr nach Spanien reingefahren und auch nicht an die französische Mittelmeerküste, wie wir uns eigentlich überlegt hatten, sondern haben spontan entschieden, die Fahrerei etwas zu minimieren und haben drei ruhige Tage und Nächte an einem kleinen See hier in der Nähe verbracht. Es ist einfach oftmals stressig, jeden Tag auf's Neue aufzubrechen, Strecke zu machen, zwischendurch Wasser- und restl. Versorgung zu erledigen, Wege für Hundespaziergänge zu finden und sich am neuen Ort dann wieder einzurichten. Da wir einen ruhigen, geschützten Stellplatz am kleinen See von Arques gefunden hatten, wo wir niemanden und wo uns niemand störte und man prima mit den Hunden laufen konnte, sind wir dann einfach geblieben. Am ersten Tag war das Wetter so schön, dass wir im See schwimmen konnten, eine Wohltat nach zehn Tagen Fahrt mit, tja, sagen wir, rudimentären hygienischen Verhältnissen. Ordentlich Regen haben wir dort auch mitbekommen und das genutzt, um Abrechnungen zu aktualisieren, zu lesen, hemmungslos zu chillen und nach den Regengüssen schöne Hundespaziergänge zwischen in den Hügelkuppen hängenden Nebelfeldern zu machen - eine ganz besondere Atmosphäre.

 

Wir freuten uns riesig, anschliessend auf "La Ramonette" anzukommen, wo wir früher schon schöne Urlaube verbringen durften. Unser Wohnmobil steht nun in Schräglage auf einem kleinen Platz, den wir auch gleich für die Hunde einzäunen durften. Dementsprechend schlafe ich nun bergauf - auch eine Erfahrung (die mir im Übrigen ganz recht geschieht, da ich zuhause im Campingbedarfshop großmäulig meinte, Ausgleichskeile seien nun wirklich eine verzichtbare finanzielle Ausgabe... Das sehe ich übrigens immer noch so :) ).

Dieses Mal steht unser Aufenthalt nicht so sehr im Zeichen des Urlaubs (denn wir haben ja jetzt Dauerurlaub :) ). Wir kamen nämlich rechtzeitig zu Beginn der Maronenernte  und -verarbeitung an, sind in den ersten zwei/drei Tagen weitläufig durch die Wälder gestreift und haben kiloweise Eßkastanien gesammelt, die anschliessend mittels einer aus einer Waschmaschinentrommel und Motor selbstgebauten Schälmaschine und Flammenwerfer geröstet und geschält werden und anschliessend manuell von Schalenresten gereinigt und zerkleinert werden müssen, so dass sie in der Trockenveranda getrocknet werden können. Die etwas fisselige Arbeit wird durch den köstlichen Geruch gerösteter Maronen, das Naschen zwischendurch und die Möglichkeit für ausgedehnte Gespräche bei der gemeinsamen Arbeit versüßt.

Es ist so bereichernd, zu erleben, in welcher Fülle einen die Natur mit ihren Gaben beschenkt und hier erlebt man jeden Tag auf's Neue, wie vielfältig man diese nutzen kann. Esskastanien kann man für so Vieles verwenden, ich kannte sie von früher höchstens aus einer Gänsebratenfüllung oder geröstet vom Weihnachtsmarkt. Hier machen sie momentan einen guten Teil der täglichen Nahrungsmittelaufnahme auf, ob als Paste mit Äpfeln und Gewürzen, als Brotaufstrich, roh, geröstet, gekocht, als Kastanienmehl in Omeletts oder Suppen und Saucen, auch "Kastanienmilch" haben wir probiert. Maronen sind sehr nahrhaft und enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe. Mia ergoogelte insbesondere Vit. E und die Vitamine B sowie Magnesium.

 

Die Umgebung hier ist landschaftlich wunderschön, abwechslungsreich, auch von der Bevölkerung her abwechslungsreich, denn vor mehr als 30 Jahren zog die Gegend hier viele Menschen aus allen möglichen Ländern an, die dem Konsum- und Leistungswahn entfliehen wollten, und da die Einwohner allmählich "ausstarben", war vielerorts Land preiswert zu haben. Dies ist heute leider nicht mehr der Fall, aber hier lebt und wirkt nun eine bunte Mischung an Selbstversorgern, Künstlern, Handwerkern, Idealisten und weiteren interessanten Personen und Persönlichkeiten, die die Gegend prägen und uns inspirieren. Hier wird so viel wie möglich selbst gemacht, man lebt ein ländliches Leben mit und in der Natur, mit wenig Geld und viel Arbeit, aber mit Energie und Kreativität und großem Interesse an persönlicher Entwicklung.

"La Ramonette", einstmals als im Wald gelegene Bruchsteinruine einer alten Scheune ohne Dach erstanden, verändert und entwickelt sich seit mehr als 30 Jahren und zeugt für mich persönlich bei jedem meiner Besuche erneut vom Wert eines alternativen Lebens ganz nahe am "Sein". Hier ein paar Eindrücke:

Neben der Arbeit bleibt auch Zeit für Aktivitäten wie schönen Spaziergängen, Schwimmen in Thermalwasser, einer Übernachtung in einer Grotte im Wald mit Lagerfeuerchen, Wanderungen durch ausgetrocknete Bachbetten mit Klettereinheiten, dem Besuch von Märkten in der Umgebung, einer Eselwanderung heute morgen - na gut, die war eigentlich nicht geplant. Die drei Esel Dany Balthasar, Chicotte und Valentin waren ausgebüxt und morgens im nächsten Dorf angekommen, von wo wir sie dann zwei Stunden über Höhenwege mit wunderschöner Aussicht wieder zurückführen durften. Ich war danach total platt, hatte keine Kraft mehr, die An- und Abstiege waren doch etwas viel so auf nüchternen Magen. Aber dies führte immerhin dazu, dass ich Lust bekam, endlich im Blog etwas zu berichten von hier. Viele fragen schon nach: Was macht Ihr so? Wie geht es Euch? Wann gibt's etwas Neues zu lesen von Euch?

Meine Lust, mich an den Laptop zu setzen, hielt sich bislang hier ziemlich in Grenzen - es ist einfach nicht der Ort und die Zeit, also: Für mich nicht der Ort und die Zeit, um sich hinter'm Bildschirm zu vergraben (die Kids sehen das z.T. gewaltig anders, was des Öfteren zu Kontroversen führt ;) ).

Aber es gibt hier so viel zu erleben, so viel in sich aufzusaugen, ich bin da, wo ich am liebsten bin: Mitten in der Natur (mit allen Annehmlichkeiten eines festen, dazu noch sehr idyllischen Daches über dem Kopf). Da passt der Laptop nicht so wirklich dazu. Bis vor ein paar Jahren gab es hier auf Ramonette nicht mal eine Internetverbindung, einen Fernseher gibt es sowieso nicht, das ist für mich allerdings keine Umstellung, da ich seit 20 Jahren ohne Flimmerkiste ganz prima überlebe :) . So ist Zeit für viele inspirierende Gespräche und Diskussionen, die diesem Aufenthalt eine ganz spezielle Würze geben,  vielleicht auch Prozesse und Entwicklungen anstossen - das ist für mich so wertvoll, dass ich die Atmosphäre bislang nicht durch die schnöde Technik entweihen wollte. Doch heute mittag, mit wackeligen Eselwanderungs-Beinen und endlich dem ersten späten Kaffee im Bauch, habe ich Lust bekommen, ein bisschen zu berichten und Euch teilhaben zu lassen.



Baden in Thermalwasser am "Plouff"

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Ab jetzt ohne uns - Bildungs-Unfreiheit in einer Demokratie

Es hat tatsächlich einige Anstöße meines Ältesten und einige externe inspirierende Vorbilder gebraucht, bevor ich fähig wurde, mich und in der Folge auch unsere Familie als freie, frei zu bildende Wesen zu betrachten. Zum Glück scheint Janko viel selbständiger denken zu können!

Erst im Nachhinein geht mir auf, als wie selbstverständlich ich die verpflichtende (Bildungs-)Unfreiheit in Deutschland hingenommen habe, von selbst nicht darauf gekommen wäre, dass es auch anders gehen könnte.

Dabei hatten wir schon ein gerüttelt Maß an Unglücklichsein, zunehmenden psychosomatischen Beschwerden unseres Jüngsten und zahlreiche Beschwerden von Lehrerseiten hinter uns (zusätzlich dazu den in einem von einigen Elterngesprächen sanft hingeworfenen Hinweis des Stufenleiters, dass ohne Verhaltensänderung es wohl auf einen Schulverweis hinauslaufen würde und daher dringendst eine ärztliche Untersuchung anzustreben sei). Eine (von unserem Jüngsten ausdrücklich gewünschte, weil bereits zu allseitiger Zufriedenheit erfolgreich erprobte) Platzierung an einem Einzeltisch wurde abgelehnt mit dem Argument, eine wichtige Aufgabe der Schule sei es, eine Gruppenkompatibilität herzustellen.

Wenn ich überlege, in welch lähmender Hilflosigkeit mich diese Gespräche zurückließen und mit welchem Magengrummeln, bin ich heute echt sauer auf mich selbst, nicht viel früher und nicht von selbst nach anderen Auswegen gesucht zu haben. Aber die Ja-Sager-Mentalität, die erlernte Obrigkeitshörigkeit steckte wohl zu tief drin, und ich bin meinem Ältesten sehr dankbar, dass er mich da ein bisschen rausgerüttelt hat.


Wie kann es sein, dass unter allen Umständen der Fehler bei einem Individuum zu suchen (und "optimalerweise" auch zu finden) ist und nicht ansatzweise daran gedacht wird, dass das Umfeld vielleicht einfach nicht passen könnte? In der deutschen Zwangsbeschulung findet man hierin natürlich die Basis, denn die deutschen Gesetze verlangen geradezu, dass gleich gemacht wird, was nicht gleich ist, dass zwangsweise passend gemacht wird, was vielleicht einfach nicht zueinander passt. Angepasstheit und der Norm entsprechend handeln wird als großer Vorteil und anstrebenswertes Ziel angesehen. Unangepasstheit hat darin keinen Platz, ja wird geradezu zum Ärgernis, weil sie einen nicht zu verleugnenden Störfaktor darstellt im Rahmen von Lehr- und Lernplänen, Verknappung von Ressourcen, Schulzeitverkürzung und Klassengrößeaufstockung. Da muss natürlich, soll das Ganze als Ganzes funktionieren, alles flüssig laufen, wird notfalls mehr oder weniger subtil mit entsprechendem Druck gearbeitet.


"Homeschooling", das war mir lediglich aufgrund von Berichten über Australien und Kanada ein Begriff. Klar, dort, wo Entfernungen zu Schulen womöglich mehrere hundert Kilometer betragen, muss es Internate oder aber die Möglichkeit geben, zu Hause zu lernen.  Bei uns in Deutschland ist das ja gar nicht notwendig. 

Bei uns in Deutschland ist das aber auch gar nicht möglich... Selbst wenn Eltern aus welchen Gründen auch immer selbst für die Bildung ihrer Kinder sorgen möchten, dürfen sie das in Deutschland nicht. Die staatliche Kontrolle  - offiziell: Die staatliche Verantwortung - wird um ein Vielfaches höher gewichtet als die elterliche Verantwortung und das elterliche Recht, so dass Eltern ihre Kinder zwangsweise in das deutsche Beschulungs-System einführen müssen. Dies geschieht in einer Demokratie. In einer Demokratie, deren Nachbarländer zu einem großen Teil andere  Bildungsmöglichkeiten teils mit teils ohne staatliche Auflagen garantieren. In einer Demokratie, in deren Grundgesetz (Art. 6) es heißt: "(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft."

Bitte - man lege nun einmal das "natürliche Recht der Eltern" auf die eine und die (Über)Wachung durch die staatliche Gemeinschaft auf die andere Waagschale. Und schwupps ist das natürliche Recht der Eltern hoch hinaus katapultiert, irgendwo ganz weit aus jedermanns Blickfeld...

Deutschland bedarf hier wirklich extrem dringend einer Nachbesserung, der Einführung einer wirklich freien Wahlmöglichkeit für Eltern und Kinder.

Es ist nicht zu erwarten, dass sämtliche staatliche Schulen dann schließen müssten, für viele Eltern und Kinder stellt die staatliche Beschulung eine Bildungs-Möglichkeit dar, die überdies noch eine zeitlich großzügige Betreuung der Kinder gewährleistet.

Aber wenn sich Kinder und Eltern gemeinsam entscheiden, einen anderen Weg gehen zu wollen, müsste dies in einem Land wie Deutschland möglich sein.


Da ich und mein Mann es nicht auf einen unter Umständen ausartenden und zermürbenden Kleinkrieg mit Behörden anlegen wollten und ich so etwas für uns nicht für eine geeignete Entwicklungsatmosphäre für die Kinder halte, sah ich erst einmal keine andere Lösung, als zunächst unser Zuhause in Deutschland zu verlassen. Ein Schritt, der nicht leicht fiel, blieben der Papa, einige Freunde, meine berufliche Perspektive und viele Annehmlichkeiten doch zuhause zurück. Wir befinden uns noch ganz in den Anfängen unseres Weges einer freien Bildung und diskutieren doch schon fleißig, wie es weitergehen kann.

Das Reisen im Wohnmobil ist eine Erfahrung, aber wird für uns keine Dauerlösung sein, schon wegen der Hunde, die einen festen Standort mit mehr Platz benötigen. Mia stellte in den ersten drei Fahrtwochen fest, dass es sich für sie anfühlt wie "auf der Flucht zu sein" (was es ja gewissermaßen auch ist, aber womit man natürlich nicht befriedigend ein Leben füllen kann), die Abhängigkeit von engmaschiger Wasserversorgung (und vor allem Fäkaltankentleerung) machte uns als WoMo-Anfängern da am meisten zu schaffen, auch das Gefühl von Mia und mir, irgendwie nicht "produktiv" zu sein bei all der Fahrerei. Wir werden sehen, wie es weitergeht, vielleicht ist die Kombination von Reisen und festen Orten zum Auftanken eine Möglichkeit, vielleicht ein Grundstück mit Ruine zwecks Wiederaufbau und Selbstversorgung, wir diskutieren und überlegen viel gemeinsam. Nach einer Reise-Pause von drei Wochen bei meiner Schwester in der Touraine werden wir morgen wieder aufbrechen für voraussichtlich noch einmal drei Wochen Fahrt (Schlenker nach Spanien rein ist geplant, Mia und ich haben hier begonnen, Spanisch zu lernen) bis wir dann eine Erntehelfer-Pause bei meiner Schwägerin in den Corbières einlegen werden, wo es seit diesem Jahr auch zwei kleine Freilerner gibt. :) 


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Manchmal braucht es Weichen im Leben...

... um eine Abfahrt nehmen zu können. Ein kleiner Hinweis des Schicksals reicht nicht immer, besonders wenn man gewohnt ist, sich in vorgegebenen Bahnen zu bewegen und die Vorstellung dessen, was möglich sein könnte, auch gar nicht weiter reicht als bis an den Rand der Trasse. Manchmal müssen dann eine oder gar mehrere Weichen im Leben her, am besten aus massivem Stahl ;) 

 

Bei uns gab es in den letzten 12 Monaten enorm viele Entwicklungen in der Familie, die jede für sich genommen, sehr intensiv waren, teilweise so intensiv, dass sie eine Auszeit erzwangen und ich dachte: "Das schaffen wir nie!" Und immer kam noch eins drauf und immer ging es irgendwie doch. Immer ein Stückchen weiter, wenn auch manchmal in eine völlig unvorhergesehene Richtung. Und da sind wir jetzt gerade :) .

 

Nachdem ich im Sommer 2014  endlich dazu gekommen war, Schritt für Schritt meinen seit 2011 geplanten Hundephysiotherapie-Praxisraum ausbauen zu lassen, meine Webseite aufzubauen und endlich beruflich zu starten, kam leider direkt nach meinem ersten richtigen Patienten, der in mir ein echtes Hochgefühl auslöste, der Zusammenbruch. Die gesundheitlichen Beschwerden, die mich seit Jahren begleitet und ausgebremst hatten, hatten sich in solche Höhen summiert, dass ich sie nicht mehr wegdenken und mental überwinden konnte: Stetig zunehmender Schwindel, Sehstörungen, Herzrhythmus- und Atemprobleme, Koordinationsschwierigkeiten in den Händen und Stabilitätsprobleme in den Beinen machten mir zu schaffen, nächtliche Spastiken in Rücken und Beinen ließen kaum noch Schlaf zu. Ich konnte aufgrund von Sehverarbeitungsstörungen nicht mehr Auto fahren, bei Spaziergängen mit den Hunden knickten mir die Beine weg, so dass ich mich im Dreck sitzend wieder fand und die Erschöpfung war derart angewachsen, dass ich nach einer Stunde Hundegang den Rest des Tages liegen musste. Mitunter konnte ich Texten oder Gesprächen nicht mehr folgen, keine neuen Informationen mehr aufnehmen oder hatte Probleme, einen begonnenen Satz zu einem sinnvollen Ende zu bringen. Dies war auch für etwaige Gesprächspartner eine äußerst irritierende Erfahrung. Nach dem überhaupt nicht ergiebigen Ärztemarathon in den vergangenen Jahren erinnerten sich in dieser echt schwierigen und zum Teil auch verstörenden Zeit zu meinem großen Glück letztendlich meine Eltern an eine Borreliose vor 21 Jahren, die ich von einer Reise nach Polen mitgebracht hatte. Die Informationen, die sie im Internet fanden, enthielten Symptomlisten, in denen ich meinen Zustand komplett wieder fand - chronische Borreliose, eine heimtückische Krankheit, über die noch viel zu wenig bekannt ist und über die sich auch die Medizinier völlig uneins sind. Endlich konnte im Januar 2015 nach dem Wechsel zu einem erfahrenen Arzt eine intensive antibiotische Therapie beginnen, die langsam, langsam erste Besserungen brachte.

 

Zur ziemlich gleichen Zeit begann mit Jankos Entscheidung, die Schule verlassen zu wollen, eine intensive Beschäftigung mit Lernkonzepten und schließlich mit homeschooling bzw. darauffolgend dem selbstbestimmten freien Lernen. Zunächst waren nur Janko und ich da involviert, doch nach der Lektüre einiger Internetseiten, die er mir gezeigt hatte, und weiterführend einer ganzen Batterie an Büchern, die ich mir nach und nach bestellte und las, wenn es mir möglich war, mussten wir dringlichst auch meinen Mann einbinden. Denn mir fiel es irgendwann wie Schuppen von den Augen: Das, was ich dort las über den natürlichen Drang, zu lernen, wenn dieser nicht zerstört wird, der Effektivität von freiem Lernen, dagegen den schier endlosen Tagen im Schulgebäude, die manchmal einfach nur abgesessen werden - das alles kam mir so leidvoll bekannt vor aus meiner eigenen Schulerfahrung wie auch aus der meiner Kinder. Das Paradoxe der Situation, dass Schreibtischtäter darüber entscheiden, wann welche Lerninhalte für alle Kinder einer bestimmten Altersklasse unbedingt notwendig seien, um sie ausreichend aufs Leben vorzubereiten, dass aber gleichzeitig die Kinder aus dem Leben raus gesammelt und in Räume gepfercht werden, um dort "fürs Leben zu lernen", den eigenen Erfahrungen, dass man nur einen Bruchteil von dem, was in immerhin bis zu 13 Schuljahren verabreicht wird, behält und verwendet später, dass aber das, was man wirklich braucht, selbst und freiwillig gelernt wurde - all dies schien mir eine Lösung zu sein für die Probleme, die in unserer aktuellen Schulsituation bestanden. Ob wir mit diesem Ansatz einen gangbaren Weg für unsere Familie finden könnten, das bliebe abzuwarten.

 

Durch meine Krankheit hatte ich genügend Zeit, mich in das Gebiet zu vertiefen - alles hat halt immer seine zwei Seiten - ohne die neuen privaten Inspirationen wäre ich wohl wegen der abrupten Ausbremsung meiner beruflichen Perspektive in ein tiefes seelisches Loch gefallen. Leicht war es trotzdem nicht, interessierte Hundebesitzer an Kolleginnen verweisen zu müssen, aber für mich war die Lernsituation meiner Kids nun in die erste Reihe gerückt und hatte Priorität.

 

Es wurde ziemlich schnell klar, dass wir in Deutschland das freie Lernen wohl nicht verwirklichen können würden, da es einen Schulzwang gibt und Kinder und Eltern, die diesem nicht entsprechen wollen, schnell kriminalisiert werden. Bußgelder, Schulzwangszuführungen, Gefängnisstrafen, Entzug von Sorgerecht - alles schon vorgekommen...

Was für eine arrogante Haltung des Staates - zu denken, eine künstlich geschaffene Institution besäße den einzig wahren Zugang, um Kindern eine Zukunft zu geben!

Zumal das gar nicht gut funktioniert, wie man aus der Pisa-Studie liest, aus dem dauernden Ruf nach Bildungsreformen erkennen kann und schlussendlich an der"theoretische(n) Erkenntnis, dass unser Bildungssystem zu viele Verlierer produziert" (Cem Özdemir in "DIE ZEIT" vom 1.April 2015, S. 63) dramatisch vor Augen geführt bekommt. Hier bliebe zunächst die Frage offen, ob die "Verlierer" nach staatlich-wirtschaftlichen Aspekten definiert werden oder aber dieser Ausdruck auf individuell-persönliche Lebensentwürfe abzielt - mir persönlich wäre das erstere sowas von schnurzepiep, wohingegen ich einer gesunden persönlichen Entwicklung beinahe alles zu Füßen legen würde. Ich habe aber das laue Gefühl, das sehen die Damen und Herren an den oberen Schreibtischen Deutschlands wesentlich anders.

 

Eine nächste Überlegung war für mich, nach Belgien zu ziehen. Die Arbeitsumgebung bliebe dieselbe, ebenso die soziale und familiäre Anbindung. Nicht weit von uns, eben 10 km entfernt über eine Ländergrenze hinweg, wäre freies Lernen möglich gewesen, doch scheute mein Mann den Aufwand eines Hausverkaufs, - neukaufs und Umzuges, und mit vier Hunden kann nicht wirklich einfach etwas vorübergehend angemietet werden. Während ich mich mit dem Gedanken vertraut zu machen suchte, dass ich also ein solch privates Lernprojekt irgendwie alleine mit den Kindern zu stemmen hätte, zumindest in der alltäglichen Organisation und Begleitung, stieß ich auf die Geschichten reisender Familien, deren Kinder frei und aus den täglichen Erlebnissen lernen dürfen. In diesem Moment kam die Idee "Wohnmobil" zum ersten Mal auf.

Wieder ein Paradoxon, denn ich konnte zu dieser Zeit krankheitsbedingt überhaupt nicht Auto fahren und hoffte nur, dass meine Behandlung überhaupt und rechtzeitig anschlagen würde. Das war über Wochen und Monate hinweg eine Zitterpartie und während ich fleißig meine Antibiotika schluckte, machte ich mich im Internet kundig über Wohnmobile. Schließlich hat alles auch wirklich geklappt, ein Schutzbrief sollte uns vor dem allerschlimmsten Stranden bewahren, falls es mit meiner Gesundheit wieder bergab gehen sollte, während wir unterwegs sind. (Der Gedanke, komplett allein verantwortlich zu sein, lastet immer mal wieder ziemlich schwer auf meinen Schultern und lässt auch Ängste aufkommen, die immer wieder neu überwunden sein wollen.)

 

Ich hatte zwischendurch trotz aller Kämpfe, Auseinandersetzungen und Frustrationen, die zu bestehen waren, trotz aller wieder verworfener Ideen und Neuanfängen in Überlegungen und Planungen, das Gefühl, als würde ganz allmählich Zahnrädchen in Zahnrädchen greifen und "das große Rad" ein Stückchen weiter voranbringen.

Wäre ich beruflich nicht gerade in diesem Moment durch die Erkrankung ausgebremst worden, sondern die Praxis wäre gut angelaufen, wie es schien, den Anfragen nach zu urteilen, wäre mir die Entscheidung, unser Zuhause zu verlassen, um den Kindern freies Lernen zu ermöglichen, sicher sehr schwer gefallen. Vielleicht hätte ich mich sogar außerstande gesehen, sie in der Weise zu treffen. Dann hätten sich vielleicht andere Wege ergeben, wer weiß? Aber so, wie es ist, ist es gut und wer weiß, wohin uns unser Weg morgen führen wird... Heute setzen wir jedenfalls Schrittchen vor Schrittchen (und uns immer wieder einfach auch mal in den Schatten oder die Sonne, je nach Lust und Laune, um zu verschnaufen, zu reflektieren und zu genießen.)

Mein beruflicher Wunsch ist es weiterhin, irgendwann hoffentlich körperlich doch wieder fähig zu sein zur Hundephysiotherapie, schließlich habe ich deren Grundlagen aus eigenem Antrieb und freiem Willen gelernt. :) Aber zunächst ist mir jetzt die Lernzeit meiner Kinder, die ich (noch) begleite, wichtiger, damit auch jeder von ihnen etwas finden kann, was sie/ihn so packt, dass es es wert ist, sich dahinein zu vertiefen.

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Kleine Basteleien nach Sturm

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Übernachten im Wohnmobil auf Stellplätzen und anderswo

Vor Beginn unserer ersten Reise im Wohnmobil war uns klar, dass das Übernachten auf gut ausgerüsteten, aber auch dicht an dicht gepackten Camping- oder Stellplätzen nicht unser Ding sein würde. Zumal mit vier z.T. - vorsichtig ausgedrückt - etwas speziellen Hunden jegliche Menschenansammlungen zu allseitigem Wohlbefinden eher zu meiden wären.

Ich hatte einen offiziellen Stellplatzführer angeschafft und war im letzten Moment vor Abreise noch auf das "France Passion"-Verzeichnis gestoßen, das auch bestellt wurde. Allerdings hatten wir von Anfang an auch vor, häufiger mal wild zu campen, in dem Bewusstsein, dass das in Frankreich mit etwas Glück höchstens geduldet, nicht aber erlaubt sei.

Es stellte sich heraus, dass man noch viel mehr Glück brauchte, um überhaupt für wildes Campen geeignete Stellen zu finden, da in Frankreich ganz viel Land, bevorzugt auch Wälder, auf die wir wegen Sichtschutz zur Zivilisation gehofft hatten, in Privatbesitz sind und entsprechend abgesperrt und gekennzeichnet. Trotzdem ist es uns ein paar Mal gelungen, wirklich tolle Stellen zu finden, deren Ruhe und Abgeschiedenheit wir sehr genossen. Ich musste allerdings als gelernte Orderbefolgerin, erst einmal meine Nerven beruhigen, bevor ich mich des Nachts dann überhaupt entspannen konnte. Irgendwie wartete ich immer auf die Gendarmerie oder einen Förster, der uns weg schicken würde. Passiert ist das bislang nicht :)

Meist trafen wir auf die wilden Stellplätze ganz unvermutet, häufig nach stundenlanger, diesellastiger Suche, das war in der sommerlichen Augusthitze ganz schön ermüdend. Es kam vor, dass die Hunde einfach wirklich dringend raus mussten, wir deshalb an einer Einbuchtung am Straßenrand anhielten, mit der Meute einen (mal nicht privatisierten) Feldweg entlangspazierten und eine Grünabfallhalde, einen Schotterplatz, eine winzige Waldstraße mit einer wie extra für uns zugeschnittenen Parkbucht entdeckten. Auch ein toller Platz direkt an der Loire war dabei, nachdem wir schwitzend (und hin und wieder zumindest innerlich fluchend) einen Tag lang gefahren und allmählich der Verzweiflung nahe waren .

 

Janko brachte in so einer Situation einen echt genialen Satz: "Es lohnt sich immer, nicht aufzugeben und doch weiterzumachen, denn es wartet immer etwas Neues und Schönes drauf, entdeckt zu werden."

Respekt, Junior! (In der Situation hatte ich nämlich tatsächlich überlegt, die ganze Sache als zu belastend für alle Beteiligten abzubrechen. Um wieviel toller war es aber dann nach dieser Strapaze, mit einem geschützten Stellplatz und einer Abkühlung in der Loire belohnt zu werden!)

 

Wild nächtigten wir auch auf einem Parkplatz vor einem mit einer verwitterten Steinmauer eingefassten Friedhof, knapp außerhalb eines Dörfchens, es blieb kaum eine andere Möglichkeit, denn es wurde langsam dämmrig, und bei Dunkelheit kann ich sehstörungsbedingt nicht fahren. Die Dämmerung war also für uns stets eine Art Deadline. Dies ließ uns auch einmal direkt neben einem Kreisverkehr mit Infotafel vor Châteauroux die Nacht verbringen. Ein Glück, dass wir immer noch rechtzeitig eine Möglichkeit fanden! Diese Nächte nahe der Zivilisation waren für mich allerdings immer recht unruhig. - Was, wenn am nächsten Morgen früh eine Beerdigung stattfinden sollte? Was, wenn die Mülleimer auf dem Kreisverkehr frühmorgens geleert werden sollten? - Mit all der Hin- und Herräumerei im Wohnmobil sowie den Hunden brauchen wir immer ziemlich lange, um aufbruchsbereit zu sein. Es ging aber immer alles gut und so ganz allmählich lerne ich, mich zu entspannen, die Kids hatten Bedenken dieser Art wohl gar nicht.

 

Der Stellplatzführer, den wir dabei hatten, brachte uns gleich am zweiten Nachmittag in Saint-Valéry-en-Caux an der Normandieküste in eine etwas prekäre Lage - auf einem offiziellen Stellplatz neben einem Hafenbecken standen dicht an dicht gedrängt französische Wohnmobile, keine Chance (und bei diesem Anblick auch kein Begehr mehr) auf einen Platz. Ich wollte die enge Straße trotzdem durchfahren, dachte noch, ich käme am anderen Ende wieder heraus, was sich als Trugschluss herausstellte, so dass ich - glücklicherweise ohne großartigen Gegenverkehr - meine erste Rückwärtsfahrt von 30 Metern zu absolvieren hatte, ohne Hilfe der Rückfahrkamera, denn die war ja schon auf den ersten 100 km in Belgien verreckt. - Links 30 cm Abstand zu einer Grundstücksmauer, rechts 30 cm zu den abgestellten Wohnmobilen, zwischen denen hier und da braungebrannte, gerne etwas beleibte Campingurlauber auf Campingstühlchen saßen und ihren Urlaub in diesem Augenblicke im lieblichen Schalle unseres Rückfahrmelders zu genießen suchten, bis ich schließlich wenden konnte. Glück im Unglück gehabt dabei, denn als wir wieder auf die breitere Anschlussstraße trafen, warteten  schon mehrere Wohnmobile darauf, in die Enge einfahren zu können - wie die wohl wieder zurückgekommen sein mögen?

Man merke: In der französischen Hauptsaison benötigt man eher Geheimtipps für gute Plätze als einen offiziellen Stellplatzführer, den anscheinend viele haben - wir nächtigten auf einen Tipp meiner Schwester hin in dieser und in der folgenden Nacht auf einem ziemlich weitläufigen und überhaupt nicht überlaufenen Stellplatz in St. Aubin-sur-Mer mit Fischereibetriebsamkeit direkt am Meer.

 

Das "FrancePassion"-Verzeichnis entpuppte sich hingegen als wahre Fundgrube. Man zahlt einen Jahresbeitrag von 29 EUR, um das Verzeichnis zugeschickt zu bekommen und kann dann bei vielen privaten Gastgebern kreuz und quer durch Frankreich mit einem autarken Wohnmobil für eine Nacht kostenlos stehen. Meist sind diese Plätze auf max. 5-6 Wohnmobile begrenzt, also kein Massenbetrieb, und liegen sehr ländlich, beides Punkte, die uns sehr entgegenkamen. Da man sich bei den Besitzern des Platzes kurz an- und abmeldet und häufig in kleinen Hofläden regionale Produkte, oft aus eigener Herstellung, kaufen kann (aber nicht dazu verpflichtet ist), sind diese Plätze zwar nicht unbedingt preiswerter als andere Stellplätze, aber man kommt ein wenig in Kontakt mit Einwohnern und erfährt manches Interesssante über die Region. Wir übernachteten über FrancePassion bereits bei einer Huilerie, die aus alter Familientradition ganz köstliches Wal- und Haselnussöl herstellt, einem weiteren Bauernhof mit Haselnussprodukten, zwei Bisonzuchten, wo wir die beeindruckenden Tiere auf ihren riesigen Ganzjahresweiden beobachten konnten, einem Schmied, dessen Arbeit Janko besonders faszinierte und der menschlich ein wirklich inspirierender Geist war. Bei einem großen Museum für alte technische Geräte, Nähe Azay-le-Rideau, haben wir ebenso übernachtet und die alten Maschinen bestaunt, wie hinter einem kleinen, schhnuckeligen Schloß, Château de Nitray, dessen Außenanlagen wir am nächsten Morgen kurz besichtigen durften. Total toll! Bei einem Winzer haben wir eine stürmische Nacht unter hohen Eichen verbracht und am nächsten Morgen vergnügt mit heruntergeprasselten Eicheln gebastelt, bei einem anderen Winzer kamen wir in dessen Abwesenheit an und haben als erstes einen Waldbrand hinter dem Parkplatz gemeldet und mit Eimerkette beim Löschen geholfen. Eine Nacht auf dem noch etwas verrauchten Parkplatz und zwei Flaschen Rosé aus dem aus dem 10. Jhd. stammenden Cave gab es als Dankeschön für dieses Abenteuer noch dazu.


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Unser Weg ins selbstbestimmte Lernen

Angestoßen hat diesen wahrlich umwälzenden Bildungs-Prozeß unser Ältester, Janko, der vor Eintritt in die Oberstufe feststellte, dass er in der Schule einfach zu wenig Gelegenheit hat, die Dinge, für die er sich begeistert, zu erlernen, gleichzeitig aber durch den langen Schultag auch kaum noch Energie übrig hat, dies anschließend zu Hause zu tun. Jedoch war ich zum Zeitpunkt seiner Erkenntnis als Mutter noch voll in Norm-Bahnen gefangen und verweigerte ihm schlichtweg den Ausstieg aus der Schule nach Erreichen der Mittleren Reife mit Oberstufenquali, da er keinerlei Alternative "zu bieten" hatte, sprich den Wunsch nach einer Ausbildung oder überhaupt irgendeine Zukunftsmusik. Dass die Jugendlichen vor lauter Belehrtwerden (und das 8/9/10 Unterrichtsstunden am Tag) nicht unbedingt dazu kommen können, herauszufinden, welches nun ihr eigener Weg sein soll, war mir gar nicht so klar: "Kein Ausbildungsplatz, kein soziales Jahr, zum Glück noch zu jung für die Bundeswehr - vergiß es! - Du bleibst erst einmal in der Schule..."

Janko jedoch ging schon immer seinen Weg, stetig und stets der eigenen Nase nach, ohne sich von Konventionen und Gruppenzwängen großartig beeindrucken zu lassen. So gelang es ihm, mit Beharrlichkeit, Recherchen und einigen Links aus dem Internet irgendwann während der 11. Klasse zu mir durchzudringen, mir seine Ansichten, was Lernen betrifft, klar zu machen. Das, was ich an seiner Haltung zunächst als leicht arrogant abgetan hatte ("Mama, die Schule bringt mir nichts! Hier lerne ich nichts, was mich wirklich interessiert! Was mich interessiert, lerne ich viel effektiver allein."), bekam bei näherer Betrachtung einen dicken wahren Kern. Janko hat sich immer mehr für andere, selbstgewählte Lerninhalte interessiert als für die Schulfächer. Dadurch hatte er spätestens seit später Unterstufe den Ruf, ziemlich faul zu sein. Betrachtete man das aber genauer, konnte davon überhaupt keine Rede sein - hatte er doch z.B. im späteren Kindesalter ein wirklich überdurchschnittliches Wissen über Mittelalter, Ritter und Wikinger erworben. Dies ging sogar so weit, dass er ein Kettenhemd herstellte, nachdem er sich auf Mittelaltermärkten und in Büchern die Verkettungstechniken abgeschaut hatte. In späteren Jahren setzte sich ebendiese Tendenz fort in Bereichen wie Geschichte, Ernährung, Muskelaufbau, Politik u.a. Nur eben nicht in Englisch, Französisch, Biologie und so fort... -"Der Jung' ist halt stinkefaul!"

Ähem - halt, das stimmt so nicht! Er bestimmt nur ziemlich konsequent selber, wofür er sich einsetzt und wofür nicht.

 

Okay, also mich hatte er überzeugt und mit der Nase darauf gestoßen, dass man tatsächlich wesentlich effektiver lernt, weil man sich für etwas begeistert und nicht etwa, weil es im Lehrplan der 11. Klassen steht.

Ist es mir nicht genauso ergangen? Was habe ich vom Schulstoff eigentlich behalten? - Großes Latinum  gemacht, kann keine zwei Worte Latein mehr, in Mathe war ich in der Oberstufe ganz gut, heute kann ich teilweise meinem Siebtklässler nicht auf Anhieb helfen, in Chemie, Politik, Physik und Geschichte hab' ich schon damals völlig gelangweilt die Stunden abgesessen und mir in Geschichte in einem Halbjahr rein durch die Bereitschaft, Textabschnitte aus dem Unterrichtsbuch vorzulesen, eine "2" erarbeitet. Fachlich war ich 'ne Null, vom Inhalt mitbekommen hab' ich nix. Hauptsache schön gelesen...

Dafür besitze ich aber eine große Begeisterung und ein Händchen für Tiere, habe schon als Kind Spatzen- und Igelbabies aufgezogen und in den letzten Jahren auf dem Gebiet durch meinen Einsatz im Tierschutz rasant dazu gelernt. Wie von selbst und mit Riesen-Freude. Eine wachsende Hundeschar und Gezwitscher aus allen Ecken und Winkeln des Hauses zeugen davon. Weiterhin wie schon früher meterweise Bücher gelesen, zu allen möglichen mir interessant erscheinenden Themen. Eine Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin erfolgreich abgeschlossen. Alles selbst ausgewählt und Lernen dabei nie als Qual und Zeitverschwendung empfunden wie so manchen Schultag, sondern als intensive Bereicherung.

Mich hatte Janko also auf seiner Seite, blieb "der harte Brocken Papa", der mit häppchenweise Freilerner-Kost, hier einem Film, dort einem Buch, hier einem Vortrag, dort einem Publikumsgespräch gaaaaaanz allmählich angefüttert werden konnte und nach und nach seine Scheu vor dem unbekannten Terrain verlor. Janko machte Nägel mit Köppen und verließ nach dem 1. Halbjahr der 11. Klasse die Schule, z.T. unter verständnislosen (aber zuweilen wohl etwas neidischen) Kommentaren seiner Mitschüler - unglaublich, da hatte er ganz knapp die Quali für die Oberstufe geschafft und dann machte er nix draus... Was willst Du denn bloß später mal machen ohne Abi? Was willst Du denn überhaupt jetzt machen?

Wir meinen - das wird sich schon ergeben, Janko wird seinen Weg finden, davon sind wir überzeugt! Und zwar durch leben und lernen.

Mia, die Mittlere unserer drei Kinder, hatte das unverschämte Glück, dass sie mit Pflichtbewusstsein und Bestnoten, ohne allzu großen Arbeitsaufwand zu betreiben, nur so durch die Schule flutschte, im zweiten Kindergartenjahr den anderen Kindern Bücher vorlas, in der Grundschule eine Klasse übersprang und gerade eine sehr gute Mittlere Reife erlangte (ohne dafür mehr als vielleicht höchstens ein einziges Fingerglied krumm gemacht zu haben). (Ich weiß, dass ihr diese Auflistung bestimmt ein bisschen peinlich wäre, das bleibt einfach unter uns, okay? :) ) Erkauft wurden diese Erfolge allerdings mit großer Erschöpfung nach den langen Schultagen, Dauerkopfschmerzen, dem Alltagsgefühl gähnender Langeweile und einer einzigen großen Sehnsucht - der Sehnsucht nach dem Schulgong. Mias erleichterte Entscheidung im Zuge unserer Entwicklung hin zur freien Bildung: "Dann mach' ich einfach später das Abi als Externe und jetzt reisen und leben wir erstmal."

Jakob, unser Junior, hat das Pech, nicht wirklich gruppenkompatibel zu sein. Es scheint bei ihm so eine Art vollautomatischer Widerspruchs-Geist eingebaut zu sein, der ihm beständig zuflüstert: "Was alle machen, machst Du gerade nicht!" Das zog sich schon seit frühester Babyzeit durch die Kindergarten- und Grundschulzeit hindurch bis in die Jahre auf der weiterführenden Schule. Er hinterließ eine wüste Spur aus verzweifelten Eltern (also, den eigenen), ratlosen Erzieherinnen und sich die Haare raufenden LehrerInnen. Seine schulischen Leistungen sanken gen unterirdisch. Was aber ungleich dramatischer war, war die Tatsache, dass mit jedem Tadel, mit jeder Zurechtweisung ein Stückchen des Jungen abzubröckeln schien und er immer grauer und gebeugter wirkte. Auch Ärzte und Therapeuten, zu denen wir geschickt wurden, schafften es einfach nicht, diesen Widerspenstling einzuebnen, ihn der Schulumgebung anzupassen - es war aller-, allerhöchste Zeit für uns, diese Umgebung zu verlassen, damit noch etwas von dem kleinen und eigentlich groß werden wollenden Menschen übrig blieb.

 

Das Konzept des freien, selbstbestimmten Lernens geht davon aus, dass dem Kind und ganz grundsätzlich dem Menschen ein natürliches Bedürfnis, zu lernen, innewohnt und es in einer fruchtbaren und anregenden Umgebung seine Persönlichkeit individuell optimal entfalten kann. Diese These wird von namhaften Hirnforschern und Entwicklungspsychologen unterstützt. So wie sich in den ersten Lebensjahren Laufen, Sprache und vieles andere entwickeln, weil das einfach zum Leben dazugehört und auch, weil sich an Vorbildern/Mentoren orientiert wird, wo das möglich ist, so kann sich auch alles andere entwickeln, was benötigt wird. Das, was ein Mensch aus eigenem Antrieb lernt, in was er sich intensiv vertieft, das wird viel eindrücklicher Teil seines Lebens, ja, seiner Person, als was in ihn hineingefüllt werden soll, weil an irgendeinem Büroschreibtisch entschieden wurde, dass das nun ein wichtiger Lerninhalt für alle Kinder in diesem Alter sein soll.

Die Schule als Institution ist ja entwicklungsgeschichtlich gesehen eine ziemlich junge Erscheinung und auch vorher wurden kleine Menschen groß und lebten ihr Leben.

In Deutschland ist der Weg des selbstbestimmten Lernens weder vorgesehen noch erlaubt, anders als in vielen, vielen anderen  Ländern. Die vollständige Kontrolle durch den Staat scheint hierzulande wichtiger als das Zutrauen in den Menschen als eigenständiges Individuum .

Ich fühle mich selbstredend in erster Linie meinen Kindern  nahe und möchte sie in allen Aspekten ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen. Wenn dabei die Grenzen des für unser Heimatland Möglichen überschritten werden, weil dort bildungstechnisch keinerlei Vielfalt zugelassen wird, dann ist für mich die Konsequenz, die einengenden Bahnen zu verlassen und meinen Kindern Vielfalt zu ermöglichen.

 

Wir wenden uns nun ganz bewusst von dem "Belehrt-Werden" ab und sind neugierig, was das Lernen-Wollen alles zutage fördern wird.  

 

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Mit einem Uralt-Wohnmobil auf Tour

Foto: Janko Möbes

Wer, der überhaupt gar nicht gerne Auto fährt, schon gar nicht in fremden Gegenden, null Orientierungssinn besitzt und technisch nicht wirklich versiert ist, kommt schon auf die Idee, eine längere Wohnmobilreise im dafür angeschafften Wohnmobil-Oldie zu unternehmen?

Das hab'ich mich selbst schon häufiger gefragt und diese Frage glitzert, nun auf Tour und mit den ersten Zipperlein unseres WoMos in Kontakt getreten, immer wieder mal heimtückisch in meinem Hinterkopf.

Es schien uns im Frühjahr diesen Jahres keine wirklich andere Lösung zu geben für ein schulfreies Leben, als Deutschland sporadisch zu verlassen. Häuser mieten irgendwo - zu teuer und mit vier Hunden schwierig. Also: Unser eigenes Häuschen mit uns führen, in dem alle ihr begrenztes, aber dennoch eigenes Plätzchen hätten und wir frei entscheiden könnten, wo es uns gefiele und wir ein Weilchen bleiben wollten. Monatelang hatte ich dazu Wohnmobilgruppen und -foren studiert, Verkaufsanzeigen gelesen und verglichen. Klar war: Die Finanzen lassen, wenn überhaupt, nur ein heute wohl steinzeitlich anmutendes Gefährt zu (tatsächlich haben wir in drei Wochen Frankreichfahrt bislang nur zwei ähnlich betagt aussehende Gebilde gesehen). Klar war auch - das bedeutet Abstriche an Komfort und Einrichtung, das war uns egal, aber rollen sollte es schon zuverlässig.

Die Wahl fiel also auf einen FiatDucato 2,5l TurboDiesel, Alkoven von 1992. Dass der Verkäufer selbst den Wagen nur drei Monate lang nutzte und irgendwie enorm viel schwatzte, bereitete mir zwar zwei schlaflose Nächte, aber dennoch sah der generalüberholte Motor und die Karosserie ganz gut aus und die Aufteilung im Wohnraum passte, so dass wir uns nach einer Bedenkzeit zum Kauf entschlossen.

Nach der ersten Erkenntnis, zuhause angekommen, dass die Dusche zwar wasserversorgungstechnisch funktionierte, aber das Abwasser munter in unsere Einfahrt plätscherte aus irgendwelchen undefinierbaren Verkleidungsnischen am WoMo-Boden und sich der Zustand auch nicht beheben ließ, ohne den Grauwassertank abzunehmen, kaufte ich schlicht zwei Solarduschbeutel, das müsste erst mal reichen, wir wollten ja auch Meer, Seen und Flüsse besuchen und die kombinierte Klo-/Duschkabine war eh ziemlich eng.

Mit Außenstrom aus unserer Garage gepimpt, klappte sowohl der Kühlschrank- als auch der Klimaanlagentest, alles bestens :) . Nach drei Wochen ohne Außenstrom allerdings war das WoMo nicht mehr zu starten - hmm, angeblich sollte doch die Starterbatterie gar nicht so alt sein, ich schaute in der Mappe nach den Rechnungen, die mir der Vorbesitzer beim Besichtigungstermin gezeigt und mitgegeben hatte. Echt seltsam - ein plötzlicher Dokumentenschwund - es war keine Batterierechnung mehr auffindbar... Der erste Werkstatttermin stand an, aufgeladen mit Garagenstrom, damit ich bis dorthin käme, fand der Werkstattbesitzer zunächst nichts dramatisch Auffälliges. Nach zwei Tagen Trennung vom Stromnetz fiel dann aber erneut auf, dass das WoMo so nicht losfahren würde, also wieder einen Termin, neue Batterie eingebaut und eine der Batterieschellen erneuert, ebenso zur Sicherheit einige rissige Kraftstoffschläuche und den verbrauchten Kraftstofffilter. Jetzt sollte unserer Abfahrt aber echt nichts mehr im Wege stehen. Na, dann mal los...

Schon nach 15 Minuten Fahrt auf der belgischen Autobahn rappelte alles gewaltig (wie man es von belgischer Autobahn durchaus auch im PKW kennt, nur eben lauter und mit gut zwei Tonnen mehr Wumms dahinter ;-) ). Ein kurzer Aufsetzer bei einer vorher nicht erkennbaren Bodenwelle und die Rückfahrkamera hatte kein Bild mehr. Naja, nicht so schlimm, wir haben ja Außenspiegel.

In den ersten vier Tagen stellte sich dann heraus, dass der Kühlschrank ausschließlich während der Fahrt auf 12V funktionierte, da der Gasbetrieb irgendwie nicht zünden wollte (zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht ausgeschlossen, dass wir einfach nur nicht kapieren, wie man den anschmeißt) und wir keine Elektrozufuhr von außen nutzen, daher funktioniert auch die Klimaanlage nicht, die Griffe vom Heckdachfenster brachen einer nach dem anderen ab, so dass ich es mit vorsichtshalber mitgenommenem  (man weiß ja nie) Silikon schlichtweg von außen zuklebte, wir hatten ja noch zahlreiche andere Fenster zur Belüftung (etwas später folgte dann ein Griff des Alkovendachfensters, aber der andere hält tapfer durch, so dass wir es immerhin HALB öffnen können). Im Kloraum, fiel uns der Griff des Belüftungsfensters in schöner Regelmäßigkeit - nein, glücklicherweise nicht in die Schüssel, sondern auf den Kopf, so dass der Griff einfach auch mit Silikon fixiert wurde, ebenso wie der Rahmen des vorderen Dachfensters, dessen Schrauben einfach nicht in den Dachplatten halten wollten. Eine der protzig ältliche Felgen kaschierenwollenden, chromglänzenden Radkappen hatte auch bereits den Abgang gemacht, ich hoffe wirklich, sie hat auf ihrem Weg keine größeren Opfer gefordert. Zunächst überlegte ich, alle anderen Radkappen schlicht auch zu entsorgen, da sie sich aber ganz schön als Trommelgrundlage eignen für musikalische Momente, dürfen sie erst mal weiter mitfahren.

Kühlschranktechnisch mussten wir flugs umdisponieren, was die Haltbarkeit unserer Einkäufe anging, gewannen dadurch aber ganz erstaunliche Erkenntnisse: Gouda z.B. hält sich mit einigen Stoßkühlungen und sonstigen Temperaturen von 20-30 Grad bis zu zwei Wochen ohne zu schimmeln :-)

 

Sind eigentlich in neueren Wohnmobilen größere Fäkaltanks verbaut? Bei voller Benutzung müssen wir jeden Tag leeren, sonst drohen Überflutungen bei größeren Bodenwellen (hatten wir bislang dank sorgsamer Logistik zum Glück noch nicht) , vorne im Fahrerhaus ist dann die aromatische Bedunstung bei geöffneten Fenstern gut aushaltbar, jedoch die bedauernswerten Mitreisenden im Wohnaufbau wären gut vorbereitet für einen Job bei den städtischen Klärwerken.

Eines schönen Tages in unserer dritten Reisewoche fiel beim Abstellen des Wohnmobils urplötzlich der komplette Strom im Wohnaufbau aus, die kids konnten ihre elektrischen Spielereien nicht mehr laden und leider funktionierte auch keine Wasserpumpe mehr, so das wir weder an Waschbecken noch aus der Klospülung fließend Wasser hatten. Nach dem ersten Entsetzen fiel Janko genialerweise ein, dass wir ein Frischwasserablaßventil am Unterboden des WoMos auf der Beifahrerseite haben, aus dem das Wasser je nach Stimmung auch mal träge tröpfelt bzw. munter fließt. Wir verbrachten also die weiteren fünf Tage damit, für Spülen, Klospülen und Zähneputzen mit einer Schüssel bewaffnet unter dem WoMo Wasser zu zapfen. Es ist ganz erstaunlich, mit wie wenig Brauchwasser man auskommen kann, wenn es nicht anders geht. Das hat tatsächlich auch Einfluß genommen auf mein Verhalten im Haus, wo man gedankenlos wie früher den Wasserhahn öffnen und fließen lassen könnte, aber es ist schon möglich, den Wasserverbrauch ganz bewusst einzudämmen.

In zehn Tagen haben wir einen Termin bei einer Werkstatt, um checken zu lassen, ob die 12V-Batterie hinüber ist oder sich bloß irgendein Kabel losgerattert hat, dies wollte ich nicht unterwegs machen, da der Innenraum des WoMos dafür natürlich frei sein muss und wir ansonsten in Blois oder sonstwo mit vier gestressten Hunden im Werkstattgelände hätten warten müssen.

Unsere immer noch wild entschlossen gute Stimmung drohte einen kleinen, ganz kurzen Moment lang zu kippen, als nach drei Tagen Wassernutzung aus dem Ablaßventil wir kurz auf einem Rastplatz hielten, um unseren Müllsack in einer Tonne zu entsorgen und das WoMo anschließend nicht mehr anspringen mochte. Ein kurzes Aufbrummen, dann war die Batterieanzeige auf Null. Das darf doch wohl nicht wahr sein, die Starterbatterie war ganz neu! Puh! Und jetzt? Ok, Handy und Versicherungsnummer gezückt. Dann die im wahrsten Sinne des Wortes zündende Idee: Wir schau'n mal unter die Motorhaube... Zwar keine Ahnung, aber ein Blick kann ja mal nicht schaden. Und Janko und ich ertappten und beseitigten den Störfaktor in einer einer wahrhaft triumphalen Aktion: Die neue Batterieklemme hatte sich während drei Wochen Tour gelockert und lag nur noch lose auf dem Pol auf - aufgeschraubt, richtig angelegt, zugeschraubt, und die Fahrt konnte weitergehen. Im Inneren des Wohnmobils erstickten Mia und Jakob unterdessen fast an einem Lachflash - Erkenntnis: Zu viele Kleinkatastrophen fördern anscheinend den Sinn für Humor.


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So schnell können sich Pläne ändern...

Foto: Mia Möbes

Diese Zeilen schreibe ich aus Rivarennes, Touraine, Frankreich. Im momentan von meiner Schwester bewohnten Gîte meiner Eltern  haben wir nach drei Wochen wilder Frankreich-Kreuzfahrt einen Stopp eingelegt, der knapp drei Wochen dauern wird.

Nach unserer Planung wären wir wohl eigentlich gerade in Nordspanien, wenn, ja wenn....

 

Pläne können sich sowas von schnell ändern, das haben wir schon in den ersten paar Wohnmobil-Fahrtagen gelernt. Besonders, wenn man einfach ausprobiert, was machbar ist und was nicht und mit einer gehörigen Portion Naivität in eine solche Unternehmung hineintapst. Und wenn es nicht nur um die eigene Nase geht, sondern man auch die Verantwortung für Mitreisende trägt, die schlichtweg komplett abhängig sind von dem, was man plant und tut.

So schmissen wir nach den ersten paar Tagen wirklich all unsere Pläne in Richtung iberischer Halbinsel über den Haufen und genießen nun, statt Asphalt unter den Reifen zu haben, eine feste Basis mit viel Platz, Familienanschluss, Internetzugang, großem Garten und noch mehr Luxus, den wir zuhause für alltäglich hielten, der uns nun, nach drei Wochen Wohnmobil-Oldie zunächst fast unvorstellbar vorkam (fließend Wasser ohne Nachfüllsorgen, Duschmöglichkeit, Muße, auch mal etwas zu lesen, Strom und Internet - für die Kids und den Blog natürlich besonders wichtig).

Nach einigen Tagen Fahrt war klar, dass unsere älteste Hündin Rica unter Riesenstress litt und mit den dauernden Umstellungen überhaupt nicht zurecht kam, was sich in ganz erbärmlichem Gesichtsausdruck, eingekniffener Rute und Dauergebell außerhalb des Wohnmobils äußerte. Wir waren also stellplatztechnisch extrem eingeschränkt, versuchten, möglichst ruhige Stellen  zu finden, fernab von Menschen. Nicht allzu einfach in der Ferienhauptsaison. Die zudem, wie uns ein Franzose erklärte, aufgrund der Angst vor Anschlägen, in diesem Jahr größtenteils im eigenen Lande verbracht wird. Und wirklich: Massen an französischen Wohnmobilfahrern waren auf Straßen und Stellplätzen unterwegs, die Sichtungen von ausländischen Wohnmobilen können wir nach drei Wochen noch immer locker an zwei Händen abzählen.

Dazu wechselte das Wetter von kühlen  Gewitterfronten gleich zu Beginn in der Normandie zu immer wieder großer Hitze - wenn man es recht bedenkt nicht unbedingt außergewöhnlich im August... Mit unklimatisiertem Wohnmobil ein No-Go für die Insassen

Viele offizielle Stellplätze an den Küsten waren eng an eng verstopft, derart vollgeparkt, dass man gerade eben so die Türe des Wohnaufbaus öffnen konnte, ohne an den Nachbarn zu stoßen. Unvorstellbar für uns, wie man so (selbst ohne vierbeinige Begleitung) einen Urlaub genießen soll. Die Fahrt immer an der Küste entlang hatte sich damit für uns direkt erledigt.

Nach zwei Tagen Normandieküste bei St. Aubin s. Mer entflohen wir den Gewitterfronten in Richtung Südwesten, um etwas besseres Wetter zu haben und gerieten am Atlantik in eine echte Hitzewelle. Zum Glück hatten wir einen einigermaßen ruhigen Schattenplatz unter Bäumen erwischt, wo wir zwei Tage stehen durften.

Weitere für uns geeignete Stellplätze an der Küste fanden wir nicht und beschlossen daher, wieder ins Landesinnere zu fahren, wo es ein bisschen einfacher ist, wild zu stehen, obwohl eigentlich nicht erlaubt in Frankreich (meine Schwester, die seit 15 Jahren in Frankreich lebt, grinste über meine ziemlich deutsche Überbesorgtheit und meinte nur: "Leg das mal ab, die Franzosen halten sich selbst an kein einziges Verbot!"). Und tatsächlich haben wir nie irgendwelchen Ärger bekommen, ab und zu wurden wir mal mißtrauisch gemustert, ernteten häufiger aber ein freundliches Kopfnicken. Wir achten beim wilden Campen stets darauf, von Bäumen/Gebüsch ein bisschen verdeckt zu stehen, möglichst auch abseits von Bebauung, niemandem im Weg zu sein und - ganz wichtig - den Platz sauberer zu verlassen als wir ihn vorgefunden haben. Zu diesem Zweck habe ich stets den jeweiligen Platz von wild umherliegendem Müll gesäubert, so hatten alle etwas davon - wir ein Plätzchen für die Nacht und die nachfolgenden Besucher einen saubereren Anblick. Natürlich werden auch Grauwasser- und Fäkaltank nicht einfach wild entsorgt, zumal es in Frankreich, ganz augenscheinlich dem Lande der begeisterten Camper in vielen Dörfern Gratis-Entsorgungsstationen (Aire de service Camping-Cars) gibt, die allerdings nicht immer ganz leicht zu finden sind, weil häufig nicht lückenlos ausgeschildert.

 

Wir haben also schon in den ersten paar Tagen festgestellt, dass diese Art zu reisen, nicht wirklich etwas für uns ist, denn "Feel free to be free" kann nur so lange gelten, wie es allen dabei gut geht. Und dazu gehören selbstredend als Familienmitglieder auch unsere Hunde. Von den Kids hörte ich Sätze wie: "Ich komm' mir vor wie ein Gefängniswärter", weil ständig Hündin Rica wieder in ihre Box gebracht werden musste, statt sich draußen ein Lüftchen um die Nase wehen lassen zu können (wie wir uns das ursprünglich vorgestellt hatten) oder auch: "Ich fühle mich irgendwie wie auf der Flucht", weil wir halt nirgendwo länger als ein/zwei Nächte stehen konnten und in den ersten zehn Tagen wegen der Hunde Menschen möglichst mieden, das änderte sich zum Glück in der zweiten Hälfte der Fahrt ein bisschen, dazu später in einem anderen Beitrag mehr.

Wir sind dabei, uns Gedanken zu machen, wie es längerfristig weitergehen kann, unsere Pläne in der Theorie erwiesen sich jedenfalls in der aktuellen Konstellation im Praxistest als deutlich zu hoch gegriffen. Aber auch das ist ja ein Lerneffekt und wir sind nicht böse drum, sondern dankbar, dass wir relativ "frei Schnauze" entscheiden können, wie wir weitermachen. Und sind ganz optimistisch, eine Lösung finden zu können, die allen gerecht wird.

Auf dieser ersten Reise werden wir nach den drei Wochen Touraine aufbrechen in Richtung Corbières, Nähe Carcassonne, dort lebt eine Tante der Kinder, sehr, sehr ländlich in wunderschöner Umgebung. Wir wollen dort bei Apfel- und Kastanienernte und -verarbeitung helfen, mit Hilfe des Cousins die doch sehr marode Elektronik des Wohnmobils ein bisschen in die Gänge bringen, später eventuell noch eine kleine Schleife nach Spanien drehen und dann wieder nach Hause fahren, je nachdem, wie alles klappt und wie wir Lust haben.

 

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